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Trauring und Kind bestellen

In Moosseedorf will

Hochzeitsmode, Schmuck, Reisebüros für die Flitterwochen, Unterstützung fürs Fest: Auf 20 000 Quadratmetern und vier Etagen möchte Agostinho Fernandes in Moosseedorf ein Rundum-Sortiment fürs Heiraten anbieten. In der Nähe des Shoppyland plant er einen Neubau. Unter dem Namen «Lilia» soll ein Einkaufszentrum entstehen, in dem sich Geschäfte einmieten können. Alles für den schönsten Tag: Solche Angebote können Brautleute auch anderswo nutzen. Fernandes geht einen Schritt weiter. Er will, dass sich Braut und Bräutigam bei «Lilia» auch über künstliche Befruchtung und Adoptionen informieren können. In Spanien bestehen bereits solche Kombinationen, in der Schweiz noch nicht. Wenig Konkretes Für den Bereich künstliche Befruchtung will «Lilia» mit Fachleuten zusammenarbeiten. Diese sollen in Moosseedorf nur beraten. Medizinische Eingriffe sind nicht geplant. «Wir verhandeln mit Experten», so Fernandes. Zusagen kann er keine vorweisen, weder von Ärzten und Spitälern noch von Beratungsstellen für Adoptionen. Agostinho Fernandes betreibt mit Ehefrau Monika das Spielwaren-Engros-Geschäft «Happy-Clown» in Burgdorf. Früher waren die beiden Mitbesitzer des Fachgeschäfts Babywelt in Lyssach. Wie Agostinho Fernandes das millionenteure Grossprojekt in Moossedorf finanziert, verrät er nicht. Immerhin: Das Grundstück ist schon gekauft. Den Ring auswählen, den Fotografen und das Menü bestimmen. Und bei «Lilia» gleich noch das künstlich befruchtete Kind ordern oder eine Adoption aufgleisen: Etablierte Stellen reagieren skeptisch bis entrüstet. Als «medizinisch nicht nachvollziehbar» bezeichnet Michael von Wolff das Projekt. Er leitet die Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin am Inselspital. Von Wolff bezeichnet die Reproduktionsmedizin, die künstliche Befruchtung also, als «hoch komplexen Bereich». Nur wenige hätten das Wissen, um kompetent zu beraten. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein solcher Experte in einem Einkaufszentrum arbeiten wolle. Ein Reproduktionsmediziner bestätigt dies. «Ich würde mich hier nie engagieren», erklärt ein Arzt, der wünscht, dass sein Name nicht genannt wird. «Keine Marktlücke» Von Wolff glaubt nicht an den Erfolg: Es gebe genügend Beratung, eine Marktlücke sei nicht vorhanden. Ausserdem warnt er vor Filz: Fachleute aus Spitälern, die solche Eingriffe anbieten, würden vor allem ihre eigenen Institutionen empfehlen. «Diese wollen ihre Einrichtungen auslasten», sagt von Wolff. Positiver reagiert Brigitte Eichenberger von der Non-Profit-Organisation «Kinderwunsch». In einem Einkaufszentrum seinen die Hemmschwellen für eine Beratung kleiner als in einem Spital, argumentiert sie. Als «ethisch bedenklich» betrachtet Veronika Weiss von der Schweizerischen Fachstelle für Adoption das Projekt. «Shoppen und eine Adoption aufgleisen, das passt nicht zusammen.» Sie weist darauf hin, dass das Adoptionsverfahren streng geregelt ist: Beraten und vermitteln dürfen nur Schweizer Behörden zusammen mit Fachleuten. «Wenn Fernandes ohne Bewilligung Kinder vermittelt, bekommt er juristische Probleme.» Agosthino Fernandes Stellungnahme zu diesen Vorwürfen: «Ich arbeite nur mit hoch angesehenen, vertrauenswürdigen Fachspezialisten und Organisationen». Peter Steiger •www.lilia-moosseedorf.ch >

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