Widerstand gegen die geschenkte Hängebrücke

Oberhofen

Die Frutiger AG will der Gemeinde eine Hängebrücke über den Riderbach schenken. Die Pro Natura und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz wehren sich nun aber vehement gegen dieses Vorhaben.

Die Hängebrücke über den Riderbach scheint wieder möglich – doch nicht alle wollen dieses «Geschenk».<p class='credit'>(Bild: Patric Spahni)</p>

Die Hängebrücke über den Riderbach scheint wieder möglich – doch nicht alle wollen dieses «Geschenk».

(Bild: Patric Spahni)

Sie soll ein Geschenk an die Heimatgemeinde der Firma sein: Die Hängebrücke über den Riderbach, welche die Frutiger AG anlässlich ihres 150-Jahr-Jubiläums in Oberhofen errichten will. Mit rund 180 Metern Länge wird sie kürzer sein als ein vorgängiges Projekt, das die Burgergemeinde im Jahr 2012 deutlich ablehnte.

Beginnen soll die neue Brücke 50 Meter unterhalb des Forsthauses Blochbuche, enden wird sie nahe der Neuen­ackerstrasse. Wanderer und Spaziergänger könnten so auf rund 50 Metern Höhe den Riderbach überqueren.

Bisher sind zehn Einsprachen eingegangen

Am Projekt scheiden sich nach wie vor die Geister: Bisher sind zehn Einsprachen bei Regierungsstatthalter Marc Fritschi eingegangen. «Die Einsprachefrist wurde vom 23. Juli auf den 2. August verlängert, da es beim Projekt noch eine zusätzliche Rodung gibt.» Beim Grossteil der Einsprecher handle es sich um Privatpersonen. «Inhaltlich sind die Einsprachen vielseitig, manchen gefällt die Brücke optisch nicht, andere halten sie für unnötig oder fragen sich, wer für ihren Unterhalt aufkommen wird.»

Einsprache erhoben haben auch die Pro Natura Bern und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz (SL). «Die Brücke ist nicht mit dem Natur- und Landschaftsschutz zu vereinbaren», schreiben sie in einer Medienmitteilung.

Wie der Einspracheschrift zu entnehmen ist, die dieser Zeitung auf Anfrage zugestellt wurde, verlangen Pro Natura und SL die Neuauflage des Projektes. Einerseits stören sie sich daran, dass «die eigentliche Brücke nicht in einer aussagekräftigen Form markiert» werde. Vielmehr beschränke sich die Profilierung auf einige Pflöcke für die Verankerungen.

Andererseits seien die Gesuch­unterlagen «dürftig» und sollen mit Aussagen zur Erschliessung, zu Naturgefahren und Naturwerten ergänzt werden. Darunter müsse etwa das Vorkommen von Brut- und Zugvögeln im Gebiet erläutert werden. Für jene bilde die Brücke ein Gefahrenobjekt, da sie bei Nebel und nachts damit kollidieren könnten.

Laut Umweltverbänden «kein öffentliches Interesse»

Die Stiftung Landschaftsschutz und die Pro Natura sehen keine Notwendigkeit für den Brückenbau: «Es besteht bereits eine Wanderverbindung.» Dem Frutiger-Projekt «ohne öffentliches Interesse» würden «gewichtige öffentliche Interessen des Natur- und Landschaftsschutzes, Waldschutzes und der Raumplanung» entgegenstehen.

Konkret schreiben die Einsprecher von der ­«Störung einer bisher unbeeinträchtigten Schlucht.» In unmittelbarer Nähe befinde sich das regionale Landschaftsschutzgebiet Balmbruch sowie ein Landschaftsschutzgebiet der Gemeinde. «Das Vorhaben verletzt die Postulate des eidgenössischen Raumplanungsgesetzes, des kantonalen Baugesetzes und des eidgenössischen Natur- und Heimatschutzes zur Schonung von Natur und Landschaft.»

«Wenn die Bevölkerung das Geschenk der Firma Frutiger nicht annehmen will, ist das ihre Entscheidung.»Rudolf Ritschard, Burgerpräsident

Weiter erwähnen die Einsprecher die Gefahr von hohen Brücken als «Schauplatz von Suiziden», was nachträglich zusätzliche Baumassnahmen nach sich ziehen könnte, damit die Brücke gesichert werden kann. Zudem befürchten die Einsprecher ein Abfallproblem unter der Brücke.

Wird die Gemeinde sich «die Haare raufen»?

Auch aus der Oberhofner Bevölkerung sind nicht nur Worte des Lobes zu hören: «Einem geschenkten Gaul schaut man schliesslich nicht ins Maul», schreibt Ruedi Känzig in einem Brief an diese Zeitung und befürchtet, dass die Beschenkten sich später über das Geschenk «die Haare raufen werden», da Unterhalt und Verantwortung für die Brücke wohl bei der Gemeinde liegen werden. «Mit welchen Kosten ist in Zukunft zu rechnen, und wer trägt diese?», fragt der Oberhofner.

Das ist laut dem Gemeindepräsidenten Philippe Tobler (SVP) tatsächlich noch unklar. «Vertragsrechtlich ist noch nichts geregelt», sagt er. Er gehe jedoch davon aus, dass die Brücke dereinst in die Hände der Gemeinde übergehen werde und diese dann die Verantwortung trage.

«Ich habe erwartet, dass nicht einhellige Freude über das Projekt herrschen wird», sagt Tobler. Die Einsprachen müsse man ernst nehmen: «Die Brücke ist ein grosser Einschnitt in die Landschaft.» Über das weitere Vorgehen werde sich die Gemeinde nun mit der Firma Frutiger absprechen.

Burger rechneten damit, dass das «Projekt aneckt»

Zuspruch erhält das Projekt indes von der Oberhofner Burgergemeinde: Als die Pläne der Frutiger AG Ende Mai bekannt wurden, hatten die Burger bereits ihr Einverständnis zum Vorhaben gegeben. Auf ihrem Land wird einer der Brückenköpfe zu liegen kommen, während auf der anderen Seite ein privater Grundeigentümer betroffen ist.

Burgerpräsident Rudolf Ritschard zeigte sich am Freitag wenig beeindruckt von der Anzahl Einsprachen: «Ich habe damit gerechnet, dass dieses Projekt nach wie vor aneckt.» Er selber sehe den Sinn einer solchen Verbindung zwischen den Ortsteilen Bloch und Rinderstall.

«Wenn die Bevölkerung allerdings das Geschenk der Firma Frutiger nicht annehmen will, ist das ihre Entscheidung», sagt Ritschard. Von der Frutiger AG war ­am Freitag wegen Ferienabwesenheiten keine Stellungnahme zu erhalten.

Thuner Tagblatt

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