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Über den Nordosthang in den Tod

GsteigBei einem Lawinenniedergang am Nordosthang des Mittaghorns wurden drei Skifahrer verschüttet. Einer von ihnen wurde getötet.

Die Uhr schlug genau zwölf Uhr mittags, als am Dienstag bei der Air-Glaciers-Basis Saanen der Alarm einging: Dieselben drei Variantenskifahrer, welche das Helikopterunternehmen nur kurz zuvor auf dem Gstellihorn abgesetzt hatte, sind auf der Abfahrt nördlich des Mittaghorns (2334 m) in eine Lawine geraten. In den Massen verschwunden Die Air-Glaciers brachte sofort eine Ärztin und drei Bergführer zur Unfallstelle. Einer von ihnen ist Gustav «Gusti» Oehrli: «Als wir am Lawinenkegel eintrafen, waren die beiden Unverletzten bereits dabei, ihren Kameraden zu reanimieren.» Tatsächlich konnte sich einer der Verunglückten – er ist Bergführer – selber aus den weissen Massen befreien und seinem teilverschütteten Kameraden helfen. Der dritte Skifahrer war aber unter der Oberfläche verschwunden – er konnte mithilfe des Lawinenverschütteten-Suchgerätes (LVS) schnell geortet und vor einem grossen Stein liegend ausgegraben werden. Das 32-jährige Lawinenopfer wurde durch die Rettungskräfte ins Spital überflogen, wo es noch am Dienstagnachmittag seinen Verletzungen erlag. «Nur» 20 Meter mitgerissen Die drei im Saanenland wohnhaften Männer befanden sich zum Zeitpunkt des Lawinenniedergangs in nur 24 Grad steilem Gelände, also eigentlich unterhalb des steilen Nordosthangs des Mittaghorns. Dadurch sind sie im untersten Teil der Lawine von den Schneemassen nur etwa 20 Meter weit mitgerissen worden. Die Lawinengefahr für den Alpennordhang war vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF) für den Dienstag als erheblich deklariert worden. Die Gefahrenstellen befanden sich vor allem an südwestlichen, nördlichen und östlichen Berghängen oberhalb von 1800 Meter über Meer. Heikle Situation SLF-Lawinenexpertin Christine Pielmeier erklärt die zurzeit herrschende, heikle Situation: «Vier niederschlagsfreie Wochen sorgten dafür, das sich in den schattigen Nordhängen eine körnige, lockere Schneedecke gebildet hat, die fast keinen Halt findet. Durch das Gewicht des Neuschnees der letzten Tage kann diese alte Schneedecke zusammenbrechen wie ein Kartenhaus.» Christine Pielmeier warnt, die Situation bessere sich nur langsam: «Immerhin konnten wir am Mittwoch die Südhänge wieder freigeben.» Aber gerade in den westlichen Alpen, wo viel Schnee gefallen ist, rät das SLF vorderhand vom Aufenthalt abseits der Skipisten ab. Pielmeier: «Die Beurteilung der aktuellen Lawinengefahr erfordert sehr viel Erfahrung, denn selbst an Südhängen können im Tagesverlauf Rutsche niedergehen.» Die Ursache des Schneebretts ist Gegenstand der laufenden Untersuchung. Gestern Mittwoch wurde die Anrissstelle von behördlichen Experten begutachtet. Bis Redaktionsschluss konnte Ursula Stauffer, Mediensprecherin der Kantonspolizei, nichts Neues zu den Ermittlungen sagen. Nur wenige Stunden nach dem Unglück am Mittaghorn kam in Montana (Wallis) ein weiterer Variantenskifahrer in einer Lawine ums Leben. Seine Begleiterin überlebte. Bruno Petroni>

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