Thun

Zweites Leben für den Königstiger

Thun68 Tonnen wiegt die Leihgabe des Panzermuseums Thun an das Schweizerische Militärmuseum. Dort hat sich ein Verein zur Aufgabe gemacht, einen Kampfkoloss aus dem zweiten Weltkrieg instand zu stellen.

68 Tonnen wiegt die die Leihgabe des Panzermuseums Thun an das Schweizerische Militärmuseum Full. Dort hat sich ein Verein zur Aufgabe gemacht, einen seltenen Panzer aus dem zweiten Weltkrieg wieder zum Leben zu erwecken. Video: Youtube/Fritz Lehmann


Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Wehrmachtspanzer auf dem Thuner Waffenplatz; eine seltene Aufnahme aus dem Jahr 1958 zeigt einen deutschen Panzer, das Kreuz als Erkennungszeichen der Wehrmacht ist am Turm noch gut zu erkennen. Das schwere Gerät wurde damals für Bergungsübungen verwendet, wie weitere historische Fotos zeigen. Doch wie das Kriegsgerät in die Schweiz kam, ist bis heute ungeklärt.

Jahrzehntelang stand der 68-Tonnen-Koloss wie viele andere ausländische Panzer auch auf der Allmend in Thun, hin und wieder verpasste man dem Stahlkleid einen neuen Tarnanstrich. Kampffähig war der Panzerkampfwagen VI Ausführung B Tiger II oder«Königstiger», wie er auch genannt wurde, schon zu Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr.

Die Besatzung hatte beim Verlassen des Fahrzeugs das Geschützrohr gesprengt, damit die Waffe für den Feind unbrauchbar war. Bis Kriegsende wurden 492 dieser Panzer gebaut und bei verschiedenen Panzerverbänden eingesetzt, darunter auch Einheiten der Waffen-SS.

Exklusives Museumsstück

Der Verein Militär- und Festungsmuseum Full-Reuenthal will den Königstiger zu neuem Leben erwecken und den Koloss wieder funktionsfähig machen. Derzeit steht das Gerät – eine Dauerleihgabe des Panzermuseums Thun – im Schweizerischen Militärmuseum Full-Reuenthal und wird dort restauriert. Eine Herkulesaufgabe, wie Thomas Hug, Direktor des Militärmuseums, erklärt, die bereits mit der Überführung von Thun nach Full 2007 begann und immer noch nicht abgeschlossen ist.

Bis Kriegsende wurden 492 dieser Panzer gebaut und eingesetzt, auch bei Einheiten der Waffen-SS.

Der Verein Team Königstiger hat mittlerweile über 250 Mitglieder aus aller Welt. Etliche davon leisteten in den letzten Jahren mehrere Tausend Stunden Fronarbeit für die Instandsetzung. Gemäss Hug wurden bisher rund 300'000 Franken investiert, allein die Revision des 12-Zylinder-Motors schlägt mit 75'000 Franken zu Buche.

Das Geld kam hauptsächlich durch Spenden von Vereinsmitgliedern zusammen. Gemäss dem sechsten Restaurierungsbericht des Militärmuseums Full hoffte man, dass man die Revisionsarbeiten in wenigen Jahren abschliessen könnte. Weltweit gibt es insgesamt nur noch 8 solcher Panzer, ein einziges fahrtüchtiges Exemplar gibt es bisher in Frankreich. Der Königstiger aus Thun soll das zweite sein und ist – wenn er wieder rollt – dann ein ziemlich exklusives Museumsstück.

Mysteriöse Geschichte

Bis heute ungeklärt ist die Geschichte, wie der Königstiger mit der Fahrgestellnummer 280215 in die Schweiz kam. «Aufgrund der Fahrgestellnummer ist davon auszugehen, dass der Panzer im September 1944 an die Wehrmacht, damals an die Schwere Panzerabteilung 506, ausgeliefert worden ist», hat der Verein Königstiger recherchiert.

Diese Panzerabteilung war im Raum Arnheim, in der Ardennenschlacht, in der Eifel, im Raum Aachen und schliesslich im Ruhrkessel im Einsatz. Danach verlieren sich seine Spuren bis ins Jahr 1957.

«1 Panzer Königstiger, unvollständig» heisst es auf einem Beleg der Kriegstechnischen Abteilung im Bundesarchiv, der bestätigt, dass ein Königstiger der Abteilung für leichte Truppen zur Verfügung abgegeben wurde. Schwarzweissfotos zeigen den Koloss auf dem Waffenplatz Thun während eines Umschulungskurses des Panzerbataillons 12. Der deutsche Panzer wurde damals als Schleppobjekt zu Übungszwecken verwendet.

«Wir haben auch mit dem Zoll Kontakt aufgenommen, aber es gibt keinerlei Hinweise, wann und wie der Königstiger in die Schweiz gekommen ist», sagt der Direktor des Militärmuseums Full-Reuenthal, Thomas Hug. Der Verein Team Königstiger ist weiter auf der Suche nach Hinweisen, die die Herkunft des Königstigers dokumentieren. Oder den Fundort des Panzers nach Ende der Kampfhandlungen 1944/1945, wohl in den Ardennen oder im Westen Deutschlands.

Mit seiner 8,8-Zentimeter-Kanone hatte er eine gewaltige Feuerkraft, sämtliche damaligen gegnerischen Panzer konnten auf eine Entfernung von bis zu drei Kilometern zerstört werden. Nachteilig waren das hohe Gewicht von fast 70 Tonnen und die schwache Motorisierung von 700 PS. Und der Königstiger war gefrässig: Auf der Strasse wurden 500 Liter Benzin auf 100 Kilometer, im Gelände gar 700 Liter auf 100 Kilometer verbrannt. (Berner Oberländer)

Erstellt: 08.11.2018, 06:23 Uhr

Schwierige Restaurierung

«Positiv ist sicher, dass der Panzer keine Kampfspuren aufweist», schreibt das Militär­museum Full-Reuenthal in einem seiner ausführlichen Berichte zur Restaurierung des Königstigers. Das zeuge von einer geringen Laufleistung und habe auf einen guten Erhaltungszustand der sensiblen Antriebsteile wie Motor und Reduktionsgetriebe hoffen lassen.

«Andererseits werden mehr als 60 Jahre im Freien auf jeden Fall ihre Spuren hinterlassen haben.» Motor, Getriebe und Lenkung waren noch ziemlich vollständig vorhanden, andere Teile wie Luftfilter und Vergaser fehlten, Teile aus dünnem Blech wie Benzintanks, Lüfterräder oder Bodenbleche waren weitgehend weggerostet.

Der Panzer wurde vollständig ausgehöhlt, die Wanne sandgestrahlt und neu grundiert. Ende 2012 wurde die Demontage offiziell erklärt, der Zusammenbau konnte starten. Nach 70 Jahren noch Ersatzteile für einen Panzer zu finden,ist keine leichte Aufgabe oder teilweise gar unmöglich. «Immer wieder wurden im Laufe der Jahre Teile nachgefertigt, etwa Kühler, Lüfter, Tank, Bleche aller Art.»

Immer wieder konnten fehlende Teile aber gefunden werden: Ungewöhnlich ist die Geschichte, wie der Verein Team Königstiger zum fehlenden Rohrstück des Geschützes gekommen ist. «Das fehlende Teil wurde in Polen gefunden. Es war an einem Ufer einbetoniert und diente zum Vertäuen von Booten.»

Das Fahrwerk wurde mit den Raupen komplettiert, danach wurde das Tank- und Benzinleitungssystem ersetzt, Motor und Getriebe werden durch Spezialisten im Ausland instand gestellt. Auch international erfuhr der Verein Unterstützung: So hat das Panzermuseum im englischen Bovington originale Musterteilefür Nachbauten zur Verfügung gestellt, etwa die Höhenricht­vorrichtung für die Kanone im Turm.

www.koenigstiger.ch

Artikel zum Thema

Wie Thun und sein Waffenplatz gross wurden

Thun Als Historiker und Geschäftsleiter der Stiftung Historisches Material der Schweizer Armee blickt Stefan Schaerer auf die Geschichte des Militärstandortes Thun zurück. Mehr...

Wie Thun Militärhauptstadt wurde

Am 17. August 1818 fällte die eidgenössische Tagsatzung den Entscheid, in Thun eine «Zentral-Militärschule» zu ­errichten. In den letzten 200 Jahren entwickelte sie sich zum grössten Waffenplatz der Schweiz. Mehr...

1400 Personen rückten in Thun ein

Thun Diese Woche beginnt für rund 10 500 Personen die RS. Neu gibt es nur noch zwei RS-Starts pro Jahr. In Thun sind am Montag rund 1400 Personen eingerückt. Mehr...

Paid Post

Tipps für eine einfache und sichere Tourplanung

Das Smartphone ist auf gutem Weg, die Skitourenplanung zu erobern. Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Helfer.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Mit geschwellter Brust: Ein Mann aus Indien zeigt bei einem Wettbewerb für die beeindruckendste Gesichtsbehaarung stolz seinen Schnurrbart. Der Wettbewerb fand am Rande des jährlichen Kamel Festivals in der nordindischen Wüstenstadt Pushkar statt. (20. November 2018)
(Bild: Himanshu SHARMA ) Mehr...