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«Unsere Seilzüge gibts überall»

Die Thuner Maschinenfabrik Habegger kann feiern: Den «Ehemaligen-Träff» gibts seit 10 Jahren, die Seilbahn Zürichsee fuhr erstmals vor 50 Jahren, 2010 wartet ein 30-Jahr-Jubiläum. Peter Habegger schaut zurück.

Herr Habegger, ist es ausschliesslich eine Freude, oder ist es manchmal auch eine Bürde, in Thun ein «Habegger» zu sein? Peter Habegger: Keine Bürde, aber eine Verantwortung. Doch es ist schön, mit einem Produkt auf der ganzen Welt Probleme beim Heben, Senken und Ziehen von Lasten zu lösen. Bekannte Firmen in der Region, wie die Studer AG oder die Schleuniger AG, mussten Kurzarbeit einführen. Spüren Sie die Wirtschaftskrise auch? Zum Glück nicht, im Gegenteil: Wir haben 2009 sehr erfolgreich gewirtschaftet. Olympiatauglich sind wir beim Heben von Drahtseilnetzen für das Veloradstadion an der Olympiade 2012 in London geworden. Die Lieferung von 40 Seilzugmaschinen und 160 Stück Kraftverstärkungsseilflaschen sind der Beweis. Aber auch grosse Seilzugmaschinen für Windkraftwerke in England und viele Handseilzüge durften wir fabrizieren und in die ganze Welt verkaufen. Die Firma Habegger war und ist in Thun ein Begriff – und weltweit ist es wohl der Habegger-Seilzug, oder? Der 1951 entwickelte und weltweit eingesetzte Habegger-Seilzug ist der Inbegriff unseres Namens. Er wird meist individuell angewendet – ob bei Bergbahnen, bei der Forstarbeit, im Montagebau, bei Seilzügen und Seilbahnen oder anderswo. Alleine in der Schweiz haben wir seither über 140000 Seilzüge verkauft. Auch die «Ehemaligen-Habegger-Träffs» sind legendär. Wieso? Vielleicht, weil wir unser Unternehmen familiär führen, Wert auf einen guten Teamgeist legen und Hunderte von Lehrlingen ausgebildet haben. Die Ehemaligen tauschen sich über alte Zeiten aus, in der viel geforscht, entwickelt, konstruiert, produziert, gebaut und exportiert wurde. Wir hatten einen Fussballklub und eine Betriebsmusik, organisierten Skirennen und unternahmen Reisen. Wir waren wie eine Familie. Sie arbeiten als Geschäftsführer im Überkleid. Ist dies auch eine alte, familiäre Tradition? Mit 25 Angestellten sind wir ein Kleinunternehmen und helfen alle einander. Da heisst es auch für mich anpacken. Zudem wirkt ein solches Kleid verbindend. Vor 50 Jahren entwickelte Ihre Firma die Seilbahn Zürichsee. Auch sie war legendär. Wieso? Was unsere Ingenieure damals innert 15 Monaten entwickelten, fabrizierten und montierten, war revolutionäre Pionierarbeit. Die Kombination einer Hängebrücke und einer Einseilumlaufbahn nach solch kurzer Zeit in Betrieb zu nehmen wäre heute unmöglich. Dies bräuchte heu-te wegen der Bewilligungen und Umweltverträglichkeits-Anforderungen viele Jahre. Weshalb war sie revolutionär? Die Gondelbahn fuhr pro Stunde und Fahrtrichtung 660 Personen über den Zürichsee. An beiden Uferseiten stand in einer Distanz von 900 Metern ein Mast, an welchem die Seile befestigt waren. Leider musste die Bahn 1964 eingestellt werden – mangels Bewilligungen, Geld für Neuinvestitionen und wegen der Gegner, für welche die Anlage ein für das Stadt- und Landschaftsbild störendes Monster war. Früher wurden hier Weltneuheiten entwickelt. Ist das noch so? Nicht in diesem Ausmass wie früher. Was in den 50er- bis Ende der 70er-Jahre entwickelt wurde, war eindrücklich. Damals gab es im Seilbahnbereich vor allem die Habegger AG und die Von Roll AG. Unsere Firma beschäftigte bis zu 450 Angestellte. Gut 60 Prozent der Bergbahnen im Berner Oberland waren Habegger-Bahnen. Welchen Stellenwert auf dem Weltmarkt hat die Habegger Maschinenfabrik AG heute noch? Punkto Technik, Mechanik und Material sind die Habegger-Seilzüge die Nummer eins weltweit. Vom Aufziehen von Tina Turners Bühne bis zum Bau von Autobahnbrücken, ohne unsere Seilzüge geht kaum etwas. Und wir reparieren sie, auch wenn sie über 50 Jahre alt sind. Zugleich entwickeln wir sie laufend weiter. Auch führen wir Entwicklungsaufträge für Dritte aus, zum Beispiel die Erweiterung der Sky-Metro am Flughafen oder Hightech-Panzerseilflaschen für Minenfahrzeuge, und verkaufen Fremdprodukte wie Personenabsturzsicherungen für Baustellen. Auch bieten wir Servicearbeiten an. Beim Circus Knie zum Beispiel sind wir für die Neulieferung und Wartung der Habegger-Seilzüge und somit für die Sicherheit unter dem Zirkuszelt verantwortlich. Und wie sieht die Habegger-Zukunft aus? 2010 feiert die neue Habegger Maschinenfabrik AG 30 Jahre. Das wird speziell gefeiert, oder? Sicher: Ein spezieller Habegger-Team-Ausflug steht auf dem Programm.Franziska Streun>

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