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Wandfluh expandiert in China

Frutigen-Shanghai Die Elektronik- und Hydraulikfirma Wandfluh hat sich in Shanghai das Gelände für einen Neubau gesichert. Ihr gut laufendes Chinageschäft ermutigt die Frutiger zur Expansion, auch wenn das Reich der Mitte ein Haifischbecken ist.

Noch ernten Anwohner mit einfachen Werkzeugen Gemüse. Der kleine allein stehende Hof wird bald weichen. Denn das weite Feld ringsum ist eine grüne Lücke, die schon umzingelt ist von den Fabrikhallen des unaufhaltsam wachsenden Industriebezirks Songjiang. Grauer Smog taucht das Gelände in ein abweisendes Licht. Hier, am Rand der Megacity Shanghai, will das Frutiger Hydraulik- und Elektronik-unternehmen Wandfluh 2013 einen zweistöckigen Neubau eröffnen. Nachbar wird der schwedische Autokonzern Volvo sein. Aufstieg in China Der Antrag für das Projekt und den Erwerb von 6600 Quadratmeter Land im geplanten «Xinzhuang Industry Park» seien bei der Distriktregierung eingereicht, bestätigt Steve Deng. Er ist Direktor von Wandfluhs China-Ableger in Shanghai. Gäste empfängt er im Entree unter einem grossen Bild des Frutiger Mutterhauses zu Füssen des Elsighorns. Fährt man vom heutigen zum künftigen Sitz von Wandfluhs Shanghai-Aussenstelle, legt man etwa die Distanz von Frutigen nach Spiez zurück und ist dennoch in der immer gleichen endlosen Industriezone unterwegs. Auf der Fahrt kann man die Wandfluh-Erfolgsgeschichte in China nachvollziehen. Und ahnen, warum die Frutiger Firma in diesem monströsen Markt expandieren will. Ein paar Strassenkreuzungen weiter passiert man das feuer-rote Swiss Center Shanghai. In diesem Start-up-Bürohaus für Schweizer Firmen, die China erobern wollen, haben die Frutiger 2005 mit drei Angestellten begonnen. Nachdem der Patron und SVP-Nationalrat Hansruedi Wandfluh 1998 auf der Jahresausstellung von Chinas Power Transmission Control erkannt hatte, dass die riesigen Energie- und Automobilfirmen im Reich der Mitte an seinen Hightech-ventilen und Elektroniksystemen in grosser Zahl interessiert sein könnten. Erst wickelte Wandfluh den Verkauf über chinesische Vertriebspersonen ab. Eine davon war der Shanghaier Ingenieur, Designer und Verkäufer Steve Deng, den Wandfluh bald anstellte. Unter Deng als Direktor eröffneten die Frutiger dann am heutigen Ort in Songjiang einen eigenen Firmensitz. Ein Ventil als Bestseller In der kleinen Montagehalle mit Verkaufsabteilung führt Steve Deng elf Angestellte. Weil die Geschäfte gut laufen, platzt die Filiale aus allen Nähten. Der Umzug in den Neubau, wo vorerst zwanzig Angestellte arbeiten sollen, wird die Enge beheben. Deng ergreift aus einer Kiste, die per Schiffscontainer aus Frutigen eingetroffen ist, ein gewichtiges Argument für Wandfluhs Erfolg in China: Es ist ein mehrere Kilo schweres Ventil. Es sei so stabil gebaut, erklärt er, dass es bei heiklen Öl- und Gasbohrungen explosionssicher bleibe. Die chinesische Ölindustrie habe mittlerweile begriffen, dass es sich lohnt, in Qualität und Sicherheit made in Switzerland etwas zu investieren. 5000 Stück dieses Hightechventils, von denen eines rund 600 Franken kostet, hat Wandfluh allein 2011 in China verkauft. Der jährliche Umsatz der Dependance in Shanghai stieg seit dem Markteintritt 2005 von einer halben bis 2011 auf sechs Millionen Franken. Ein solcher Erfolg stellt sich in China nicht einfach von selber ein. Manch eine Firma scheitert. Wandfluh setzt auf Produkte in einer Hightechnische, in der die chinesischen Produzenten noch nicht konkurrenzfähig sind. Und die Frutiger Firma wird belohnt für ihre Pionier- und Aufbauarbeit seit 2005. Die eigentliche Lebensversicherung der Frutiger im harten chinesischen Konkurrenzkampf aber heisst Steve Deng. Er kann Wachstum und Nachfrage auf dem dynamischen China-Markt einschätzen. Und sein Know-how der lokalen Gepflogenheiten garantiert Wandfluh nun, dass die Firma in den komplizierten Verhandlungen mit den lokalen Behörden Fallstricke umgeht und zu einem guten Standort kommt. Nicht jeder werde in China einfach willkommen geheissen, weiss Deng und erzählt, wie minutiös die lokalen Behörden den Businessplan und die Bankgarantien für den Neubau prüften, in den Wandfluh mehrere Millionen Franken investiert. Keine Auslagerung von Jobs Muss man in Frutigen nun fürchten, dass die Firma Wandfluh Arbeitsplätze in ihren Neubau im Billiglohnland China auslagert und seine Ventile am Stadtrand von Shanghai produziert? Patron Hansruedi Wandfluh verneint: Man werde in Shanghai bloss einfache Standardware produzieren, wie sie jeder Hydraulikhersteller anbiete. Da deren Fabrikation kostenintensiv sei, bleibe der Preis der Wandfluh-Produkte nur konkurrenzfähig, wenn man sie in China kombiniere mit importierten Hightechkernstücken. Letztere aber würden weiterhin ausschliesslich in Frutigen hergestellt, nur hier gebe es das dafür nötige Know-how. «Wir lagern nicht aus», sagt Wandfluh, «sondern sichern mit unseren Verkäufen in China die Zukunft in Frutigen.» Traut der Unternehmer dem bisherigen Aufwärtstrend seines Shanghai-Ablegers und dem bisweilen überhitzten, risikoreichen Markt in China weiterhin? «Das Risiko, in China nicht dabei zu sein, ist grösser, als jenes, dabei zu sein», zitiert Wandfluh ein beliebtes Mantra des China-Business. Stefan von BergenJürg Steiner>

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