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Und plötzlich in der roten Zone

Das Mitwirkungsverfahren für die Zonenplanänderung Naturgefahren läuft. Und birgt unangenehme Überraschungen für Grundeigentümer: Einige finden ihr Grundstück in der roten Zone wieder.

Gefahren drohen in Grindelwald vielerorts: Auf der Bauverwaltung liegt die aktuelle Gefahrenkarte zur Einsicht auf. Diese wird anschliessend in den nächsten Zonenplan integriert. Diese Karten zeigen, wo Siedlungen von Naturgefahren, etwa Lawinen, bedroht sind. Und dienen als Grundlage für die Ausscheidung von Gefahrenzonen und definieren die Nutzung solcher Gebiete. Das bedeutet: Ob und was, wo und wie gebaut werden kann, hängt indirekt mit der Gefahrenkarte zusammen. Seltene Ereignisse Unterteilt werden Gefahrenkarten in den Farben Weiss bis Rot (siehe Kasten). Mit konkreten Auswirkungen für die Grundeigentümer: In der roten Zone dürfen beispielsweise gemäss Artikel 6 des Baugesetzes keine Bauten und Anlagen für Mensch und Tier errichtet werden. «Die Beurteilungen wurden auf Grund der zu erwartenden Häufigkeit und Intensität des gefährlichen Prozesses vorgenommen», sagt Heinrich Buri, zuständig für Naturgefahren vom Amt für Wald des Kantons Bern. Unterschieden würden mögliche Ereignisse nach Lawinen-, Sturz-, Rutsch- und Wassergefahren. « Es werden auch seltene Ereignisse berücksichtigt, die vielleicht nur alle 300 Jahre vorkommen könnten», sagt Buri. Die Gefahrenkarte hat eine Arbeitsgemeinschaft aus anerkannten Fachbüros ausgearbeitet. Offenbar ist es nun vorgekommen, dass gewisse Gebiete sich neu in der roten Zone befinden. Gemäss Buri seien Gefahrenkarten aber nichts Neues, die erste Einschätzung der Naturbedrohungen erfolgte in Grindelwald bereits in den Siebzigerjahren. Eine genaue Liste neu betroffener Gebiete fehlt aber, da kein systematischer Vergleich zwischen alter und neuer Karte ausgewertet wurde. Einige Grundeigentümer im Tal sind mit der aktuellen Gefahrenkarte unzufrieden und wurden bereits bei der Gemeinde vorstellig, wie Gemeindepräsident Emanuel Schläppi auf Anfrage bestätigt: «Mit der Integration der Gefahrenkarte in den Zonenplan werden die Konsequenzen für die Grundeigentümer sichtbar.» Das bedeutet in der roten Zone: Bestehende Wohnhäuser dürften weiter bewohnt werden, aber ein Um- oder An- oder Neubau sei, wenn überhaupt, nur erschwert möglich. Rechtliche Grundlage Gemäss der nationalen Plattform Naturgefahren ist die Gemeinde verpflichtet, die Resultate einer Gefahrenkarte zu berücksichtigen, auch wenn diese Erkenntnisse noch nicht in der Richt- und Nutzungsplanung erfasst sind. Droht beispielsweise einem bewohnten Gebiet Gefahr, wird die Behörde handeln müssen. Andernfalls drohen der Gemeinde bei einem Schaden finanzielle Konsequenzen. Die Mitwirkungsauflage dauert noch bis Ende Januar, Anschliessend gib es eine Bereinigung und Beschlussfassung durch den Gemeinderat. Wird die Gefahrenkarte öffentlich aufgelegt, sind auch Einsprachen seitens der Grundeigentümer möglich. Nach den Einspracheverhandlungen hat die Gemeindeversammlung im Juni das letzte Wort. Fritz Lehmann •www.be.ch/naturgefahren>

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