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Vorzeitiges Saisonende für Xamax

FussballXamax ist wegen finanzieller Unregelmässigkeiten aus der Swiss Football League ausgeschlossen worden.

Als Daniele Moro, der Präsident der Disziplinarkommission (DK) der Swiss Football League, gestern Nachmittag den Lizenzentzug von Neuenburg Xamax wegen mehrerer Verstösse gegen das Reglement bekannt gab, war der Konferenzsaal im Hotel Radisson Blu beim Flughafen Zürich-Kloten proppenvoll. Sicherheitsleute bewachten die Gänge des Hotels. Einzigartiges war geschehen im Schweizer Profifussball – nie zuvor hatte die Liga einen Klub während der Saison aus dem Ligabetrieb ausgeschlossen. «Der Lizenzentzug war die einzig mögliche Sanktion», sagte Moro und erläuterte die Umstände: Seit September hat Xamax respektive Präsident Bulat Tschagajew den Beweis, über die für die Swiss Football League (SFL) nötigen finanziellen Mittel zu verfügen, nicht erbracht. Schon in drei Verfahren hat die DK Xamax deshalb in den letzten Wochen mit dem Abzug von insgesamt acht Punkten bestraft. Nie lieferte Xamax die Bestätigung, für die Monate September, Oktober und November Löhne und Sozialabgaben bezahlt zu haben. Tschagejew will kämpfen Hinzu kam, dass das im November vorgelegte Schreiben, wonach Tschagajew (er hatte die Aktienmehrheit des Klubs im Mai vom Neuenburger Bauunternehmer Sylvio Bernasconi übernommen) bei der Bank of America über mehrere Millionen verfügen sollte, gefälscht war. «Diese Urkundenfälschung spielte für uns eine entscheidende Rolle», so Moro. Als nicht relevant taxierte der Tessiner Anwalt dagegen die lange Liste von Gläubigern, die von Xamax insgesamt über 7 Millionen Franken fordern. Schulden, welche den Klub mit dem Konkurs bedrohen. Gemäss Moro standen der Liga erst am Mittwoch alle Beweise zur Verfügung, um den Lizenzentzug zu beschliessen. Die Rückrunde der Super League startet am 4.Februar mit neun Teams. Ende Saison gibt es keinen direkten Absteiger; der 9. der Super League bestreitet die Barrage. Somit können weder Sion mit den 36 Strafpunkten noch Lausanne (nur 11 Punkte in der Vorrunde) direkt in die Challenge League verbannt werden. Auswirkungen hat der Lizenzentzug von Xamax, dessen Spieler die Hiobsbotschaft im Trainingslager in Dubai erfuhren, auch auf die Challenge League. Statt sechs steigen Ende Saison nur fünf Klubs in die neu geschaffene 1.Liga Promotion ab. Dieser wird im Sommer – sofern der Konkurs abgewendet wird – auch Xamax angehören. «Der Lizenzentzug gilt für die Super und die Challenge League», erklärte SFL-CEO Claudius Schäfer. Bis am Montag hat Xamax Zeit, Rekurs gegen den Lizenzentzug einzureichen. Die DK hat aber einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung entzogen. Erfolgsaussichten hat der Klub bei dieser Schuldenlast ohnehin kaum. Trotzdem sagte Tschagajew am Abend in einem TV-Interview: «Wir werden uns gegen den Entscheid durch alle Instanzen wehren.» Derweil formiert sich in Neuenburg eine Gruppe um Fifa-Direktor Walter Gagg und den langjährigen Xamax-Präsidenten Gilbert Facchinetti, die Xamax am Leben halten will – auch in der 1. Liga Promotion. Die SFL will genauer hinsehen Die Swiss Football League will ihre Schlüsse ziehen, damit der Fall Xamax einzigartig bleibt. Den Vorwurf, ebenfalls Fehler begangen zu haben, weist sie von sich und verweist auf ein im Herbst beschlossenes neues Reglement für die Lizenzvergabe. Damit will die SFL mehr Einblick haben, wenn Klubs den Besitzer wechseln. Bisher war dies ein Geschäft zwischen altem und neuen Eigentümer, in das die Liga keinen Einblick erhielt. «Die Lizenzkommission will nun eine neue Beurteilung vornehmen, wenn die Mehrheitsverhältnisse in einem Klub wechseln», sagte SFL-CEO Schäfer, der bis letzten Dezember Leiter der Abteilung Lizenzen gewesen war. Der neue Besitzer muss also sofort den Nachweis erbringen, dass er über Geld verfügt, um eine Saison in der Swiss Football League finanzieren zu können. Dass ein Fall Xamax nicht mehr vorkommt, ist aber auch so nicht ausgeschlossen. « Es gibt immer die Möglichkeit zur Misswirtschaft», sagte SFL-Präsident Heinrich Schifferle. si>

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