Zartbittere Komödie im Beatus

Merligen

Mit «Florence und der alte Fernand» tritt das Kleine Theater am See zum dritten Mal im Hotel Beatus in Merligen auf. Am Freitag ist Premiere.

Beim Sonntagsdinner mit Fernand, Schwiegertochter Henriette, Sohn Philippe und Florence (v.l.) sind neben der Suppe auch die Diskussionen heiss.

Beim Sonntagsdinner mit Fernand, Schwiegertochter Henriette, Sohn Philippe und Florence (v.l.) sind neben der Suppe auch die Diskussionen heiss.

(Bild: Verena Holzer)

Für die diesjährige Inszenierung hat Regisseur Gerhard Schütz «L’Etudiante et Monsieur Henri» von Yvan Calbérac ausgewählt und als Dialektaufführung bearbeitet. «Ich liebe diese französischen Komödien mit der besonderen Mischung aus intelligentem Humor, Esprit und Melancholie, wie sie im deutschen Sprachraum selten sind», begründet er seine Wahl.

Eine spannende Herausforderung bei der Bearbeitung mit dem Titel «Florence und der alte Fernand» sei für ihn gewesen, das Werk den vier Personen auf der Bühne und den knappen Bühnenverhältnissen anzupassen, aber auch die Musik als wichtiges Element zu integrieren.

Emotionen des Alters

Aufgeführt wird die Geschichte des alten, verbitterten und einsamen Fernand (Marcel Reber). Seinen Sohn Philippe (Lukas Baumgartner) hätte er sich anders gewünscht, und seine Schwiegertochter Henriette (Pia Aplanalp) hat seiner Meinung nach «nicht auf allen Etagen Licht». Und plötzlich hat er mit der jungen Zimmermieterin Florence (Nina Peter) einen Menschen in seiner Wohnung, der ihn auf charmante Art herausfordert und seine seelischen Krusten aufbricht.

Mit beeindruckendem Können gelingt es den Darstellenden, diesem anspruchsvollen Werk sowohl Tiefe wie auch eine gewisse Leichtigkeit zu geben. Die bemerkenswerte Ausdruckskraft und das grosse Engagement wecken Emotionen beim Publikum, sei das mit der Sturheit und Verletzbarkeit eines alten, einsamen Menschen oder mit den Folgen einer Ehekrise. Es wird gestritten, geliebt, gelacht, verletzt – dabei werden Tiefen und Träume, aber auch viel Menschliches aufgezeigt.

Hintergründige Pointen wecken ein Lächeln, dann wieder erzeugen dramatische Szenen Melancholie. Stark getragen wird die Aufführung von den beiden Titelfiguren: Marcel Reber, selber erfahrener Regisseur und Autor, als Fernand, und die junge, aber auch schon kompetente Nina Peter als Florence. Ihr Können kommt vor allem in den vielen brillanten Zweierszenen zum Ausdruck. Zum Schluss nimmt die Geschichte eine überraschende Wende – welche, wird hier nicht verraten.

Wie in Paris

Stimmungsvoll ist die beachtenswerte Bühnenmalerei von Regieassistentin Erika Schütz mit Blick durch das Erkerfenster auf die Dächer von Paris. Das stilvolle Interieur mit Cheminée und elegantem Esszimmertisch versetzt das Publikum während der Aufführung in die französische Hauptstadt.

Die Aufführungsdaten im Mai: Freitag, 10., Samstag, 11., Sonntag, 12., Dienstag, 14., Mittwoch, 15., und Freitag, 17., jeweils 20.15 Uhr im Hotel Beatus, Merligen.

Reservationen: www.kleinestheateramsee.ch oder 079 660 08 42.

Thuner Tagblatt

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