Hat er seine Freundin vergewaltigt?

Thun

Ein 21-Jähriger aus dem Berner Oberland bestreitet, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Es ist nicht das einzige Delikt, das im vorgeworfen wird.

Der Beschuldigte gab zu, seine Partnerin geschlagen zu haben. Die Vergewaltigung bestreitet er.

Der Beschuldigte gab zu, seine Partnerin geschlagen zu haben. Die Vergewaltigung bestreitet er.

(Bild: iStock)

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland, wirft einem 21-jährigen Schweizer aus dem Berner Oberland vor, gegen Ende des Jahres 2016 seine damalige Freundin vergewaltigt zu haben.

Nach einer Auseinandersetzung wegen eines Mobiltelefons kam es vorerst zu Tätlichkeiten. Anschliessend wollte der Beschuldigte den Geschlechtsverkehr vollziehen, was die Frau ablehnte. Er forderte sie auch auf, ihn oral zu befriedigen. Schliesslich gelang es ihm aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit, den Geschlechtsverkehr zu erzwingen.

Nachher bereute er offenbar seine Tat und schlug der Frau nach einer Entschuldigung vor, sie könnten zusammen etwas essen gehen. Dieser war aber nicht mehr danach zumute, sie wollte sich nach draussen entfernen. Er hielt sie zurück und drückte ihren Kopf und Körper gegen eine Wand. Erst auf ihr Schreien liess er von ihr ab.

«Sache kommt hoch»

Nun stand der Mann vor dem Regionalgericht Oberland in Thun. Die Verhandlung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Beschuldigte bestritt die Vergewaltigung, gab aber zu, dass er seine Partnerin geschlagen hatte. Die ehemalige Freundin bestätigte mit leiser, praktisch unverständlicher Stimme und oft den Tränen nahe die in der Anklageschrift enthaltenen Vorwürfe. «Die Sache kommt mir immer wieder hoch», sagte sie.

Vergewaltigung ist aber nicht das einzige Delikt, das der Beschuldigte auf dem Kerbholz hat. Vor dem Vorfall vermutete er im Herbst 2016, dass seine damalige Freundin etwas mit einem andern Mann zu tun haben könnte. Vor einem Restaurant forderte er sie telefonisch auf, nach unten zu kommen.

In Personengruppe gefahren

Als diese sich weigerte, drohte er ihr, er werde mit seinem Personenwagen in die Personengruppe vor dem Restaurant fahren. Gesagt getan: Er setzte seine Drohung in die Tat um und fuhr in die Gruppe von acht Personen hinein. Dabei verletzte er einen Mann schwer. Diese Tat hat er eingestanden.

Unbestritten war auch, dass der Beschuldigte aus Wut das Handy seiner Freundin zerstört hatte. Im Weiteren gab er zu, Hausfriedensbruch begangen zu haben. Staatsanwältin Daniela Haeberli hielt die Aussagen des Opfers für glaubwürdiger als jene des Täters. Sie beantragte eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren, eine ambulante Therapie sowie eine Geldstrafe.

Der amtliche Verteidiger plädierte für eine verminderte Schuldfähigkeit seines Klienten. Er beantragte eine bedingte Geldstrafe von 255 Tagessätzen bei einer Probezeit von zwei Jahren. Die Anwältin des Opfers, das als Privatklägerin auftrat, forderte eine Genugtuung von mindestens 14'000 Franken. Die Urteilseröffnung findet am Montag statt. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutung.

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