Was «Gugus» alles anrichten kann

Thun

Am OHA-Gewerbeabend des Gewerbevereins Thuner KMU sprach Adrian Amstutz über seine Anfänge in der Politik und was ihn an der momentanen Situation stört.

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«16 Jahre lang war Amstutz in Bern Programm. Mit klaren Absichten, klaren Zielen und im Notfall mit dem Griff zur Motorsäge», sagte André Lengen, Präsident des Gewerbevereins Thuner KMU, am Montag in seiner Begrüssungsrede über Gastreferent Adrian Amstutz (SVP). Dieser gewährte nämlich den anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmern während seines Referats am Gewerbeabend an der OHA einen Einblick in seinen politischen Alltag der letzten 16 Jahre. Denn Ende Jahr macht der Sigriswiler Politiker und Unternehmer Schluss und tritt bei den Eidgenössischen Wahlen 2019 nicht mehr an.

André Lengen ergänzte: «Wir möchten dir einfach danken für dein grosses politisches Engagement, dein Wirken in Thun und der Region, deine stets klare und gradlinige Haltung und für deinen unermüdlichen Kampf.»

Die Anfänge

«Was mich bewegt hat, politisch aktiv zu werden, war das Altersheim Sigriswil», sagte Adrian Amstutz, der 2003 in den Nationalrat gewählt wurde. «Der damalige Gemeinderat wollte das Altersheim an die Peripherie des Dorfs stellen. Die Aussicht wäre zwar schön gewesen, aber so weit weg, dass niemand vorbeigekommen wäre.»

Für Amstutz resultierte dies darin, dass er gemeinsam mit Margrit Fischer (SP) eine Petition lancierte, die den Gemeinderat dazu aufforderte, die Sigriswiler Seniorinnen und Senioren ins Zentrum zu holen. «Die Gemeindeversammlung hat diesem Anliegen Recht gegeben, und ich denke, das Resultat darf sich sehen lassen», meinte Amstutz. Auch die Abstimmung zum Europäischen Wirtschaftsraum habe ihn dazu bewogen, Politiker zu werden.

«Zu viele Regulierungen»

«Die Regulierungsflut, unter der wir jetzt leiden, hat ihren Ursprung darin, dass wir uns immer mehr unterordnen», sagte Amstutz. «Denn die Gemeinde ordnet sich dem Kanton unter, der Kanton dem Bund und der Bund würde sich am liebsten der Europäischen Union unterordnen. Das dürfen wir nicht geschehen lassen.»

Zur Veranschaulichung brachte Adrian Amstutz einen Stapel mit Regulierungen zum Lebensmittelrecht der Europäischen Union mit, die vom Bund übernommen worden sind. «Mit einem solchen ‹Gugus› drangsalieren wir die gesamte Binnenwirtschaft! Wer seine Produkte international vertreiben möchte, der muss sich den Vorschriften des jeweiligen Landes anpassen. Das ist klar. Dass sich aber auch die Bäckerei Hostettler in Sigriswil daran halten muss, das ist reine Schikane.» Solche Bürokratie mache allen im Gewerbe sehr viel Arbeit und verursache zudem sowohl auf der Verwaltungs- als auch auf der Gewerbestufe hohe Kosten. «Das ist eine reine Verschleuderung von Ressourcen, die nicht nötig wäre», folgerte Adrian Amstutz.

«Vertreter für die Dummen»

Adrian Amstutz nahm nie ein Blatt vor den Mund. «Das erste Telefonat, das ich nach meiner Wahl erhalten habe, kam von einem anonymen Anrufer. Dieser sagte mir, ich sei der Dümmste, den sie jetzt nach Bern geschickt hätten», erinnerte sich Amstutz am Montag. «Ich sagte zu ihm dann, dass auch die Dümmsten in der Demokratie einen Vertreter verdient haben. Der bin halt jetzt ich.»

Genau so sei es auch im Amt weitergegangen. So habe Ruedi Noser (FDP) während einer der ersten Kommissionssitzungen zu Adrian Amstutz gesagt, mit halbwegs Intelligenten diskutiere er nicht. «Ich sagte dann einfach zu ihm, ich sei lieber einer der gescheiteren Dummen als einer der dümmeren Gescheiten», erzählte Amstutz. «Es gibt nämlich sehr viele Leute – nicht nur in der Politik – die gescheiter sprechen wollen, als sie sind. Das kommt in der Regel nicht gut.»

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