Zum Hauptinhalt springen

Wein und Wut an der letzten Gemeindeversammlung

busswilZum letzten Mal vor der Fusion mit Lyss traf sich die Gemeinde Busswil gestern zur Versammlung. In der voll besetzten Turnhalle gabs Ansprachen, Abschiede, Alkohol – und nur wenig Emotionen.

Das Licht in der Turnhalle ist so grell, dass es den Kerzenschein verschluckt. Jeder Stuhl ist besetzt; über hundert Menschen sitzen an diesem ersten richtigen Winterabend in der Mehrzweckhalle Busswil. Während es draussen in dicken Flocken schneit, soll drinnen die Stimmung etwas wärmer werden. Denn die letzte Gemeindeversammlung in Busswil ist auch die erste offizielle Begegnung der Gemeinden, seit die Fusion mit Lyss beschlossene Sache ist. Applaus für Baumgartner Eigentlich ist es gar keine richtige Gemeindeversammlung mehr: Busswil hat kein Budget zu genehmigen, kein Reglement zu ändern. Ab Januar gehören die 2000 Einwohner zu Lyss. Mangels Traktanden wird die Versammlung deshalb zum Informationsabend, und Lyss erhält eine Plattform, sich zu präsentieren. Dafür gibt sich die Delegation um den Lysser Gemeindepräsidenten Andreas Hegg (FDP) alle Mühe. Doch mit ihrer Vorfreude auf die gemeinsame Zukunft vermögen sie ihre Noch-Nachbarn aus Busswil nicht so richtig anzustecken. Diese sparen sich den Applaus für die eigenen Reihen. Für Gemeinderat Max Baumgartner zum Beispiel, der mit viel Witz den Abschluss des komplizierten Kanalbaus präsentiert. Oder für Gemeindepräsident Rolf Christen (BDP), der für Lyss «Entwicklungshilfe» leisten will, indem er einige Frauen aus der Busswiler Verwaltung ins männerdominierte Lyss zügelt. Mit der Umsetzung der Fusion schreite man gut voran, ist von den Präsidenten zu vernehmen, 65 Prozent der Arbeiten seien erledigt. «Doch wird sicher nicht ab Januar alles reibungslos laufen», mahnt Rolf Christen. Dazu bleiben Details zu regeln: dass in Busswil beispielsweise weiterhin um 18 Uhr die Glocken läuten, wenn jemand gestorben ist. Enttäuschung für Eggli Apropos Glocken. Für Paul Eggli ist dieser Abend wie eine «Beerdigung». Nach wie vor ist der Busswiler Alt-Gemeinderat bitter enttäuscht und wütend über die Fusion. Bis vor Bundesgericht hatte er gekämpft – letzte Woche lehnte auch dieses Egglis Beschwerde ab. «Mit der Fusion werden 2000 Bürger mundtot gemacht», sagt der 78-Jährige. Am «Leichenschmaus» nimmt Eggli nicht teil. Er verlässt die Halle, ohne mit den anderen am traditionellen Weihnachtsapéro auf die Zukunft anzustossen. Simone Lippuner >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch