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Von Tal zu Tal auf den Spuren der Walser

GraubündenVom Rheinwald ins Valsertal, über den Tomülpass ins Safiental und von dort wieder ins Tal des Hinterrheins. Das ist ein Teil des rund 300 Kilometer langen Bündner Walserweges, der von der San-Bernardino-Passhöhe nach Brand im österreichischen Montafon führt.

Hoch hinauf über den Pass und wieder runter ins Tal. So verläuft der Walserweg in Graubünden. Über diese Routen sind zwischen dem 13. und dem 15.Jahrhundert die Walser in die Bündner Täler eingewandert. Heute wird auf diesen Wegen gewandert, und die örtliche Bevölkerung freut sich über Einnahmen aus dem sanften Tourismus. Hinterrhein und der «Geissen-Peter» Die erste Etappe beginnt in San Bernardino und endet in Hinterrhein. Eine Etappe praktisch auf der gleichen Höhe. Dem Anstieg von 500 Metern über Sass de la Golp zur Passhöhe steht ein Abstieg von 490 Metern gegenüber. Über Kreten und kleinere Moorlandschaften in dreieinhalb Stunden nach Hinterrhein. Die ideale Einlaufstrecke nach der Anfahrt mit dem Postauto. In Hinterrhein erinnert nicht mehr viel an die Walser. Die Häuser sind gemauert und mit Steinen gedeckt, sie stehen eng zusammen. Im Rothaus, einem ehemaligen Säumerhaus, wer-den Fremdenzimmer angeboten. Restaurant gibt es keines im Dorf. Darum wird bei der Ankunft auch gleich das Abendessen organisiert. Per Telefon werden die neuen Gäste beim Nachbarn angemeldet, der in seinem Gewölbekeller Raclette, Wurst, Käse und Fleischplatten anbietet. Die Bauernfamilien Meuli vom Rothaus und Egger mit ihrem Bachhuus-Chäller haben sich organisiert und verdienen mit den Wandergästen ein Zubrot. Nach einer ruhigen Nacht in alten Holzbetten wartet am Morgen ein Schauspiel wie im Heidi-Film. Wie einst Geissenpeter treibt der Hirt die Geissen zusammen. Punkt acht Uhr bläst er in sein Horn, aus allen Ställen strömen die Tiere auf die Strasse. Sicher an die hundert Stück «glöggele» unter der A13 hindurch auf die Weiden. Aber aufgepasst: Wanderer sollten nicht zu lange verweilen. Denn je später der Aufbruch, je heisser wird der Aufstieg zum Valserberg. Vals, der Badeort im engen Talkessel Rund drei Stunden dauert es, bis die knapp 900 Höhenmeter geschafft sind. Der Weg ist zum grössten Teil der Sonne ausgesetzt, das müssen Wanderer berücksichtigen und genügend Getränke in den Rucksack packen. Der Valserberg ist ein Übergang, der ansonsten keine grossen Schwierigkeiten bietet. Auf der anderen Seite stehen 1250 Meter Abstieg bevor. Bei der Alp Wallach teilen sich die Wege. Der Wanderweg führt durch dichte Blacken und ist fast nicht zu sehen. In zwei Kehren gehts hinunter ins Tobel. Wer diesen Weg verpasst, muss einen grossen Teil der Strecke durchs Peiltal auf der asphaltierten Alpstrasse zurücklegen. Nach sechs Stunden ist Vals erreicht. Verschiedene Hotels bieten Zimmer an, das Bad in der Therme lockt. Safien, das früher abgeschottete Tal Und wieder geht es am nächsten Morgen «obsi». Nach zweieinhalb Stunden liegt die landschaftlich schönste Gegend dieser Wanderwoche neben dem Weg: der Riedboda, über den der Riedbodabach seine Kurven zieht. Eine feuchte Hochebene mit Wollgras bildet den Rahmen für den Bach mit dem glasklaren Wasser. Nach einer Felsbarriere ist die Alp Tomül erreicht. Frisches Joghurt oder eine Schoggimilch sorgen für die nötige Kraft für den Restanstieg zum Tomülpass und den Abstieg zum Berggasthaus Turrahus hinten im Safiental. 1160 Meter aufwärts und 720 Meter abwärts ist die Leistung an diesem Tag. Als die Walser hier einwanderten, bestand kein Weg entlang des Flüsschens Rabiusa in Richtung Versam. Die Strasse talauswärts entstand erst Ende des 19.Jahrhunderts. Die wichtigste Verbindung nach aussen war der Saumweg über den Glaspass nach Thusis. Thusis, das kleine Zentrum am Hinterrhein Und dorthin geht die nächste Wanderetappe. Vor dem Turrahus wartet das Postauto. Eine gute Gelegenheit, die Wanderung etwas abzukürzen. Weiter vorne im Tal, in Safien-Dorf, beginnt der Weg über den Glaspass nach Thusis. Vor dem eigentlichen Pass und auch auf dem Abstieg nach Thusis liegt der Wanderweg etwas gar lang auf der Asphaltstrasse, sodass die Wanderer froh sind, wieder in den Wald unterhalb der Fahrstrasse abtauchen zu können. Von Thusis aus führt die nächste Etappe nach Obermutten. Eine Streusiedlung auf dem Rücken zwischen dem Hinterrheintal und dem Domleschg. Zum letzten Mal gehts aufwärts. 1360 Höhenmeter sind es. Vorbei an der Burg Hohenrätien geht es bald einmal sehr steil den Wald hinauf. Ist das geschafft, verläuft der Weg wieder angenehm steigend bis zum einzigen Gasthaus in Obermutten. Sehenswert ist die Holzkirche, die gerade renoviert worden ist. Auf der letzten Etappe gehts vor allem bergab. In Andeer ist ein Bad in der Therme Programm. Schön müde, aber sehr zufrieden liegt es sich gut im warmen Wasser.Text und BilderChristine Nydegger>

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