Warum in die Ferne schweifen...?

«Warum sollte ich in die Ferien reisen, wenn ich hier an einem Ort lebe, an dem andere Ferien machen?» Bloss: Was machen denn all jene, die im Sommer hierbleiben?

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Blumen und Bäume

Sommerferienzeit ist für mich Gartenzeit. Ein idealer Sommergartentag ist warm und trocken und beginnt am kühlen Morgen mit den anstrengendsten Arbeiten. Je höher die Sonne und die Quecksilbersäule des Thermometers steigen, desto geringer wird der Arbeitseifer. Schleppe ich am Morgen noch ganze Säcke mit abgesägten Ästen, ausgerupftem Unkraut und Rasenschnitt problemlos durch die Gegend, reicht am späteren Nachmittag ein kleines Becken mit frisch gepflückten Beeren, um mir den Schweiss auf die Stirne zu treiben. Der Lohn der Arbeit ist schliesslich ein leckeres Abendessen mit meiner Chefgärtnerin inmitten von Blumen, Sträuchern und Bäumen, gefolgt von einem gepflegten Abhängen mit Bier und Gitarre.

Hätte ich keinen Garten, würde ich Shinrin Yoku betreiben. Es hat seinen Ursprung in Japan und heisst auf Deutsch so viel wie Waldbaden. Anders als bei Waldspaziergängen sind Bäume und Sträucher nicht die Kulisse, sondern das Ziel. Ätherische Öle einatmen, nasses Moos unter den Füssen spüren und Bäume umarmen soll eine therapeutische ­Wirkung auf Körper und Psyche haben. Marc Imboden

Endlich entrümplen

Mein Tipp macht nicht Spass, höchstens Freude am Endresultat. Wir wollen aufräumen und Möbel zusammenbauen. Ja, auch dafür sind Ferien da. Zuoberst auf der Liste: ein Pult. Besser gesagt eine Kartonkiste von Ikea mit Bauteilen drin. Es ist für meinen Mann bestimmt, der darauf seinen alten PC inklusive Spielkonsole aufstellen und mal wieder richtig gamen will (oder doch Binge Watching betreiben?).

Darum haben wir uns für die Ferien daheim fest vorgenommen, im «Nuschi-Zimmer» Platz zu schaffen und das Pültli aufzustellen. Und wenns hochkommt, werden wir auch noch Unnützes und aktuell Nichtgebrauchtes in den Keller verschieben. Und jetzt hoffe ich auf schlechtes Wetter, damit wir uns auch wirklich an unsere Vorsätze halten. Es baut und putzt sich einfacher bei Regen. Gleichzeitig sollte Petrus es aber nicht übertreiben, belohnen für die Schufterei werden wir uns nämlich mit einem Sprung ins Burgseeli. Nathalie Günter

Auf ins idyllische Kleinod

Es ist ein Kleinod: frisches Wasser, faire Preise, eine Spielwiese, die ihresgleichen sucht – und vor allem die Rotache, in der Gross und Klein nach Lust und Laune stauen und bauen kann, bis die Füsse im kalten Wasser schier abfrieren. Selbstverständlich kann das ­Bedli des Campingplatzes Wydeli in Brenzikofen nicht mit flotten Wasserrutschen, modernen Metallbecken oder gar geheizten Pools aufwarten.

Dafür bietet es Abenteuer pur – und einen Hauch von Natur, der eigentlich schon lange nicht mehr Natur ist, aber für uns verweichlichte ­Agglobewohner noch lange wild genug. Die Spielgeräte sind ­rustikal, dafür robust – für Wildfänge ein Paradies. Und wo sonst können sich kleine Kapitäne auf dem Surfbrett den Bach runtertreiben lassen, um die nächste Piraten­attacke zu reiten? Dieses Idyll vor der Haustür gegen einen saisonal überfüllten Mittelmeerstrand eintauschen? Nie und nimmer! Marco Zysset

Ich bastle mit einen Tag...

In diesem Jahr mache ich die Probe aufs Exempel und ziehe die heimischen Gefilde dem Mittelmeerraum vor. Und in Gedanken bastle ich mir schon mal den perfekten Tag: Morgens früh, wenn die Hitze noch erträglich ist, führt eine wunderbare Biketour Richtung Steffisburg und hinauf zum Schnittweierbad. Die grösste Steigung hat man damit bereits hinter sich. Was folgt, ist eine abwechslungsreiche Fahrt durch den Wald Richtung Brenzikofen und weiter abseits der Hauptstrasse nach Oberdiessbach und Konolfingen.

Wer mag, kann in der Badi Münsingen einen kurzen Halt einlegen und sich eine Kaffeepause gönnen, bevor man sich auf die kurzweilige Rückfahrt entlang der Aare macht. Ein Sprung ins kühle Nass und eine Mittagsverpflegung im «Schwäber» gehören genauso hinzu wie eine anschliessende ­Siesta mit der Lieblingslektüre am Schatten. Und am liebsten lasse ich meinen perfekten Tag bei einem Beachvolleyballspiel mit der Familie oder Freunden im «Strämu» und einem anschliessenden Nachtessen oder einem Drink im dortigen Beizli aus­klingen. Barbara Schluchter-Donski

Gemütlich auf der Couch

Kurze Warnung: Dieser Tipp ist pädagogisch nicht wertvoll! Ja der Sommer ist eine schöne Zeit. Was aber, wenn es mal wieder schifft? Nichts mit Badi, Balkon oder Blumenbeet. Aber Binge Watching. «Binge» heisst Gelage und «Watching» schauen. Die Unsitte kommt, wie so viel Dekadentes, das aber Spass macht, aus den USA. Dabei werden ganze Staffeln von Fernsehserien am Stück geschaut. Die Einführung der DVD machte die Mode massetauglich, denn nur Fans nahmen es auf sich, mit 20 VHS-Kassetten herumzuhantieren.

Und Video-on-Demand, wie es Netflix oder Amazon bieten, verhalfen ihr zum grossen Durchbruch. Nun haben wir es uns also auf der Couch gemütlich gemacht. Chips, sprudelnde Getränke und – je nach Tageszeit – Bier stehen bereit. Oder wenn man sich die Schwimmbadfigur nicht ganz versauen will: Vollkorncracker, Gemüsesticks und ionisiertes Wasser. Beide Varianten sind übrigens sehr amerikanisch. Nun stellt sich die Frage, was ­schauen?

Hier drei Empfehlungen: «Game of Thrones» – Drachen, Blut und Busen. Nächstes Jahr wird die achte und letzte Staffel anlaufen. Zeit genug also, sich auf den neusten Stand zu bringen. Aber: Gewöhnen Sie sich nie zu stark an einen Lieblingscharakter. Diese sterben nämlich wie die Fliegen. Familienkonformer ist da «Modern Family». Eine vielfach ausgezeichnete Sitcom, die es aus unerfindlichen Gründen nie recht ins deutschsprachige Fernsehprogramm schaffte. Alles dreht sich um die Patchwork-Familie Pritchett. Patriarch Jay wird gespielt von Ed O’Neill, der hierzulande vor allem als Al Bundy bekannt ist. Nostalgie pur wäre «Cheers». Mit der eingängigen Titelmelodie, einem blutjungen Ted Danson und einem noch jüngeren Woody Harrelson. Oder dann eben – jetzt doch noch pädagogisch wertvoll: Lesen Sie ein gutes Buch. Samuel Günter

Luftige Röcke und lange Tage

Wenige Kleider und luftige Röcke statt mehrschichtige Kälteschutzpanzer mit Daunenjacke und Handschuhen, keine Verkrampfungen als Reaktion auf eisige Böen, sondern entspannte Muskeln dank Wohlfühlwärme ohne Bise und dies am liebsten rund um die Uhr. So wünsche ich mir mein Wetter für den Alltag, kombiniert mit lauen Abenden ohne Ende.

Aus diesem Grund verbringe ich die Sommerzeit meistens und gerne daheim, zumal mir die sengende Hitze in der Meute am Strand ein Gräuel ist und ich mich lieber antizyklisch durchs Leben be­wege. Auf Balkonien, an einem Open-Air-Anlass, am Feuer im Garten, an einem schattigen Plätzchen im Café . . . so fühle ich mich putzpurlimunter und wohl wie ein Fisch im Wasser. Und an solchen wundervollen Tagen, sind nicht nur luftige Röcke möglich, sondern sie lassen auch alte Zeiten aufleben – wie etwa jener Schiffsausflug mit meiner heiss geliebten Grossmutter, als vielleicht Vierjährige, der in meiner sommerlichen ­Erinnerung eingraviert ist. Franziska Streun (bo/tt)

Erstellt: 18.07.2018, 08:23 Uhr

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