Zum Hauptinhalt springen

Verurteilt: Er versuchte, seine Ehefrau umzubringen

Das Kreisgericht Biel-

Kariertes Hemd, Wollgilet, festes Schuhwerk, Brille, gepflegte Frisur – der 60-jährige Angeklagte A.G.* sitzt ruhig da, legt die Hände in den Schoss und wartet darauf, von Gerichtspräsident Markus Gross zur Nacht vom 17.Juli 2009 befragt zu werden. An jenem verhängnisvollen Abend entschied sich der ehemalige Berufsschullehrer A.G., zu seiner Frau F. G.* an den Bielersee zu fahren und mit ihr das Gespräch zu suchen. Vorausgegangen waren zwei extreme Tage: A.G. hatte nach einem gescheiterten Gespräch mit seiner Frau versucht, sich zu Hause mittels Tabletten zu töten. Am Dienstag hat er bis Mittag geschlafen und sich von seinem Arbeitsplatz abgemeldet. Tags darauf arbeitete er wieder. Er versuchte, sie zu ersticken Am Abend desselben Tages fuhr er zu seiner Frau, drang in ihre Wohnung ein, zu der er den Schlüssel besass, weckte F.G. und beschimpfte sie. Als sie sich drehen wollte, setzte er sich auf sie, drückte ihr ein Kissen auf den Kopf und versuchte, sie zu ersticken. «Kurz ging mir dabei der Gedanke durch den Kopf, beide Leben auszulöschen», sagte der Angeklagte vor Gericht. Seine Frau konnte sich befreien und zu ihrem Bruder im gleichen Gebäude fliehen. Der Angeklagte ging in den Keller und unternahm einen zweiten Suizidversuch, den er jedoch abbrach. Danach fuhr er zurück in seine Wohnung, sprach mit seiner erwachsenen Tochter, welche die Überweisung ihres Vaters in die psychiatrische Klinik Waldau erwirkte. Dort gestand der Angeklagte einem Arzt seine Tat ein erstes Mal. Vorsatz oder nicht? So weit waren sich Anklage und Verteidigung einig. In für das Strafmass entscheidenden Details gingen die Einschätzungen von Staatsanwalt Peter Bohnenblust und dem Pflichtverteidiger Simon Iseli aber auseinander. Bohnenblust plädierte auf versuchte vorsätzliche Tötung, währenddessen Iseli im Verhalten seines Mandanten nur einen Eventualvorsatz sah – A.G. den Tod nur in Kauf genommen habe. Das Kreisgericht verurteilte den Angeklagten wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu 3,5 Jahren Gefängnis unbedingt, wobei die 160 Tage Untersuchungshaft angerechnet werden. Der Staatsanwalt hatte vier Jahre gefordert, die Verteidigung ein Jahr bedingt. jw/bt*Namen der Redaktion bekannt. >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch