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Vergängliche Kunst entsteht

Der Gletschersee vertrieb letztes Jahr die Landschaftskünstler, nun

Peter Hess, der künstlerische Leiter des Landart-Festivals aus Allschwil BL, freut sich, wieder an der Erlenpromenade in der Nähe der Grindelwalder Gletscherschlucht wirken zu können: «Der Einbezug des Wassers hat uns im vergangenen Jahr gefehlt.» Damals mussten die Künstler aus Sicherheitsgründen Werke rund um das Berggasthaus Marmorbruch schaffen, weil die Gefahr des Gletschersees noch nicht durch einen Stollen gebannt war. Elf Zweierteams aus Dänemark, Frankreich, Holland, Italien, Kanada, Litauen, Norwegen, Österreich, Spanien und Taiwan arbeiten noch bis am Samstag an ihren Kunstwerken. Das Thema ist frei wählbar. Zum Bau der Werke können die Teilnehmer alle Materialien verwenden, die sie im Wald vorfinden: Blätter, Tannzapfen, Steine, Äste, Moos. Fast alle Künstler wirkten bereits in Grindelwald. So auch der Niederländer Geert Schiks, der gleich zu Beginn der Erlenpromenade ein Kunstwerk aus Ästen und Steinen erschafft. Der Name ist «Grindel-Wald». Diese Bezeichnung leitet sich wohl von den althochdeutschen Wörtern «grintil» (Riegel, Sperre) und «walt» (Wald) ab. «Daher verwende ich nur diese zwei Materialien», sagt Schiks, «und beide wurden durch das Wasser geformt.» Ganz anders gehen die Teilnehmer aus Norwegen an die künstlerische Herausforderung heran. Sie haben aus Schwemmholz Spazierstöcke hergestellt. Zu Beginn und am Ende der Erlenpromenade können Besucher die Stöcke für die Besichtigung der Kunstwerke mitnehmen. «Wir werden die Menschen mit den Stöcken fotografieren und anschliessend die Bilder im Sportzentrum ausstellen», sagt Kai Bratbergsengen. Den Schreibenden hat er ebenfalls aufgenommen: kniend, Kunstwerke fotografierend. Was Peter Hess an Landart begeistert, ist die Vergänglichkeit der Kunstwerke. «Sie entstehen aus der Natur und verschwinden auch wieder im Lauf der Zeit.» Das kann allerdings dauern, wer sich rund um die Gletscherschlucht umsieht, kann hie und da noch Kunstwerke aus früheren Jahren erkennen. Bereits zum zwölften Mal wird die Veranstaltung ausgetragen. Geburt in den USA Land Art, englisch für Landschaftskunst, ist eine Ende der 1960er-Jahre in den USA entstandene Kunstströmung. Die Geburtsstunde war die Ausstellung «earthworks» 1968 in der Galerie von Virginia Dwan in New York*. Land Art kennt unterschiedlichste Ausdrucksformen. In den USA wurde anfänglich auch gerne zu Bagger und Sprengstoff gegriffen, um ganze Landschaften nachhaltig zu verändern. Eines der gewaltigsten Werke ist «Double Negative» von Michael Heizer. Zwei 9 Meter breite und 15 Meter tiefe, lineare Einschnitte mit einer Länge von rund 450 Metern wurden in eine wüstenartige Hochebene in der Nähe von Las Vegas getrieben. Denn die Landschaftskünstler der ersten Stunde hatten mit der später aufkommenden Ökologiebewegung nichts zu tun: «It’s about art, not landscape», sagte Michael Heizer einst und wollte sein Schaffen nicht als Ökokunst interpretiert wissen. Prämierung am Samstag Am Samstag, 12.Juni 2010, wird eine Jury die entstandenen Kunstwerke ab 12 Uhr mittags beurteilen. Die Rangverkündigung findet um 17 Uhr beim Sportzentrum Grindelwald statt. Fritz Lehmann*Quelle: «Land Art», Michael Lailach, Taschen-Verlag, 2009. >

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