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Wandel von Klang und Stimmung

saanenVom ersten bis zum letzten Ton fesselte das Klavierrezital von Grygory Sokolov. Er spielte am Donnerstagabend Werke von Bach und Schumann im Rahmen des Menuhin Festivals in der Kirche Saanen.

Das «Italienische Konzert», Concerto nach italienischem Gusto, BWV 971, oft gespielt, bestens bekannt, liess die Konzertbesucher am Donnerstag schon in den ersten Takten aufhorchen. Die Aufmerksamkeit, welche Gregory Sokolovs Spiel abforderte, blieb bis am Schluss des ebenso virtuosen wie anspruchsvollen Rezitals, Ton für Ton, bestehen. Der Wechsel der grossen und kleinen Klangkörper, wie er in einem Orchesterkonzert vollzogen wird, drückt Johann Sebastian Bach hier in einem einzigen Instrument aus. Sokolov zeigte sich hierin als wahrer Verwandlungskünstler. Die klangstarken Gegensätze traten bei ihm übergangslos selbstverständlich, aber dynamisch auf. Das Spiel mit dem SpielDie Ouvertüre nach Französischer Art BWV 831 ist rhythmisch äusserst interessant, zeitweise locker, spielerisch, dann wiederum recht herb. Kristallklar, doch behutsam sanft, kostete Sokolov die bachschen Verzierungen aus. Mit dem letzten Satz, dem Echo, entliess der Pianist sein Publikum in die Konzertpause mit einem gewissen Zauber. Um den echoartigen Wechsel von forte und piano zu charakterisieren, hat Bach ursprünglich ein Cembalo mit zwei Manualen vorgeschrieben. Sokolov gelang es indes, diesen Effekt seinem Steinway-Flügel zu entlocken. In ausladender Melodik, wechselhaften Stimmungsbildern und manchmal recht bestimmt punktierten Rhythmen setzt sich Robert Schumann mit Gemüt und Witz auseinander. Über die Humoreske op.20 schrieb er damals an Clara Wieck: «Die ganze Woche sass ich am Klavier und komponierte und schrieb und lachte und weinte durcheinander.» Bei den vier Klavierstücken op.32 wurden die Stimmungswechsel von Sokolov nochmals musikalisch sehr einfühlsam, kraftvoll und sanft zugleich, herausgespielt. Auch der zweite Rezital-Teil endete zart und leise. Er durfte kaum aufhörenNach einem solchen Programm wäre es verständlich gewesen, dem Pianisten nicht noch Zugaben abzuverlangen. Grygory Sokolov zeigte sich jedoch unermüdlich und dankte den frenetisch Applaudierenden mit zwei Stücken von Jean-Philippe Rameau, dem «Rappel des Oiseaux» und dem «Tambourin». Das perkussionistisch-pianistische Stück entpuppte sich als Ohrwurm, der die Heimkehrenden noch lange begleitete. Lotte Brenner>

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