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Wasser-Bomben auf Reaktor-Ruinen

JapanHoffnungsschimmer, doch die Zeit rast davon: Mit allen Mitteln kämpfen Techniker und Soldaten gegen Kernschmelzen im japanischen Katastrophen-AKW Fukushima. Wenn die Kühlversuche an Block 4 scheitern, kommt es zu einer grossen Katastrophe.

Mit Wasser-Abwürfen aus der Luft und Spritzkanonen am Boden versuchten japanische Soldaten gestern, den havarierten Reaktor 3 zu kühlen. Der AKW-Betreiber Tepco wertete den Einsatz als Erfolg, weil Wasserdampf aus dem überhitzten Meiler aufstieg. Die Behörden geben dennoch keine Entwarnung. Der Kühl-Einsatz wurde mit Helikoptern aus der Luft und mit Wasserwerfern vom Boden aus geführt. Doch zielgenaues Treffen war schwierig. «Am wichtigsten ist jetzt, grosse Wassermengen auf die Reaktorblöcke 3 und 4 zu schütten, vor allem um die Kühlbecken zu füllen», sagte ein Sprecher der Atombehörde. Entscheidende Tage Ob ein Super-GAU verhindert werden kann, entscheidet sich nach Einschätzung der deutschen Strahlenschutz-Gesellschaft vermutlich bis Samstag: Wenn die Kühlversuche an Block 4 scheiterten, komme es zur Katastrophe. Hier liegen die Kernbrennstäbe ausserhalb der stählernen Schutzhülle offen in einem Abklingbecken. Axpo-Chef Manfred Thumann bezeichnete die Lage als «extrem dramatisch». Was momentan in Fukushima gemacht werde, seien «Massnahmen letzter Art», sagte er in Bern. Auch Horst-Michael Prasser, Professor für Atomenergiesysteme an der ETH Zürich, bezeichnete die Situation als ernst. Wie sich die Situation entwickeln werde, wollten weder er noch Thumann beurteilen. Prasser bezeichnete es aber als gutes Zeichen, dass nun mehr Hilfsressourcen zur Verfügung stünden. So flog die französische Regierung fast 100 Tonnen Bor nach Japan. Die Chemikalie verlangsamt die Reaktion an den Brennstäben. Prasser wies aber auch auf die Gefahr weiterer Schäden durch Nachbeben hin. Andere Fachleute betonten, dass jeder Tag ohne volle Kernschmelze ein gewonnener sei. Nach Angaben des Direktors des Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorats (ENSI), Hans Wanner, reichen die Schätzungen, wann die Becken leer sind und hohe Mengen Radioaktivität austreten könnte, von 24 Stunden bis 5 Tagen. Der Chef der internationalen Atombehörde IAEA, Yukiya Amano, reiste inzwischen zusammen mit Experten in seine japanische Heimat. Gemäss der IAEA hat sich die Lage nicht weiter zugespitzt; sie bleibe aber «sehr ernst». Allerdings berichtete die IAEA von einem starken Anstieg der Strahlung rund um das AKW. In Tokio sei der Wert aber nicht gesundheitsgefährdend. Warten auf Hilfe Die Sorge vor einer Atomkatastrophe droht das Los Hunderttausender Opfer des Bebens und des Tsunamis vom vergangenen Freitag zu überdecken. Den Überlebenden setzte nun noch ein Wintereinbruch mit Schneefall zu. In den Notunterkünften kam nur wenig Trinkwasser und Heizöl an. 850000 Haushalte sind noch immer ohne Strom, 1,5 Millionen Haushalte haben kein fliessendes Wasser. Die Behörden gingen inzwischen von bis zu 15000 Toten aus. Sie riefen in Tokio zum radikalen Stromsparen auf. Dort blieb der befürchtete Blackout nach Einbruch der Dunkelheit aus, weil Millionen Menschen und Unternehmen sich einschränkten. Daher kam es nur zu vorübergehenden Stromabschaltungen. sda;Newsticker, Bilder und Hintergründe japan.bernerzeitung.ch>

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