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128 Einsprachen und zwei Petitionen mit rund hundert Unterschriften:Wattenwil stoppt die Gesamtmelioration und geht noch einmal über die Bücher.

Blick auf Wattenwil: Die geplante Gesamtmelioration scheiterte am Widerstand mehrerer Grundeigentümer.
Blick auf Wattenwil: Die geplante Gesamtmelioration scheiterte am Widerstand mehrerer Grundeigentümer.
Marc Imboden

«In früheren Zeiten wurde der landwirtschaftliche Boden im Erbfall oft unter zahlreichen Geschwistern aufgeteilt. Durch gezielte Güterzusammenlegung – Gesamtmelioration – werden kleine Parzellen wieder zu grösseren Einheiten gebündelt.

Unter den Begriff Güterzusammenlegung fallen alle baulichen, bodenrechtlichen und ökologischen Massnahmen, welche die landwirtschaftlichen Infrastrukturen innerhalb eines Beizugs­gebietes (Perimeter) umfassend verbessern. Gesamtmeliorationen berücksichtigen die Interessen der Landwirtschaft, der Raumplanung sowie des Natur-, Landschafts- und Umweltschutzes.» So umschreibt der Kanton Bern auf seiner Website den Begriff Gesamtmelioration.

Grundlagen für erfolgreiche Landwirtschaft

Auch in Wattenwil gibt es landwirtschaftliche Gebiete mit einer sehr kleinen Parzellenstruktur. Weil es für die Arbeit der Bauern einfacher ist, ein zusammen­hängendes grösseres Gebiet zu bewirtschaften als mehrere kleine, gelangte ein bäuerliches Initiativkomitee mit dem Antrag einer Gesamtmelioration an den Gemeinderat und stiess auf offene Ohren. «Der Gemeinderat ist überzeugt, dass eine Gesamt­melioration (Arrondierung der Parzellen, Sanierung der Güterwege, Drainagen und Hoch­wasserschutz) wesentlich dazu beitragen könnte, die Strukturen zu verbessern und damit die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft der Wattenwiler Landwirtschaft zu schaffen», hielt er auf Wattenwil.ch fest.

In einem Vorprojekt wurde abgeklärt, welche Massnahmen und Aufwendungen in welchem Perimeter Sinn machen könnten, und schliesslich wurde der Perimeter aufgelegt. Während der Auflage sind 128 Einsprachen sowie zwei Petitionen mit gegen hundert Unterschriften eingegangen, wie Wattenwil in einem Medien­communiqué mitteilt. «Nach ei­ner sorgfältigen Analyse der Eingaben sind die kantonalen Stellen und der Gemeinderat zum Schluss gekommen, dass einige Grundeigentümer aus dem Perimeter entlassen werden müssen», heisst es weiter.

Die daraus resultierende Perimeterreduktion im Umfang von über 10 Prozent der ursprünglich geplanten Fläche hätte zur Folge, dass sich der bereinigte Peri­meter flächenmässig wesentlich vom bereits aufgelegten Peri­meter unterscheiden würde. Dies bedeutet, dass ein neuer Peri­meter erarbeitet und neu aufgelegt werden muss.

Infos an der nächstenGemeindeversammlung

Auf Antrag des Kantons und der Arbeitsgruppe hat der Gemeinderat deshalb beschlossen, den Perimeter und das laufende Verfahren abzuschreiben. Wann und in welchem Peri­meter das Projekt wieder auf­genommen wird, ist vorläufig noch offen. Anlässlich der Gemeindeversammlung vom 8. Juni wird die Bevölkerung weitergehend informiert. Die vorangekündigte Informationsveranstaltung vom 9. Mai findet nicht statt.

Es gibt keinen Zwangseitens der Behörden

Dass der Perimeter und das laufende Verfahren nun abgeschrieben werden, bedeute nicht, dass die Behörden vor den Einsprechern kuschen würden, hielt Wattenwils Gemeindepräsident Peter Hänni gestern auf Anfrage fest. «Güterzusammenlegungen, die Sanierung von Drainagen und Fahrwegen sind freiwillig. Da gibt es keinen Zwang seitens der Behörden. Hinzu kommt: Wenn die berechtigten Einsprachen mehr als 10 Prozent des Perimeters betreffen, muss die Planung gemäss Bundesvorgaben abgeschrieben werden», sagte Hänni weiter. «Bevor wir über das weitere Vorgehen entscheiden, müssen wir die Einsprachen eingehend analysieren, und das braucht etwas Zeit.»

Zur Gesamtmelioration gehört auch der Hochwasserschutz. Der Stopp des Verfahrens bedeute aber nicht, dass man diesbe­züglich nun die Hände in den Schoss lege, sagte Peter Hänni auf die entsprechende Frage. «Der Hochwasserschutz des Wasserbauverbandes Obere Gürbe hat seinen eigenen Fahrplan und wird ohne Abstriche weiterverfolgt.»

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