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Trotz Handicap erfolgreich

Olympiasieger Christoph Kunz stürzte vor zehn Jahren mit dem Motorrad und ist seither querschnittgelähmt. Dank seiner Sportlichkeit kann er den Alltag im Rollstuhl besser bewältigen. Er startet auch am Jungfrau-Marathon

Am Freitag, 10.September, finden zum zweiten Mal Pararace-Rennen innerhalb des Jungfrau-Miniruns statt. Und der Reichenbacher Olympiasieger Christoph Kunz nimmt zum zweiten Mal daran teil. Was animiert ihn zu solchen Leistungen? Er hat es uns verraten. Kunz träumt als junger Mann davon, den Jungfrau-Marathon zu laufen. Er besucht die Talentklasse des Gymnasiums Hofwil und trainiert, um Spitzensportler im Laufen zu werden. Heute ist Christoph Kunz querschnittgelähmt, auf den Rollstuhl angewiesen. Am Jungfrau-Marathon wird der 28-jährige Berner Oberländer dennoch starten. Zwar wird er nicht von Interlaken auf die Kleine Scheidegg laufen können, doch wird er am zweiten Pararace in der Kategorie Handbike um einen Podestplatz kämpfen. «Ich freue mich auf die Stimmung und die vielen Leute am Jungfrau-Marathon», sagt Kunz. «Es ist eine gute Gelegenheit, den Behindertensport zu präsentieren.» So geschah der Unfall Der Unfall geschieht im Juni 2000. Christoph Kunz, 18-jährig, besucht einen Motorradkurs in Thun und fährt danach mit seiner 125er-Maschine und dem L-Schild Richtung Interlaken. Dort sollte er pünktlich erscheinen, um seine Jungschar-Gruppe zu leiten. Er ist spät dran, er gibt Gas. In einer Linkskurve in der Beatenbucht touchiert sein Motorrad den Randstein. Er stürzt auf den Rücken, bleibt liegen. Im ersten Moment denkt Christoph Kunz, er könne gleich aufstehen und weiterfahren. Seine Beine fühlen sich aber seltsam an, und er realisiert, was los ist. Velofahrer eilen herbei. Sie schlagen Alarm. Der neue Alltag Im Rehabilitationszentrum in Nottwil lernt Christoph Kunz, sich auf den Alltag im Rollstuhl einzustellen. «Am Anfang war ich am Boden zerstört. Ich hatte keine Perspektiven mehr.» Täglich besuchen ihn Verwandte und Freunde. Als Sportler hat er ein gutes Körpergefühl und viel Kraft, das hilft ihm, den Alltag besser zu bewältigen. «Ich habe mich sehr schnell mit der neuen Situation abgefunden und vorwärts geschaut.» Nach der Rehabilitation kehrt er zurück in seine Klasse und absolviert die Matura. Heute arbeitet er zu 70 Prozent bei der Spar- und Leihkasse in Frutigen. Medaillen in Vancouver Christoph Kunz sitzt in seiner Wohnung in Reichenbach im Kandertal. Er trägt ein Sportswear-T-Shirt und trinkt Rivella. Sein Haar ist kurz, leicht aufgestellt, die Haut sonnengebräunt, seine blauen Augen stechen hervor. Er lebt zusammen mit seiner Frau, die er vor sieben Jahren kennen gelernt hat und mit der er seit zwei Jahren verheiratet ist. Vor dem Haus grenzt ein Weizenfeld an den Garten, Sonnenblumen und Lilien blühen. Ein idealer Ort, um das Leben zu geniessen. Und zu trainieren. Christoph Kunz hat nach seinem Unfall nie daran gedacht, den Sport aufzugeben. Im Sommer schwitzt er fast täglich im Fitnessraum oder fährt mit dem Handbike durch die Gegend des Berner Oberlandes. Seine Paradedisziplin übt er aber im Winter aus: Bei den Paralympics in Vancouver 2010 gewann Christoph Kunz auf dem Mono-Ski Gold und Silber. Seither hängen im Kandertal Plakate, die ihn strahlend mit den beiden Medaillen zeigen. «Ab und zu sprechen mich Leute auf der Strasse an und gratulieren mir. Das ist ein schönes Gefühl.» Das Podest in Reichweite? Am letzten Pararace des Jungfrau-Marathons ist Christoph Kunz auf den vierten Rang gefahren. Schafft er dieses Jahr den Sprung aufs Podest? «Das kommt sehr auf die Konkurrenz an», sagt Kunz. Seinen Traum, den Jungfrau-Marathon zu laufen, wird er nie verwirklichen können. Ein erfolgreicher Spitzensportler zu werden, das hat er erreicht. pd •www.jungfrau-marathon.ch>

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