Brenzikofen

Weisen goldene Steine den Weg in eine goldene Zukunft?

BrenzikofenBrenzikofen ist eines dieser Dörfer, welche Fachleute am liebsten von der Landkarte wegfusionieren möchten. Doch die Dörfler im Kiesental wehren sich standhaft. Ihr neuster Coup: ein Erlebnisweg, auf dem Städter die Schönheit der Region entdecken – und nebenher Gewerbe und Bahnhof retten sollen.

Ein goldener Stein am Bahnhof Brenzikofen: Hier startet ab dem nächsten Jahr der Erlebnisweg Brenzikofen.

Ein goldener Stein am Bahnhof Brenzikofen: Hier startet ab dem nächsten Jahr der Erlebnisweg Brenzikofen. Bild: Marco Zysset

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Thomas Krähenbühl, im Gemeinderat von Brenzikofen für die Bildung zuständig, hat in den letzten Jahren an jeder Gemeindeversammlung das Wort ergriffen. «Wir brauchen mehr Familien mit Kindern im Dorf, sonst wird es eng mit der Schule», hallte sein Ruf jedes Mal etwas verzweifelter klingend durch den Raum.

Vor ein paar Jahren hat die BLS den Bahnhof auf einen Halt auf Verlangen zurückgestuft, zugunsten der Haltestelle Lädeli in Heimberg, wo die Bevölkerung fast explosionsartig wächst – und damit die Zahl der Pendler, welche die Bahn nutzen. Und die Betreiber der Landi, dem letzten Laden in Brenzikofen, wünschen sich schon lange mehr Kunden.

Dorf hält dem Druck stand

Das Dorf mit seinen knapp 500 Einwohnern, die in einer losen Siedlung am Hang unterhalb der imposanten Falkenfluh in malerischer Landschaft eingebettet leben, ist eines dieser Dörfer, das nicht nur Kantonspolitiker und neoliberale Turbos am liebsten von der Landkarte wegfusionieren möchten.

Der Druck, auf­gebaut namentlich über die ­Finanzen, nimmt stets zu – selbstverständlich immer so sachte aufgesetzt, dass ja keine Fundamentalopposition entsteht.

Wenn eine grosse Nachbargemeinde wie Oberdiessbach Avancen macht, wie sie das vor sieben Jahren tat, kommt die ablehnende Antwort postwendend. Die Dörfler halten diesem Druck seit Jahren stand, mit Leidenschaft und Kreativität – und ­werden so zum Vorbild für andere Gemeinden in ähnlicher Si­tuation.

Man hilft sich selbst

Das Netzwerk Brenzicare bietet einen Mahlzeiten- und Fahrdienst, Support im Haushalt, Kurse für Babysitter oder eine Wandergruppe. Jetzt kommt mit dem Erlebnisweg Brenzikofen der nächste Coup der kreativen Kiesentaler. «Wir suchten in einer Klausur nach Möglichkeiten, die Frequenzen am Bahnhof zu erhöhen, Leute ins Dorf zu locken und Brenzikofen bekannter zu machen – nicht zuletzt auch als Wohnort», sagt Gemeindepräsidentin Sabine Lüthi.

Aus der Idee, den Spielplatz beim Schulhaus auszubauen, entstand in Zusammenarbeit mit der Regionalkonferenz Bern Mittelland die Idee für den Erlebnisweg.

Erlebnisweg als Rettung?

Ausgangs- und Endpunkt des knapp vier Kilometer langen Weges, der mit goldenen Steinen und Wegweisern markiert ist, ist der Bahnhof. «Unser Wunsch ist, dass möglichst viele Leute mit dem Zug kommen, sodass die Frequenzen besser werden», sagt Lühti.

Von dort aus gehts zunächst in die Landi, wo die Besucher das Geschichten- und Rätselheft über die «Gängdas und das Gold in der Rotache» kaufen sollen (vgl. Kasten), am nächsten Posten können sie goldene Kugeln gestalten, welche sie später brauchen, um die Aufgaben aus dem Heft zu lösen. Eine Feuerstelle, Tische und Bänke an der Rotache laden zur Mittagspause ein, danach führt der Weg zurück an den Bahnhof.

Der Kanton zahlt mit

Entstand die Idee für den Erlebnisweg im Gemeinderat, liegt die Trägerschaft heute beim extra gegründeten Verein Erlebnisweg Brenzikofen. Die Finanzierung – immerhin beläuft sich das Budget für das ganze Projekt auf rund 95'000 Franken – ist dank der Unterstützung des Kantons, aber auch von Bern Tourismus, Lotteriefonds, der Bank EVK, durch Beiträge von umliegenden Gemeinden und lokalen Gewerblern gesichert.

Für den jährlichen Unterhalt seien rund 13'000 Franken budgetiert, sagt Sabine Lüthi, die auch den Verein präsidiert. «Wir gehen davon aus, dass diese Summe aus den Einnahmen aus dem Verkauf von Büchern und Kugeln gedeckt werden kann.»

Betraut mit dem Unterhalt wird – wen erstaunts? – das Netzwerk Brenzicare. «Wir haben ganz sicher Leute, welche zu den Anlagen schauen», habe ihr die Initiantin des Netzwerks und Gemeinderatskollegin Karin Briggen versichert, sagt Lüthi.

Start im nächsten Mai

Nach gut zweijähriger Vorarbeit liegen jetzt die nötigen Bewilligungen vor, die Vorbereitungen für den Bau laufen. «Ziel ist, im März 2018 die Bauarbeiten zu starten, sodass wir am 5. Mai den Weg eröffnen können.»

Fünf Tage später ist Auffahrt, weitere zehn Tage später Pfingsten – und damit die Hoffnung im Dorf, dass gleich schon an diesem Wochenende ganz viele kommen, um den goldenen Steinen zu folgen. Und dem Dorf so eine goldene Zukunft ermöglichen.

(Thuner Tagblatt)

Erstellt: 20.11.2017, 09:04 Uhr

Die Gängdas und das Gold in der Rotache

«Der Erlebnisweg bietet den Gästen anhand von fünf Hauptposten ein Erlebnis für die gesamte Familie», heisst es auf der Website. «Übergeordnetes Thema des Weges ist das Gold in der Rotache und die Zwergengruppe Gängdas, die in der Stadt Bern und entlang der Rotache zu Hause ist.» Diese begleitet die Besucher und bildet mit ihrer Geschichte, die auf einer alten Sage beruht, die Basis des Erlebnisweges. Illustriert in einem Begleitheft, können die Gäste die Geschichte nachlesen und anhand von Rätseln, welche bei den Posten gelöst werden, Neues von den Gängdas erfahren. Goldwaschen, Bewegungs- und Geschicklichkeitsspiele wie auch Kugelspiele sind die Hauptaufgaben an den fünf Posten. Laut Sabine Lüthi, Präsidentin des Vereins Erlebnisweg Brenzikofen (vgl. Haupttext), ist angedacht, dass in anderen Gemeinden ähnliche Projekte um Gesichten der Gängdas umgesetzt werden. Der Weg in Brenzikofen ist für Kinder mit Familien ab dem Vorschulalter geeignet. Er ist nicht Rollstuhl- und Kinderwagentauglich. maz

Der Funklida, eine der Figuren aus der Geschichte um die Gängdas. (Bild: zvg)

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