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TV berichtet korrekt, aber

umfragenDas Schweizer Fernsehen berichte über Abstimmungs- und Wahlumfragen sachgerecht, entschied die Unabhängige Beschwerdeinstanz. Die Qualität der Meinungsumfragen prüfte sie allerdings nicht.

Von Abstimmungs- und Wahlumfragen hält Friedrich Ulmer gar nichts. Für den Statistikprofessor ist klar: Das sind wissenschaftliche Mogelpackungen, mit denen Wählerinnen und Wähler in die Irre geführt werden. Deshalb kämpft der emeritierte Schweizer Mathematiker seit Jahren vehement gegen die wachsende Deutungsmacht der Demoskopen. Für seinen Aufklärungsfeldzug betreibt er auch eine Website, auf der er die Methoden und Interpretationen der Meinungsforscher minutiös zerpflückt. Was dann noch übrig bleibt, ist laut Ulmer «Zahlenprostitution» und «systematische Wählertäuschung». Im Visier hat er dabei auch den Berner Politologen Claude Longchamp. Dessen GfS-Institut versorgt das Schweizer Fernsehen (SF) seit Jahren exklusiv mit Umfrageergebnissen. Diese böten jedoch keinerlei Orientierungshilfe, weiss Ulmer: Longchamps Umfragewerte seien falsch, die Zahlen nur «getarnte Tipps». Die journalistische Aufbereitung durch SF verstärke den «Gauklereffekt». Ulmer hat deshalb die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) gleich mit mehreren Beschwerden eingedeckt: In neun Fällen, rügte er, hätten SF-Nachrichtensendungen nicht sachgerecht über die GfS-Umfragen berichtet. So beim 1.Wahlbarometer zu den Wahlen 2011 sowie bei vier Volksabstimmungen der Jahre 2008–2010. Darunter auch jene zur Minarettinitiative, bei der die massiven Abweichungen der Umfrageergebnisse zum tatsächlichen Abstimmungsresultat eine Welle der Kritik ausgelöst hatten. In allen neun Fällen seien die Umfrageergebnisse nicht repräsentativ, beanstandete Ulmer. Zudem seien klare Resultate suggeriert worden, und die statistische Fehlerquote sei zu wenig sichtbar gewesen. Die Zuschauer seien so irregeführt worden. Die UBI hiess gestern Ulmers Beschwerden in drei Fällen aus dem Jahre 2008 gut, in denen bei der TV-Präsentation Antwortkategorien zusammengefasst wurden, sodass die Umfrageresultate klarer erschienen als sie waren. Seither weist SF die Resultate indes differenziert aus. Auf eine Beschwerde trat die UBI nicht ein, die übrigen fünf wies sie als unbegründet ab. Insgesamt habe SF die geltenden Regeln eingehalten und sachgerecht berichtet, urteilte die UBI. Das Publikum habe sich eine eigene Meinung bilden können. Schon 2008 hatte Ulmer mit der gleichen Argumentation erfolglos bei der UBI geklagt. Damals wie heute beurteilte die UBI indes nur die journalistische Arbeit von SF, nicht die Qualität der GfS-Umfragen. Deren Resultate und Longchamps Interpretationen sind daher trotz UBI-Entscheid mit Vorsicht zu geniessen. Denn Ulmers methodische Kritik teilen einige Kollegen der Zunft. Auch Schweizer Politologen monieren immer wieder, Longchamp betreibe Zahlenakrobatik, kommentiere Zahlen, die gar nicht interpretierbar seien, und lege weder Methodik noch Rohdaten offen.Peter Meier>

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