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Vom Schulweg nach Olympia

Die Berner Brüder Lukas und Mathias Flückigerhaben sich im Mountainbike an der Weltspitze etabliert. Sie träumen

Ein Flückiger kommt selten allein. Was für die Konkurrenz ein Unglück sein mag, ist für den Schweizer Bikesport positiv. Denn die Berner Brüder Lukas und Mathias Flückiger gehören im Mountainbike-Cross-Country zur Weltspitze. Der 26-jährige Lukas belegte heuer im Gesamtweltcup Platz elf, sein vier Jahre jüngerer Bruder Mathias konnte sich sogar fünf Plätze vor ihm rangieren. Die Spitze im Cross-Country ist momentan so ausgeglichen, wie wohl noch nie zuvor. Einzig Nino Schurter, der Schweizer Sieger des Gesamtweltcups, stand in der Saison 2010 zweimal zuoberst auf dem Podest. Dahinter haben sich zehn bis fünfzehn Fahrer formiert, die immer für eine Topklassierung gut sind. Nebst Schurter und den Flückigers klassierten sich drei weitere Schweizer (Florian Vogel, Christoph Sauser, Ralph Näf) in den Top fünfzehn des Gesamtweltcups. Der Bruder als Antrieb Aufgewachsen sind Lukas und Mathias auf dem Ochlenberg in der Nähe von Langenthal. Da die Gemeinde selber keine Schule hatte, mussten sie jeden Tag vom elterlichen Bauernhof mit dem Fahrrad in das benachbarte Oschwand. So bewältigten sie täglich rund 600 Höhenmeter. Das Potenzial von «Luk» bemerkten die Eltern schnell. Er klassierte sich oft unter den Besten und trainierte fleissig. «Math» hingegen, schien keine Ambitionen zu hegen. Der nötige Elan fehlte ihm, zudem sei er damals für sein Alter körperlich nicht sehr weit entwickelt gewesen, wie er selber sagt. Hätte er mit Lukas kein direktes Vorbild gehabt, womöglich hätte der jüngere Flückiger nie zum Spitzensport gefunden. Doch als sich bei Lukas die Erfolge einstellten, hatte dies auch motivierende Wirkung auf Mathias. Seit 2009 fahren die Flückigers zusammen für das amerikanische Trek World Racing Team. Auch in Zukunft wollen sie jeweils der gleichen Mannschaft angehören. Denn so können sie immer gemeinsam an die Rennen im Ausland reisen. Vom Umstand, einen Trainingspartner auf internationalem Top-Niveau in der Familie zu haben, konnten sie freilich bisher kaum profitieren. Bis in den Sommer war Mathias in der Ausbildung zum Baumaschinenmechaniker. Und nun muss er Anfang November in die Sportler-Rekrutenschule einrücken. Gemeinsam an Olympia 2011 findet die Mountainbike-WM in der Schweiz statt. Die Strecke in Champéry schätzen die beiden Flückigers sehr. Auch deshalb haben sie sich für diesen Event viel vorgenommen. Zudem gehört die WM zu den Rennen, welche Swiss Olympic zu den Selektionswettkämpfen für die Olympischen Spiele 2012 in London zählt. Die gemeinsame Teilnahme am globalen Ereignis ist der grosse Traum der beiden Brüder. Dass er plötzlich für einen der beiden zum Albtraum wird, können sie nicht ausschliessen. «Es dürfen nur drei Schweizer Mountainbiker nach Olympia. Würden wir jetzt vor der Selektion stehen, käme es zum Duell zwischen uns Brüdern», schildert Lukas das delikate Szenario. «Trifft das ein, wird der Betroffene die Enttäuschung mit der Freude für seinen Bruder kompensieren», ist sich Mathias sicher. Doch lieber träumen die beiden. Denn ein Flückiger kommt selten allein, am liebsten auch an Olympia nicht.Dominic Wuillemin >

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