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Vom Erdbeben verschont und trotzdem auf Hilfe angewiesen

Bis zum verheerenden Erdbeben vom 12.Januar hat die Interlaknerin Sylvia Hegi in einem Waisenhaus in Haiti gearbeitet. Nun will sie einen Verein zu dessen Unterstützung gründen. Und auch wieder auf die Insel zurückkehren.

Ich war überzeugt, es sei eine riesige Bombe explodiert», erzählt die schweizerisch-kanadische Doppelbürgerin Sylvia Hegi (siehe Kasten) von ihren Erlebnissen in der Hauptstadt von Haiti am verhängnisvollen 12.Januar. Damals bebte kurz vor 17 Uhr in Port-au-Prince die Erde. Sylvia Hegi hatte gerade einen grossen Supermarkt verlassen, als es plötzlich einen gewaltigen Knall gab und sich vor ihr die Strasse auftürmte. Sekunden später war ein riesiger Riss sichtbar, und dicke Staubwolken machten den Tag zur Nacht. Grauenhaftes Schreien erfüllte die Luft. Erst später sei ihr klar geworden, dass sich in diesem Augenblick das heftigste Erdbeben seit über 10 Jahren ereignete. Die Naturkatastrophe kostete über 200000 Menschen das Leben und machte Millionen obdachlos. Ein Wunder ist geschehen Nach dem ersten Schock wandte sich ihre Sorge sehr schnell den Menschen zu, für die sie die Einkäufe in Port-au-Prince getätigt hatte: den 32 Waisenkindern im Orphanage Bon Berger, in dem sie drei Monate lang als Hilfskraft mitgearbeitet hatte. Diese Kinder, deren Eltern starben oder die wegen bitterer Armut oder anderer Probleme dem Leiter des Waisenhauses, dem 69-jährigen Pastor Valambrun, anvertraut wurden, waren zum Zeitpunkt des Erdbebens rund 20 Kilometer ausserhalb von Port-au-Prince. Ihre Rettung war ein Landgut des Pastors, welches dieser geerbt hatte und für sich, drei Mitarbeiter und die Kinder als Oase in der riesigen Armut Haitis nutzte. Gross war die Erlösung für Sylvia Hegi: «Es ist wie ein Wunder, dass niemand getötet oder verletzt wurde.» Sylvia Hegi wurde drei Tage nach dem Erdbeben aus Haiti evakuiert, da es für sie wie für alle anderen Ausländer, die selber nicht medizinisch ausgebildet waren oder Erfahrung in Katastrophenhilfe hatten, keinen Sinn machte, weiter zu bleiben. Schon vor dem Beben arm Sie wollte schon vor dieser Katastrophe ein Projekt für diese Kinder lancieren. «Das Erdbeben hat mich lediglich darin bestärkt, dass ich mich für den Rest meines Lebens mit aller Kraft für diese Kinder einsetzen werde.» Am Samstag soll nun in Interlaken der Verein «Hope for Haitis Kids»gegründet werden. Unterstützung erhält Sylvia Hegi von Thomas Roth, ehemaliger Präsident des Regionalen Behindertenzentrums (RBZ) Interlaken. Als langjähriger Sozialarbeiter unter heutiger Leiter einer Ausbildungsstätte für Sozialpädagoginnen und -pädagogen weiss er: «Obwohl Millionen für die Opfer gesammelt wurden, braucht es weitere Hilfe.» Besonders die lokalen Hilfsprojekte seien oft die nachhaltigsten. Die grossen Hilfswerke würden solche privat injizierten Vorhaben denn auch nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung betrachten. Denn Haiti sei schon vor dem Erdbeben das ärmste Land der westlichen Hemisphäre gewesen. Es begann mit Ferien Der erste Kontakt mit der Insel Haiti verlief für Sylvia Hegi angenehm, sie war dort in den Ferien. Durch einen Kontakt mit einem Mitarbeiter des Hotels wurde sie auf das Waisenhaus und die desolate Lage der Kinder aufmerksam. Das Waisenhaus Bon Berger ist ein lokales Projekt ohne grosse Institutionen im Rücken. In den rund 12 Jahren, in denen Pastor Valambrun es sukzessive aufgebaut hat, hat er sämtliche Auslagen aus der eigenen Tasche bezahlt. Obwohl die Kinder täglich die eigene Schule besuchen, fehlt es an allem: weder hat die Schule Tische noch Bücher. Auch Hefte und Schreibwerkzeuge für die Schüler fehlen vollständig. Unterrichtet werden in Gruppen Grundkenntnisse in Französisch und Mathematik auf behelfsmässigen Bänken. Kinder schlafen am Boden Diese Missstände will Hegi beseitigen. Nicht aus missionarischem Eifer, sondern aus gelebter christlicher Überzeugung. Sie bleibt dabei pragmatisch: «Im Waisenhaus braucht es Duschen und Toiletten, da die Kinder sonst weiterhin an Durchfall, Augenentzündungen, Bronchitis, Nieren- und Blasenproblemen leiden», sagt sie. Das Waisenhaus braucht auch mehr Betten, damit die Kinder nicht so häufig auf dem Boden schlafen müssen. Das langfristige Ziel von Sylvia Hegi und Thomas Roth ist jedoch ein Unterstützungsprogramm für Familien, welches es den Kindern ermöglicht, daheim statt im Waisenhaus aufzuwachsen. Als Nächstes will Sylvia Hegi aber unbedingt zurück nach Haiti, um mit Hilfsgütern und vor allem mir ihrer Schaffenskraft wieder im Waisenhaus von Port-au-Prince mitzuarbeiten. Fritz Lehmann Gründungsversammlung: Samstag, 20. Februar, 17 Uhr, Restaurant Westbahnhof, Interlaken. Spenden: Sylvia Hegi, Haiti Kinderhilfe, Raiffeisenbank Jungfrau, 3800 Interlaken. Postkonto 30-8158-4, Vermerk «Spendenkonto 237572.3» oder E-Banking, IBAN-Nr. CH03 8084 2000 0023 7572 3. Weitere Informationen: rothmariani@ gmx.ch oder 078 8095180. • www.hopeforhaiti-ch-ca.com >

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