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Unverfrorene steigen in den Moossee

MoosseedorfWas mit einer verrückten und nicht ganz ungefährlichen Wette begann, ist zu einem Ritual geworden: Auch an diesem Silvester stürzten sich 20 Wagemutige in den eiskalten Moossee und schwammen eine Runde.

Der Anblick lässt einen erschaudern: Kurz vor Mittag waten an Silvester 20 Personen in Badeanzügen und barfuss durch den aufgeweichten Boden beim Strandbad Moosseedorf. Ihr Ziel: der See. Die Luft ist zwar kühl, aber nicht eisig. Die Wassertemperatur beträgt jedoch nur 4 Grad. Einige Dutzend Zuschauer haben sich zum Silvesterschwimmen eingefunden. Sie wollen sich vergewissern, ob sich die Schwimmfreudigen auch wirklich ins Wasser wagen. Letzte Bademäntel werden abgelegt, und nun geht plötzlich alles schnell, sehr schnell. Die Gruppe stürzt sich ins Wasser, einige spitze Schreie sind zu hören. «Ein wenig verrückt» «Schreiben Sie ruhig, dass wir alle ein wenig verrückt sind», hat jemand kurz vorher den anwesenden Presseleuten noch zugerufen. Nach ihrer Spritztour im eisig kalten Wasser wartet keine warme Dusche auf sie, kein gemütliches Clublokal, nichts. Doch noch sind die Schwimmer Richtung Floss unterwegs, einer gar mit einem Strohhut auf dem Kopf. An einem sonnigen Sandstrand wird er sich jetzt bei aller Fantasie nicht wähnen, das ist unschwer zu erraten. Das Floss ist erreicht und das Ufer bald auch wieder. Und weil es offenbar so Spass macht, hechtet ein Mann gleich nochmals ins Wasser, bevor er sein Siegeslächeln für das Gruppenbild aufsetzt. Jeden Sonntag im Freibad Das Silvesterschwimmen ist vorbei, und langsam schleicht eine dunkle Röte die Beine der Schwimmerinnen und Schwimmer hinauf. Zähneklappernd, aber zufrieden strahlend bleiben Einzelne noch stehen, während der restliche Tross schleunigst zu den Kleidern eilt. «Wärmende Kleider sind wärmstens empfohlen», haben die Veranstalter in der Einladung geschrieben. Und sie hatten recht. Doch was bewegt Leute dazu, freiwillig in so kaltes Wasser zu steigen und erst noch eine Runde zu schwimmen? «Ich mache gerne ab und zu etwas Gschpunnigs», antwortet Lukas Baumgartner aus Bolligen. Der 32-jährige Sozialpädagoge ist Mitglied der Gruppe Ysheiligi und trifft sich mit drei Kollegen jeden Sonntag beim Freibad Moossee. Im Winter draussen zu schwimmen, stärke den Kreislauf, ist er überzeugt. Beim Silvesterschwimmen mitzumachen, ist für Baumgartner Ehrensache. Auch heute, obwohl er sich anschliessend ins Flugzeug setzt, um bald an fernen Stränden zu baden. Ehrensache ist der Sprung ins Wasser auch für Bruno Huber aus Moosseedorf. Der 54-Jährige ist zum zwölften Mal mit dabei. Für ihn ist das Silvesterschwimmen längst zum Ritual geworden. «So wasche ich Vergangenes ab und schöpfe Energie aus dem frischen Wasser», erklärt er. Eine Wette in der Bar Ein Blick in die Runde zeigt: Die Mehrheit der Teilnehmer ist über 50 Jahre alt. Darunter befinden sich viele Frauen. «Im Winter in kaltem Wasser zu schwimmen, ist einfach gesund», sagt Rosemarie Hofstetter aus Langnau. Die Frage nach dem Ursprung des Silvesterschwimmens kann Häm Schranz, Organisator des diesjährigen Anlasses, beantworten. Dem ersten Schwimmen sei eine Wette in einer Bar vorausgegangen. Und daraus sei ein jährliches Treffen am Moossee geworden. Seit zwei Jahren ist der Club Ysheiligi für die Organisation zuständig. Mitmachen dürfen alle, die bei guter Gesundheit sind und mit Schwimmen im kalten Wasser geübt sind. grü>

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