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Wawrinka hat ein Problem mit Federer

TennisIm zehnten Duell verliert Stanislas Wawrinka zum neunten Mal gegen seinen Landsmann und Freund Roger Federer. 6:3, 6:2, 7:5 lautete das Resultat zugunsten Federers im Achtelfinal von Paris.

Für Stanislas Wawrinka zählt es zu den schönsten Momenten seines Berufes, wenn er auf dem Centre-Court spielen darf. In einem vollen Stadion «mit begeisterten Zuschauern, die sich über schönes Tennis freuen». An diesem Nachmittag ist der nach Philippe Chatrier benannte Hauptplatz am French Open tatsächlich voll, aber richtig begeistert ist das Publikum nicht – und auch Wawrinka hat schon schönere Momente erlebt als diesen. Schon nach kurzer Spielzeit ist nämlich klar, wie der Achtelfinal zwischen Roger Federer und Stanislas Wawrinka enden wird: So wie fast immer, wenn die beiden aufeinandertreffen. Acht von neun Partien hat der beste Schweizer Tennisspieler gegen den zweitbesten vor dem neuerlichen Aufeinandertreffen gewonnen. Die einzige Niederlage kassierte Federer 2009, zwei Tage nach seiner Vermählung und einer Hochzeitsnacht dazwischen. Viel Selbstvertrauen konnte der Romand aus diesem Überraschungscoup für die weiteren Begegnungen mit Federer nicht tanken. Wawrinka sucht die Lösung Im Gegenteil: Mittlerweile spricht Wawrinka offen davon, dass er gegen die langjährige Nummer 1 im Welttennis jedes Mal gehemmt sei. Im «Matin Dimanche» erklärte er vor ein paar Wochen in bemerkenswert offenherziger Manier: «Ich habe ein Problem mit Federer. Wir haben eine sehr starke Beziehung zueinander.» Als Wawrinka, der heute 26-Jährige, im Profizirkus einstieg, gab ihm der vier Jahre ältere Federer jede Menge Tipps. Das und auch den gemeinsamen Erfolg an den Olympischen Spielen in Peking im Doppel kann Wawrinka nicht vergessen, wenn er gegen Federer spielt. «Ich weiss nicht, ob man gleich von einer Blockade sprechen muss, aber auf dem Feld kann ich das nicht einfach zur Seite schieben.» Wawrinka kündigte damals an, er müsse eine Lösung für dieses Problem, wie er es nennt, suchen. Gefunden hat er sie ganz offensichtlich nicht; auch sein Coach Peter Lundgren, der Federer von 2000 bis 2003 betreut hatte und unter dem Wawrinka zuletzt einen Schritt nach vorne tat, kann ihm an diesem Nachmittag nicht helfen. Mühelos gewinnt der Baselbieter in nicht mal einer Stunde die ersten zwei Sätze mit 6:3 und 6:2, ohne dass er seinem Widersacher auch nur eine Breakchance zugestehen muss. Zu einer solchen kommt Wawrinka zu Beginn des dritten Durchgangs. Tatsächlich gelingt es ihm, sie zu nutzen. Ein paar Minuten darf er hoffen, dass ihm wie schon gegen Jo-Wilfried Tsonga in der vorherigen Runde nach zwei verlorenen Sätzen die Wende gelingt. Vergeblich. Federer gewinnt die wichtigsten Punkte und schafft seinerseits gleich zweimal den Servicedurchbruch. Wenig später ist die einseitige Partie nach 1 Stunde und 46 Minuten schon vorbei. Roger Federer ist nachher «ein bisschen traurig für Stan», zugleich aber auch froh, dass es so schnell ging. Er hat von Wawrinkas speziellem Problem gehört, gegen ihn zu spielen. Anders als zu Beginn auf der Tennistour kann er ihm dazu keine grossen Tipps geben. Positiv ist für Wawrinka, dass er zum dritten Mal hintereinander an einem Grand-Slam-Turnier mindestens den Achtelfinal erreichte. Er selbst will Kraft aus dem Sieg gegen Tsonga schöpfen, «einem meiner schönen Erfolge überhaupt». Federer: Ferrer oder Monfils? Federer hingegen nimmt sich viel Zeit. Zu Wawrinka sagt er noch, dass sein variables Spiel dem Romand ganz offensichtlich nicht liege. Tatsächlich schafft er es immer wieder, Schnitt, Länge und Geschwindigkeit der Bälle nach Belieben zu variieren. «Das ist er sich von den anderen weniger gewohnt.» Danach blickt Federer auch kurz auf den Viertelfinal, in dem er entweder auf den Spanier David Ferrer, die Nummer 7 im Weltranking, oder auf den Einheimischen Gaël Monfils ( ATP 9) trifft, deren Spiel gestern beim Stand von 6:4, 2:6, 7:5, 0:2 wegen Dunkelheit abgebrochen wurde. «Es wartet ein grosser Gegner auf mich», findet Federer. Noch grösser dürfte dieser allerdings im Halbfinal sein. Novak Djokovic jedenfalls setzt sich zwei Stunden nach dem Schweizer in mindestens so überzeugender Manier gegen Richard Gasquet durch. Der Baselbieter will nicht gross über dieses mögliche Duell sprechen und darüber, dass er dieses Mal bloss als Aussenseiter gehandelt wird. «Am Ende entscheidet sich eine Partie auf dem Platz, nicht auf einer Pressekonferenz oder sonst wo.» Es klingt wie ein Ratschlag für Wawrinka im Hinblick auf das nächste Duell. Andreas W.Schmid, Paris>

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