Zig Zag records trotzt Streaming- und Downloaddiensten

Thun

Eigentlich dürfte es diesen Laden gar nicht mehr geben, denn er verkauft Schallplatten und CDs. Doch der Thuner Plattenladen Zig Zag behauptet sich seit Jahrzehnten.

Walter Bartlome posiert vor seinem CD- und Schallplatten-Geschäft «ZIG ZAG records AG».

Walter Bartlome posiert vor seinem CD- und Schallplatten-Geschäft «ZIG ZAG records AG».

(Bild: Keystone)

Das Gebäude am Rand der Thuner Innenstadt ist schmal, der Laden im Erdgeschoss ein einziger langer «Schlauch». Von oben bis unten voller CDs, Schallplatten und Videos erweckt er fast den Eindruck, er verliere sich irgendwo in der Unendlichkeit, eine Art «Wurmloch» ins analoge Zeitalter.

Seit den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts gibt es den unabhängigen Record Store von Walter Bartlome. «Wale», wie sie ihn in Thun nennen, war praktisch von Anfang an dabei: als Gymnasiast verdiente er sich im Zig Zag etwas Taschengeld, nach mehreren Semestern Betriebswirtschaft und Recht an der Universität kehrte er zurück in den Laden. Jahrelang war er Geschäftsführer und seit einem Management Buyout im Jahr 2014 ist er auch Besitzer.

Vinyl-Boom hält sich in Grenzen

Vor fünf Jahren stand eine Schliessung des Zig Zag zur Debatte. Musikdownloads und Streamingdienste setzten dem guten alten Plattenladen zu. Zwar erlebt die Vinylschallplatte seit einigen Jahren wieder ein Comeback, doch im Vergleich mit den explosionsartig ansteigenden digitalen Musiknutzungen ist der Vinyl-Boom bescheiden. Im vergangenen Jahr setzt der Schweizer Tonträgermarkt rund 170 Millionen Franken um, wie der Schweizer Ableger des internationalen Fachverbandes der Musikindustrie ifpi im März mitteilte.

Wachstumsmotor ist das Streaming-Segment. Der Umsatz aus dem Verkauf von CDs und anderen physischen Tonträgern ging im vergangenen Jahr um 22 Prozent auf 40 Millionen Franken zurück und trug noch 24 Prozent zum Gesamtmarkt bei.

«Sturer Bock»

In den 1980-er Jahren gründeten Martin Gerber und Philippe Cornu, der lange Jahre der Strippenzieher des Gurtenfestivals war, den Zig Zag. 1988 gründete Philippe Cornu zusammen mit Carlo Bommes eine Aktiengesellschaft.

Damals waren Plattenläden allgegenwärtige Anziehungspunkte für Jugendliche. Goldene Zeiten erlebte Zig Zag, als die CD sich gegenüber der Schallplatte durchsetzte «und wir dieselbe Musik nun nochmals verkaufen konnten», führte Bartlome aus. Mit der Digitalisierung des Musikgeschäfts «schrie dann aber förmlich alles danach, den Laden dicht zu machen». Doch er sei eben ein «sturer Bock», sagt Bartlome von sich.

Ihm war klar, dass er nicht mit dem überleben konnte, was alle anderen auch anbieten. «Man musste nun nicht mehr ins Zig Zag, sondern man wollte», fasst es Bartlome zusammen. Er setzt auf Werthaltigkeit und Vielfältigkeit - und ein bisschen Psychologie. Während sich andere Plattenläden auf Vinyl oder bestimmte Musikrichtungen spezialisierten, blieb Bartlome bei einem möglichst breiten Angebot. Vor einigen Jahren erweiterte er es um eine gut sortierte Klassik-Abteilung. Der unabhängige Record Store ist bestens sortiert und kein Schallplattenflohmarkt.

Weit über Thun hinaus einen Namen gemacht hat sich Zig Zag von Anfang an mit dem Auftreiben spezieller Platten oder CDs im Ausland. Dabei waren Barlome die sieben Semester Recht und Betriebswirtschaft eine grosse Hilfe.

Entscheide machen glücklich

Einen Internet Shop sucht man auf der Homepage von Zig Zag vergebens. Walter Bartlome winkt ab: «Wenn ich etwas downloade oder streame, habe ich nur die Nutzungsrechte und keinen Besitz. Eine CD oder LP haben eine ganz andere Wertigkeit für die man bereit ist, etwas mehr zu bezahlen.» Natürlich spielt da auch die Haptik eine Rolle und - gerade bei den Schallplatten - das Hörerlebnis.

«Wirklich glücklich werden Menschen nur durch einen bewussten Kaufentscheid», führt Bartlome eine These der Psychologie ins Feld. Die hinter Download- und Streamingdiensten stehenden Algorithmen «füttern uns einfach ab». Ganz zu schweigen von den hinter den Programmierungen versteckten Interessen der Anbieter. Bei ihm aber könne sich der Kunde bewusst für diese oder jene CD oder LP entscheiden. «Anders als bei einem Algorithmus stehen hier bei der Beratung Menschen dahinter», betont Bartlome. Er lotse seine Kundschaft mitunter auch gerne auf fremdes musikalisches Terrain. Denn: «Musik kann Dir neue Welten eröffnen.»

sih/sda

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