Von der Bieridee zum Kultfestival

Sie gründeten einen Verein, um ein Festival zu machen, das ihren Anforderungen entspricht und nicht langweilig ist: Am Run to the Hill Festival des Memphis Kings Club darf man Sachen machen, für die man sonst bestraft wird.

Sie unterlassen nichts, um ihren guten Ruf zu wahren: Die Aktivmitglieder des Memphis Kings Club Switzerland, v. l.: Sigi, Suger, der Dicke (Präsident), Urzel, Pornoli, RGZ, Länzu.

Sie unterlassen nichts, um ihren guten Ruf zu wahren: Die Aktivmitglieder des Memphis Kings Club Switzerland, v. l.: Sigi, Suger, der Dicke (Präsident), Urzel, Pornoli, RGZ, Länzu.

(Bild: ksm-fotografie)

Sie besuchten zahlreiche Festivals und waren mit dem jeweils Gebotenen selten bis nie zufrieden. Doch statt immer zu kritisieren und herumzunörgeln, sagten sich die Hillbillies aus Boltigen: «Wir machen unser eigenes Festival. Wir machen es vielleicht nicht besser, aber sicher anders!»

Die Idee zum Run to the Hill entstand, wie so viele gute Ideen, am Stammtisch beim Bier. Als Trägerverein für ihr «Festival der Unvernunft», wie sie es gerne selber bezeichnen, gründeten die ursprünglich mit Elvis-Tolle herumlaufenden Simmentaler Hillbillies ihren Verein Memphis Kings Club Switzerland in Boltigen.

Im Zeichen des King

An Elvis Presleys Geburtstag, dem 8. Januar, anno 2008, setzten die Gründungsmitglieder um Präsident Christian Schafroth ihre Unterschrift auf die Gründungsurkunde. Das Datum ist Programm. Doch wäre Elvis Presley, würde er noch leben, nicht ihr Präsident, sondern eher Ehrenmitglied oder Gönner.

Man müsse ein US-Car fahren, eine authentische Frisur tragen und mindestens einmal in seinem Leben ans Grab des King of Rock ’n’ Roll nach Graceland gepilgert sein. So wollten es die ursprünglichen Statuten. Nun wurden sie etwas abgeschwächt, denn nicht mehr jeder der 10 Aktivmitglieder ist aufgrund seines Haarwuchses in der Lage, eine Tolle zu frisieren. Und auch die Graceland-Pilgerreise wurde von der Pflicht zur Absicht erklärt. Man wird schliesslich nicht jünger. Auch die Hillbillies des Memphis Kings Club Switzerland nicht.

«Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass unser Festival auf dem ‹Hügel der Unzucht› zwischendurch einem organisierten Chaos gleichkommt. Soll es auch, wir dürfen das – wir sind Juan-Paso», steht selbstbewusst auf ihrer Website. Mit dem «Hügel der Unzucht» ist der Jaunpass gemeint. «Unser Lohn ist euer Lob, Enthusiasmus und letztlich eure Präsenz mit der Garantie, euch das unvernünftigste Wochenende des Jahres zu bescheren – dafür stehen wir mit unserem Namen», heisst es weiter.

«Ihr macht an eurem Festival wirklich Autos kaputt?», würde er oft gefragt, sagt ein Aktivmit­glied. Die Antwort ist: «Ja. Mit einem Vorschlaghammer, wenn du willst!» Neben diesem sogenannten Car Demolition stehen Grabenstampferrennen, ein Beer-Pong-Tournament, King-Dezibel-Prämierungen und zum ersten Mal «The Race of Spades – Töffli Poker Run» auf dem Programm.

Dazu gibt es handverlesene Livemusik aus dem In- und Ausland. Ob dieses Festival besser sei als andere, wollen die Herren vom Memphis Kings Club Switzerland selber nicht beantworten. «Am besten ist es, vorbeizukommen und selber zu entscheiden», sind sie sich einig. Aber eines versprechen sie: «Langweilig wird es bei uns nie.»

Viel Arbeit

Aktuell gibt es im Memphis Kings Club 10 Aktiv- und rund 140 Passivmitglieder, wobei es sich vor allem um Helfer und Gönner handelt. Wer bei diesem Club aufgenommen werden will, muss erst mal ein Run-to-the-Hill-Jahr mitgemacht haben. «Jeder erhält an diesem Festival seine Aufgabe, und die gilt es ohne Zwischenfälle zu erfüllen», erklärt ein Aktivmitglied. Denn im Komitee müsse hart gearbeitet werden.

Nur jedes zweite Jahr

Die Organisation, Auf- und Abbau dieses Festivals brächten viel Arbeit mit sich. Arbeitsscheu dürfe man nicht sein, dann sei man bei ihnen an der falschen Adresse. Erst wenn einer ein solches Festivaljahr mitgemacht habe, werde entschieden, ob er Mitglied werden könne oder nicht.

Jedes zweite Jahr gibt es ein Run to the Hill auf dem Jaunpass. Warum nicht jedes Jahr? Der Aufwand dafür sei viel zu gross. Schliesslich stünden sie alle zu 100 Prozent im Berufsleben und würden für dieses Festival ihre Ferien hergeben. Und ausserdem bleibe man so eine Rarität, auf die sich die Leute immer wieder freuten. Dies scheint aufzugehen: Die Presse hat das Festival auf dem Jaunpass bereits als Kultfestival bezeichnet, obschon es 2017 erst zum insgesamt sechsten Mal durchgeführt wird.

Die Simmentaler Hillbillies haben es geschafft, mit ihrem Festival das grösste regelmässige und von Einheimischen gemachte Festival im Simmental zu werden. «Grösser wollen und können wir nicht werden, im Gegensatz zu den meisten anderen Festivals, die wachsen wollen. Auf dem Jaunpass sind uns natürliche Grenzen gesetzt», ist sich die feierwütige Gemeinde, die sich selber gerne als «Juanpachen» bezeichnet, bewusst: Aber man könne immer noch etwas besser werden! Und daran arbeiten sie.

Das Run to the Hill Festival findet vom 28. bis 30. Juli auf dem Jaunpass statt.

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