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Wenn Kultur mehr Lebenswert vermittelt

Im Interlakner Kunsthaus zeigen behinderte und nicht behinderte Künstler neue, gemeinsam geschaffene Werke. Mit dem integrativen Kulturprojekt «mehrlebenswert» feiert die Pro Infirmis Kanton Bern ihren 75.Geburtstag.

«Die Stichworte dieses Abends und der Kunstausstellung sind Integration und Kultur. Es geht dabei um die Förderung der Ressourcen behinderter Menschen», erklärte Urs Geissmann, Präsident der Pro Infirmis Kanton Bern, die mit diesem Anlass ihren 75.Geburtstag feierte. Über hundert Personen waren am Sonntag zur Vernissage im Kunsthaus Interlaken erschienen und mussten zum Teil mit Stehplätzen vorliebnehmen. Einzigartiges Projekt Christiane Staudenmann, Projektbeauftragte der Pro Infirmis Kanton Bern, war die Organisatorin des einzigartiges Kunstprojekts mit dem Titel «mehrlebenswert» oder «c’estbonlavie». 42 Künstler hatten ab letztem Sommer in zwanzig Ateliers im Kanton Bern gemeinsam Kunstwerke geschaffen. «Diese Art von Zusammenarbeit zwischen Behinderten und Kunstschaffenden ist gänzlich neu. Die Künstler wurden dadurch sehr inspiriert, hatten spontane, originelle Einfälle und schufen sehr spezielle Kombinationen», sagte Staudenmann. So entstanden 75 Objekte: Bilder, Skulpturen, Keramiken, Cartoons, Scherenschnitte und Fotografien – kreative, eigenwillige und farbenfrohe Kunstwerke, die zu sehen sich unbedingt lohnt. Mit Modern Jazz von Reto Suhner (Saxofon) und Lester Menezes (Klavier) wurde der Anlass umrahmt. Die beiden Musiker erhielten reichlich Applaus. Für die hörbehinderten Menschen übersetzte Barbara Matter die Ansprache und die Musik mit den Händen in die Gebärdensprache. «Kleiner Mensch im Alltag» Jakob Jenzer, Träger des Kunstpreises der Stadt Thun 2009, berichtete über die Entstehung des Acrylbilds «Kleiner Mensch im Alltag», das er gemeinsam mit seinem hörbehinderten Sohn Jonas geschaffen hatte. Vater und Sohn verständigen sich in Gebärdensprache und durch Lippenablesen. Über den Umgang mit dem Sohn und mit behinderten Menschen generell sagte Jakob Jenzer: «Bevor wir für einen behinderten Menschen etwas tun, sollten wir zuerst herausfinden, ob er das überhaupt wünscht.» Jonas Jenzer erzählte in Gebärdensprache, in Lautsprache übersetzt von Barbara Matter, wie er den Prozess des Malens erlebte. Die Welt der Behinderten Regierungsrat Philippe Perrenoud von der Gesundheits- und Fürsorgedirektion Kanton Bern lobte in seiner Ansprache die Arbeit der Pro Infirmis: «Die Pro Infirmis sensibilisiert die Öffentlichkeit für die Situation und die Lebensbedingungen behinderter Mitmenschen . Unsere Einfühlung in die Welt der Behinderung ist der erste Schritt zu deren Integration.» Monika HartigDie Ausstellung dauert bis am 28.Februar 2010. Führungen: 3.Februar um 17 Uhr für Lehrer, 7./14./21. und 28.Februar je 16 Uhr für alle, oder per Voranmeldung unter 031 3875550. >

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