Was in den Falten steckt

Unterseen

Ein Thema, 10 Kunstschaffende und 73 überaus vielfältige Werke: Das ist die Ausstellung «Falten» der Bildenden Kunstschaffenden Berner Oberland.

«Das Rätsel der Dreifaltigkeit» von Gisèle Gilgien ist zu sehen in der Dachstockgalerie Kunstsammlung Unterseen.

«Das Rätsel der Dreifaltigkeit» von Gisèle Gilgien ist zu sehen in der Dachstockgalerie Kunstsammlung Unterseen.

(Bild: Sibylle Hunziker)

«In den Falten erst sitzt das Eigentliche», zitierte Regierungsrat Christoph Ammann an der Vernissage der Ausstellung «Falten/falten» Walter Benjamin. Der Philosoph beschreibt in der Passage, was geschieht, wenn man den «Fächer der Erinnerung» aufklappt und von der Fülle der Bilder, Sinneseindrücke und Empfindungen eines noch so winzigen Augenblicks überwältigt wird.

«Ein solches Eintauchen in Emotionen und Lebenserfahrungen ermöglichen uns auch die Künstlerinnen und Künstler», sagte der Volkswirtschaftsdirektor, der sich für einmal aufs Gebiet der Kultur vorgewagt hatte. Und er ermunterte das Publikum, sich auf die vielfältigen Zugänge zu Emotionen einzulassen.

«Im Verein der bkbeo gibt es immer wieder Diskussionen, ob wir unsere Jahresausstellungen unter ein Thema stellen wollen oder nicht», sagt der Thuner Maler Stefan Werthmüller. Die Ausstellung in der Dachstockgalerie im Unterseener Stadthaus wirkt jedenfalls nicht so, als hätten sich die Künstlerinnen und Künstler wegen des gemeinsamen Themas Zwang angetan. Die Blumen auf Werthmüllers Arnikawiese haben sich gut entfaltet, und auch Do Paladini ist sichtlich in ihrem Element, wenn sie die Wellen des vielfach gebrochenen Lichts als geheimnisvollen Schleier über ihre Porträtfotografien wehen lässt.

Das Leben der Falten

Leicht wie feine Seidenstoffe wirken auch Martin Bills Skulpturen – dabei sind sie aus Hartholz. Etwas stärker abstrahiert Zakir Makhdoomi, der in seinen Marmorskulpturen den Schwung und die harmonische Bewegung frei fallender Falten aufnimmt.

Franziska Rohrer hat in ihren Collagen ältere Arbeiten weiterverwendet und verweist damit auch auf das Altern und Reifen, das ebenso zum Thema Falten gehört wie der gefällige Faltenwurf eines dekorativen Gewands.

Fast meditativ vertieft sich An-drea Sohm-Jenni in ihren grossformatigen «Falten»-Bildern mit Wiederholungen und feinen Variationen in das Thema, während Karin Jaun den Betrachter mit Illusionsmalerei foppt und ihre «Modelle» aus gefaltetem Papier ein fideles Eigenleben führen lässt.

Spielerisch nähern sich Gisèle Gilgien und Priscilla Bucher dem Thema «Falten» aus unterschiedlichen Richtungen – Gilgien etwa mit dem Triptychon von Mönch, Teufelsbrücke und Jungfrau, das auch aufgeklappt sein Rätsel nicht preisgibt, Bucher mit Acrylbildern und Fotos von innigen Umarmungen und verschränkten Händen.

Falten in allen Dingen

«Zeitfalten» nennt Thea Herzig ihre fotorealistisch anmutenden Pastellbilder von überlebensgrossen Törtchen mit Waldbeeren und Eiskaffee mit Granatapfel; ob sie bei den Betrachtern Erinnerungen an unbeschwerte Sommerabende wachriefen oder schlicht das Wasser im Mund zusammenlaufen liessen, wurde an der Vernissage nicht vertieft geprüft. Leicht zu erkennen war hingegen, dass sich Kinder und Erwachsene von den Melodien aus aller Welt mitreissen liessen, die Walter Blatti den Falten seines Akkordeons entlockte.

«Falten/falten» (ART 19 der bkbeo) in der Dachstockgalerie Kunstsammlung Unterseen ist bis zum 19. Mai jeweils Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Berner Oberländer

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