Warum der Schwan gleich zweimal stirbt

Im KKThun wird innerhalb von neun Tagen zweimal «Schwanensee» aufgeführt. Die KKThun AG spricht von «unglücklichen Umständen».

Marco Zysset@zyssetli

«‹Schwanensee› – das Staatliche Russische Ballett Moskau. Russlands erfolgreichstes Tour-Ensemble im Januar 2019 zurück in der Schweiz.» So wirbt die KKThun AG auf ihrer Website für die Ballettaufführung vom 15. Januar. Zwei Zeilen später wird eine Veranstaltung vom 24. Januar beworben: «‹Schwanensee› – Russian Classical Ballet, die renommierte Moskauer Kompanie, die von der berühmten Tänzerin Evgeniya Bespalova geleitet wird, zum ersten Mal in der Schweiz, um eine Neuproduktion des Meisterwerks des klassischen Balletts zu präsentieren.»

Zweimal «Schwanensee» in neun Tagen am selben Ort: Da wurden nicht nur Ballettfans stutzig, sondern auch die Agenturen, die das KKThun gebucht hatten, um ihre Inszenierungen aufzuführen. «KKThun verwirrt Publikum: 2× ‹Schwanensee›-Ballett hintereinander», schreibt die Basler Agentur Act Entertainment an diese Zeitung.

Sie veranstaltet die Vorstellung vom 15. Januar und beschwert sich, dass die zweite Show «ohne Avisierung des langjährigen Veranstaltungspartners Act Entertainment ins Programm» aufgenommen wurde. Die portugiesische Agentur Classic Stage, die den Anlass vom 24. Januar veranstaltet, schreibt auf eine Anfrage, es sei um diese Jahreszeit normal, dass mehrere Ballettproduktionen auf Tour seien.

So gesehen sei die Situation in Thun nicht neu. Allerdings gestehen die Veranstalter auch eine gewisse Nervosität, sei doch die Inszenierung eine neue, die diese Saison erstmals auf Tour sei – und zum ersten Mal überhaupt in der Schweiz haltmache.

KKThun AG bedauert

Die KKThun AG bedauert die Situation. «Die KKThun AG stellt lediglich die Räume, das technische Material und die Gastronomie zur Verfügung der Veranstalter», schreibt sie auf Anfragen. So sei es dazu gekommen, dass zwei verschiedene Produktionen in derselben Saison dasselbe Stück vorführen.

Den Grund für die Doppelspurigkeit sieht die KKThun AG darin, dass die Veranstalter im Voraus «nicht zwingend» angeben müssen, welche Show sie durchführen. Allerdings heisst es im Mail der Kommunikationsabteilung der KKThun AG auch: «Nachdem uns die Situation bekannt wurde, haben wir natürlich sofort die Veranstalter informiert.» Die Verträge seien bereits unterschrieben gewesen, weshalb man den Parteien vorgeschlagen habe, ihre Veranstaltung ohne Annullierungsgebühren zu verschieben oder abzusagen. «Trotzdem haben sie sich entschieden, die Shows durchzuführen.»

Zudem betonen die Verantwortlichen in Thun: «Wir sind jetzt sensibilisiert und fördern die Kommunikation zwischen den Veranstaltern. Wir machen sie auch darauf aufmerksam, dass diese Situation eintreten kann, falls wir nicht von Anfang an wissen, welche Show sie zeigen.»

Thuner Tagblatt

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