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«Umwege gehören zum Leben dazu»

WattenwilAuf ihren Eseln zu reiten, ist das Höchste für sie. Alexis und Kushi – beide leben mit dem Downsyndrom – nahmen am Sonntag mit ihren langohrigen Gefährten am Wattenwil-Marsch teil. Begleitet wurden sie von ihren Eltern Christian und Monika Schmid.

Alexis läuft nicht so gerne, Kushi schon. Trotzdem ist Alexis an diesem brütend heissen Sonntagnachmittag am Wattenwil-Marsch mit dabei – allerdings ist er glücklich, auf dem Rücken seines zotteligen Vierbeiners sitzen zu können. Der zwölfjährige Alexis und die siebenjährige Kushi sind zusammen mit ihren Eltern Christian und Monika Schmid unterwegs – und ihren beiden Eseln Huchotte und Huchette. Wie geborene Cowboys sitzen Alexis und Kushi in ihren Sätteln und blicken stolz von den Eselrücken. Die beiden reiten oft aus, stets in sicherer Begleitung von Mama oder Papa, denn Alexis und Kushi leben mit dem Downsyndrom. Ein Zuhause bieten Zur Familie gehören noch mehr Kinder. Die vier ältesten haben das Elternhaus bereits verlassen, die achtzehnjährige Priscilla, ebenfalls mit einem Downsyndrom geboren, wollte nicht mit an den Marsch. Als Priscilla auf die Welt kam, war für die Schmids klar, dass sie weiteren Kindern mit Downsyndrom ein Zuhause bieten wollten. Sie adoptierten Alexis und Kushi. Wobei Christian und Monika Schmid dieses Wort nicht gerne benutzen. «Sie sind unsere Kinder», sagt Monika Schmid. «Wir machen da keinen Unterschied.» Trotzdem müsse man sich bewusst sein, dass die Kinder mit Downsyndrom einen speziellen Charakter hätten, räumt sie ein. Es brauche viel Energie und Geduld, aber die Erziehung sei dieselbe. Man müsse ihnen genauso beibringen, Verantwortung zu übernehmen, das Positive unterstützen und ihnen ein Selbstwertgefühl vermitteln. Einen Weg gibt es immer Die Eselchen trotten gutmütig dahin. Im Vordergrund glitzert der idyllische Geistsee, im Hintergrund die schneebedeckten Berge. Sie versprechen Abkühlung. Doch die gibt es zum Glück auch in kürzerer Distanz: Die diesjährige Route führt an mehreren Gewässern vorbei. Wer will, kann sich in der Gürbe, im Geist- oder im Dittligsee erfrischen. Die Luft flimmert über den Äckern. Die Hitze lähmt alles, was sich bewegt. Nur Kushi scheint dies nichts auszumachen. Sie ist in Kalkutta geboren und offensichtlich an diese Temperaturen gewöhnt. Sie ist quicklebendig und läuft allen voran. Erstarrt scheint hingegen Eselchen Huchotte. Es will nicht über eine kleine Holzbrücke gehen. Alles Zerren und Stossen nützt nichts. Nach etlichen vergeblichen Versuchen nimmt Christian Schmid den Esel schliesslich am Strick und findet einen anderen Weg. So sei das halt manchmal, sagt er und lacht: «Wie im richtigen Leben. Da muss man auch manchmal einen Umweg einschalten. Aber einen Weg gibt es immer.» Es werden lassen Einen Weg im Alltag beschreitet die Familie mit Freunden und Bekannten gemeinsam: Sie gründeten den Verein «Rägeboge». Der Verein führt verschiedene Aktivitäten durch und hilft: unter anderem Kinder von der Schule abholen oder die Familie auf Ausflügen begleiten. Doch Christian und Monika Schmid dachten weiter und riefen 2010 die Kleininstitution «Huus Rägeboge» für betreutes Wohnen und Arbeiten ins Leben. Im oberen Stock ihres Bauernhauses in Wattenwil entsteht ein Zuhause für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Priscilla, ihre achtzehnjährige Tochter, wird dort mit ihrer Freundin einziehen. «Man muss es werden lassen, Geduld haben, bis der Prozess in Gang kommt. Und wenn nicht, sucht man eben einen anderen Weg», sagt Christian Schmid gelassen. Ein Weg muss an diesem Tag hingegen definitiv nicht gesucht werden. Die Route des Wattenwil-Marsches ist mit leuchtend roten Pfeilen und Fähnchen klar und deutlich markiert. Sibyl Heissenbüttel >

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