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Was bleibt, ist ein Lebkuchen mit Hund

Von Wehmut geprägt und trotzdem voller Humor, nahmen die Albliger Abschied von ihrer Gemeinde.

Traktanden gab es keine mehr für die allerletzte Gemeindeversammlung in Albligen. Trotzdem war der Bärensaal bis auf den letzten Platz besetzt. Das Feuer prasselte munter im Ofen, der Samichlaus war leicht verfrüht schon vorbeigekommen und hatte Mandarinen und Nüsse gebracht. Die Albliger und Albligerinnen sind gekommen, um von ihrer Gemeinde Abschied zu nehmen. Dazu fand sich eine stattliche Reihe geladener Gäste ein, die in irgendeiner Funktion etwas mit Albligen zu tun hatten. Stolz prangte das Wappen der kleinen Gemeinde, ein roter Hund, hinter der Bühne. Zum letzten Mal: Ab dem 1.Januar gehört Albligen zur Gemeinde Schwarzenburg. Mit der Fusionendet die Geschichte des Dorfes, das erstmals im Jahr 1148 urkundlich erwähnt ist. Seither waren die Weiler Harris, Wallismatt und Änetmoos sowie das Dorf Albligen stets zwischen den Mächten Bern und Freiburg eingeklemmt. Mal herrschten die einen, mal die anderen. Im Zug der Reformation bekannte sich Albligen zur protestantischen Religion: Seit 1538 ist die Kirchgemeinde selbstständig. Der Sage nach gab ein Hirtenjunge den Ausschlag, weil die religiöse Abstimmung genau unentschieden endete. Erst als man den Jungen von der Weide geholt hatte, klärte sich die Situation. Seither behauptet sich das Berner Dorf im freiburgischen, katholischen Umland. Aus dieser exponierten Lage, eingequetscht zwischen Politik, Religionen und den Naturgewalten, ist ein zähes Volk entstanden. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass der Abschied von der Gemeinde durchaus humorvoll über die Bühne ging. Die Musik spielte einen Freiburger Marsch, die Raiffeisenbank Überstorf spendierte eine Sitzbank – um ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinweg zu setzen. Der seltsamen Situation, auf einen Schlag die gesamte Behörde verabschieden zu müssen, zeigte sich Gemeindepräsident Bruno Mäder durchaus gewachsen. Allerdings bereiteten die Küsschen Probleme: Da mit Marianne Gasser nur eine einzige Frau im Gemeinderat sitzt, kam sie gar häufig zum Hand- beziehungsweise Wangenkuss. Als sie zum dritten Mal hätte Mäder küssen müssen, streikten gleich beide. Die langjährige Putzfrau des Gemeindehauses musste dann herhalten, um den letzten Präsidenten von Albligen zu verabschieden. Immerhin ist es ein Mäder: Das Dorfburgergeschlecht hatte letztmals 1832 das Gemeindepräsidium inne. «Die Mäder-Ehre wäre also vor der Fusion auch noch gerettet worden», sagte Bruno Mäder. Die Fusion mit Wahlern ist problemlos über die Bühne gegangen: Das sagte auch der Wahlerner Vizepräsident Martin Haller, der ebenfalls den Weg in den Bärensaal gefunden hatte. Der Kanton habe die gute Zusammenarbeit sehr gelobt. Andernorts war der Widerstand grösser, zum Beispiel bei der Fusion Lyss-Busswil. In Busswil fand ebenfalls die letzte Versammlung statt (siehe Text unten). Dabei war es lange gar nicht klar gewesen, wohin es die Albliger verschlagen würde. Sie hatten sowohl mit Wahlern wie auch mit dem freiburgischen Überstorf Verhandlungen aufgenommen. In einer denkwürdigen ausserordentlichen Gemeindeversammlung im September 2008 entschied sich das Volk, wie seinerzeit im Religionskonflikt, für Bern. In der Kirche Albligen stimmten 101 Personen für Wahlern, 94 für Überstorf. «Man wird uns in späteren Zeiten nicht glauben, dass ein Auto voll Leute den Entscheid gefällt haben», sagte Bruno Mäder im Rückblick. Nun wird also das Wappen mit dem roten Albliger Hund eingerollt und die Burg der neuen Gemeinde Schwarzenburg gehisst. Damit die Erinnerung an Albligen nicht gar so schnell verblasst, erhielten die Anwesenden einen Wappenlebkuchen als Andenken auf den Heimweg. Damit sie sich auch in 34 Tagen, wenn die Gemeinde nach 862 Jahren Geschichte ist, darauf besinnen können.Anna Tschannen>

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