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Tom Küffer und der Sängeliweiher

Langenthal Ohne ein einziges Inserat war das Neujahrskonzert in der Alten Mühle ausverkauft. Der in Langenthal aufgewachsene Tom Küffer spielte Musik von Woodstock und vom Sängeliweiher – zusammen mit Profis und Amateuren.

Es wurde wieder knapp: An Silvester spielten Tom Küffer und Fredu Heiniger noch im Wallis auf der Bellalp. Wegen Lawinengefahr und einem Meter Neuschnee durften sie zeitweise nicht mal vor die Tür. Bereits im letzten Jahr musste sich Küffer dort aufgrund einer Bahnpanne eine Skiausrüstung zusammenleihen, die Gitarre unter den Arm klemmen und so zu Tal fahren, um am Neujahrsabend in Langenthal auftreten zu können. Aber auch diesmal reichte es. Immerhin war die Alte Mühle samt Nebenräumen ausverkauft. Und das obwohl für dieses Neujahrskonzert überhaupt keine Werbung gemacht worden war und das Menue bewusst einfach ausfiel. Nach der letztjährigen Premiere hatten sich viele Besucher gleich wieder angemeldet. Es blieb Tom Küffer also gar nichts anderes übrig, als erneut seine Musikerfreunde anzurufen. Auftakt mit Rockustix Den Auftakt machte die leicht veränderte Formation Rockustix mit Tom Küffer, Gitarre, Mandoline, Bluesharp und Gesang, Schöre Müller, Gitarre und Gesang (unter anderem Gründer von Span), Steve Grant am Schlagzeug (er stammt aus Liverpool, sein Vater soll dort mit Georg Harrison zur Schule gegangen sein), Marc Gerber (Band von Polo Hofer). Am Bass ersetzte Fredu Mosimann den zur Band von Stress gewechselten Mimmo Pisino. Ergänzt wurde die Formation durch Marianna Polistena am Keyboard und Gesang (Schmetterding), Tom Aeschbacher am Schwyzerörgeli und Wale Liniger. Als Oberaargauer möchte der sich nicht bezeichnen, höchstens als «zugelaufenen», verbrachte der in der Länggasse aufgewachsene doch öfters die Ferien in Herzogenbuchsee, wo auch seine Mutter bis vor kurzem wohnte. Liniger ist bekannt als Blues-Professor. Als Weisser hat er in den Staaten den einzigen Lehrstuhl für Blues an einer Universität inne. Er kam mit kleinem Gepäck, das heisst mit der Bluesharp, die Gitarre blieb zu Hause. Wildcards und Hüttenwart Das zweite Set bestritten Wildcards & more. Auch ihr Repertoire reichte «vo ännet em Deich bis i d’Wässermatte». Im dritten Block kamen noch mehr Langenthaler zum Zuge: «Hüttenwart» René Keusen, Stöffu Flück, Violine, sowie Bernhard Hugi am Piano. Ihn hatte Küffer allerdings schlicht vergessen. Zum grossen Finale auf der kleinen Bühne reichte es noch für einen vierhändigen Auftritt zusammen mit Marianna Polistena. Nicht alle Musiker hatten zuvor schon mal zusammen gespielt. Aber alle hatten schon mal mit Tom Küffer auf der Bühne gestanden. Eine Probe hatte der trotzdem als unnötig erachtet: «Dir müesst eifach e chli lose u luege», lautete seine Anweisung. Spontan einigte man sich auf eine gemeinsame Tonart und legte los. Mögliche Probleme wurden durch die grosse Spielfreude überdeckt. Ein Beispiel dafür: Küffer rief statt wie geplant Bärnu Hugi Marianna Polistena auf die Bühne. Sie kannte den Song «Es Chamäleon wo grännet» nicht, Küffers Anweisung: «Dä geit wie eine vom Bob Dylan», sie antwortete schlagfertig: «Du gsesch de schon, was i drus mache», und baute auch gleich ein Solo ein. Vor 350000 Fröschen Zwischen Profis und Amateuren war kaum ein Unterschied auszumachen. Sicher hätte auch Tom Küffer so wie seine Geschwister Berufsmusiker werden können. «Aber genau das wollte ich nie. Ich wusste früh, dass ich mich nicht mit Musikunterricht über die Runden bringen wollte.» Seine Jugendzeit in Langenthal, die Küffer kürzlich in einer BZ-Kolumne beschrieb, war Grund vieler Anspielungen. So fragte Schöre Müller das Publikum unverblühmt: «Heit der eigentlech aui öi erschte Drogeerfahrige am Sängeliweiher gmacht?» Und Tom Küffer musste von seinem ersten, tierisch begeisterten Publikum berichten: mindestens 350000 Frösche – ebenfalls am Sängeliweiher.Robert Grogg>

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