Wohnen mit Seeanstoss – direkt über der Strasse?

22 Häuser als Dach über der Strasse am Thunerseeufer: Das ist die Vision von Architekt Hansruedi Bolliger.

Der pensionierte Architekt Hansruedi Bolliger zeigt auf dem Plan,wie die Reihenhäuser aussehen könnten.

Der pensionierte Architekt Hansruedi Bolliger zeigt auf dem Plan,wie die Reihenhäuser aussehen könnten.

(Bild: sku)

Im Längenschachen in Oberhofen führt die Kantonsstrasse bis zum Dorf Gunten über eine längere Strecke direkt dem Thunersee entlang. Auf der Landseite befinden sich vornehmlich Fels und Wald, auf der anderen Seite Wasser. Die Gemeinde Oberhofen beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit der Raumplanung und der entsprechenden räumlichen Entwicklung.

Wohin die Reise gehen könnte, wurde diese Woche an einer gut besuchten Informationsveranstaltung thematisiert (siehe Haupttext). Dabei ging es auch um Visionäres. «Zuerst dachten wir, es ist eine Idee und mehr nicht», sagte Gemeindepräsident Philippe Tobler (SVP) und ergänzte: «Doch dann haben wir die Vision etwas genauer angeschaut.»

Bolliger wurde vorstellig

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der aktuellen kantonalen und nationalen Raumplanung hat der pensionierte Architekt Hansruedi Bolliger aus Uetendorf gemeinsam mit dem internationalen Förderverein urban solare Zukunft bei der Gemeinde vorgesprochen – und das mit einem doch eher unkonventionellen Pilotprojekt.

Bolliger hat ein Projekt entwickelt, um die Kantonsstrasse im Längenschachen auf einer Länge von 144 Metern mit 22 Reihenhäusern zu überdachen. «Das Prinzip ist eine selbsttragende Konstruktion mit durchgehenden Haustrennwänden», erläuterte Hansruedi Bolliger.

An den Wandträgern würden vorfabrizierte Decken aufgehängt. Dank Fertigbau sei die Strasse relativ rasch überdacht, und der Verkehr müsste jeweils nur in den Nachtstunden unterbrochen oder umgeleitet werden. Möglich sei ebenso ein Holzfertigbau.

Die Idee geht so weit, dass die 22 Häuser über Treppen und Lifte direkten Seezugang sowie eine einmalige Seesicht hätten und niemandem Sonne und Aussicht wegnähmen. Gemäss Projekt würde der Seeuferweg beruhigt und überdacht, und auch der darüberliegende Jakobsweg wäre weniger lärmig.

Die zweigeschossigen Gebäude sind als 5,5-Zimmer-Reihenhäuser konzipiert. Das Dachgeschoss dient als Zufahrt mit Carports und gedecktem Platz für Velos sowie Kinderwagen. Auf dem Dachgeschoss ist auch der Haupteingang über ein Glas-Licht-Atrium vorgesehen.

Ein Tor zu Oberhofen

Über ein teilweise verglastes Dach soll die Winter-Mittagssonne bis ins Schlafzimmer hinuntergespiegelt werden. lm Sommer kann das Glasdach durch Lamellenstoren beschattet werden. Nachts und an trüben Wintertagen hilft eine isolierte Sonnenklappe, die Wärme im Haus zu behalten. Am Ende der Baureihe ist ein Technikraum mit Seewasser-Wärmepumpe und Speichern angedacht. «Weil das Projekt praktisch auf der Grenze zu Gunten liegt, könnte eine Strassenfassade als Tor zu Oberhofen gestaltet werden», meinte der Architekt.

Zur Schallabsorption würden Tunneldecke und Rückwand mit dicker Steinwolle isoliert, welche gleichzeitig auch als Brand- und Explosionshemmung diente. Der Tunnel würde so gebaut, dass im Extremfall, zum Beispiel wenn ein Fahrzeug im Tunnel explodierte, der Druck abgeleitet würde. Dies durch einen Explosionsschacht in der Mitte der Bebauung sowie durch Seefenster, die sich bei Überdruck automatisch öffneten.

Die visionäre Überbauung würde über einen ruhigen, verkehrsfreien Seeuferweg und einen Badestrand verfügen, die über einen öffentlichen Zugang erreichbar wären. Die Baukosten für eines der Reihenhäuser sind grob auf 780000 Franken berechnet, inklusive Strassentunnel. Nicht eingerechnet sind die Kosten für die Zufahrtstrasse und allfällige Baurechtskosten seitens des Kantons.

«Ganz so abwegig ist es nicht, eine Strasse noch besser zu nutzen», meinte Gemeindepräsident Philippe Tobler. Und: «Aber eben, die Idee ist visionär, heute und morgen wird bestimmt nicht gebaut.» Meinungen zum Projekt können bei der Gemeinde eingereicht werden. Sie hat dazu eigens eine Umfragekarte kreiert.

Thuner Tagblatt

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