Warum muss Frau Müller weg?

Unterseen

Das Stedtlitheater Unterseen wagt sich an eines der bekanntesten Theaterstücke der Gegenwart. Mit Erfolg?

Die Schüler sind keine Engel: Beatrice Augsburger als Lehrerin Frau Müller hält die Beweise in der Hand. Die besorgten Eltern (v.l.): Arnold Abegglen, Barbara Wyss, Ariadna Gerber, Stefan Gysin und Daniela Fuchs.

Die Schüler sind keine Engel: Beatrice Augsburger als Lehrerin Frau Müller hält die Beweise in der Hand. Die besorgten Eltern (v.l.): Arnold Abegglen, Barbara Wyss, Ariadna Gerber, Stefan Gysin und Daniela Fuchs.

(Bild: Peter Wenger)

«Das Schauspiel ‹Frau Müller muss weg› von Lutz Hübner kann sehr unterschiedlich in Szene gesetzt werden. Als Komödie wie ein Mundartschwank, als Verfilmung mit Anke Engelke, wo die Fetzen fliegen, oder als zeitnahes kritisches Abbild einer Gesellschaft voller Leistungsdruck, der vor keiner Schule haltmacht», sagt Beatrice Augsburger vom Stedtlitheater, verantwortlich für die klare, klassische Inszenierung.

Frau Müller ist eine engagierte Lehrerin mit einer vierzigjährigen Erfahrung. Mit viel Herzenswärme unterrichtet sie die Klasse 6b. An einem Elternabend wird sie völlig überraschend von fünf Elternvertretern aufgefordert, die Klasse abzugeben. «Unsern Kindern wird die Zukunft versaut, wenn sie den Sprung ans Gymnasium nicht schaffen», bringt es Wolf Heizer, einer der Väter, auf den Punkt: «Die Lehrerin muss weg, bevor es zu spät ist.»

Kampf um jede Note

Die Diskussionen über pädagogische Konzepte, Richtlinien, Leistungsauftrag laufen schnell aus dem Ruder. Zu unterschiedlich sind die Ansprüche der Eltern, zu weit weg ist ihre Vorstellung von den Leistungen ihrer Sprösslinge. Und es tut weh, von der Lehrerin zu vernehmen, dass die liebe Laura die Schule schwänzt und Unterschriften fälscht, Lukas den autistisch veranlagten Fritz zusammenstaucht und Jeanine …?

Die anfängliche Einigkeit der Eltern verliert sich in Gehässigkeit, Kampf um jeden Preis, um jede gute Note. Die Luft für die Lehrerin, die ihre Schüler liebhat, der ein guter Kontakt zu ihnen wichtiger ist als zu den Eltern, wird dünn.

Verschworenes Team

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Beatrice Augsburger und ihr Stedtlitheater zeitgenössischen Themen stellen. Das erfolgreiche Schauspiel von Lutz Hübner wird auf eindrückliche, ungekünstelte Art auf die Bühne gebracht. Dabei braucht das engagierte, verschworene Team den Vergleich mit bekannten Bühnen und grossen Inszenierungen nicht zu scheuen, welche mit grosser Unterstützung hinter den Kulissen rechnen können.

Im Stadtkeller muss jedes Mitglied mitanpacken, sei es bei der Gestaltung des Bühnenbilds, an der Abendkasse oder als Gastgeber nach der Aufführung. Doch das Risiko und der Aufwand haben sich einmal mehr gelohnt. Der Stadtkeller war an der Premiere am Samstag bis auf den letzten Platz besetzt, die Zuschauer begeistert.

Das Stedtlitheater spielt im Stadtkeller Unterseen: Dienstag, Freitag, Samstag, Mittwoch, 15., Freitag, 17., und Samstag, 18. Mai, jeweils um 20.15 Uhr. Dernière: Sonntag 19. Mai, 17 Uhr.

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