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Wenn Taxifahrer die Briefe holen

Taxifahrer leeren in Thun seit Ende Juli Briefkästen. Sie tun dies als Teilzeit-

Der Anblick ist ziemlich gewöhnungsbedürftig: Nicht ein Auto der Post hält vor dem gelben Briefkasten in Thun, sondern ein Taxi der Firma Taxity GmbH. Nicht ein Pöstler steigt aus und nimmt die Briefe aus dem Kasten, sondern ein Taxifahrer. Lagert die Post nun auch in Thun einen Teilbereich an ein Taxi-Unternehmen aus, wie sie es bereits in Langenthal, Murten und Muntelier tut? Zwischen zwei Fahrten «Nein», sagt Post-Mediensprecher Mariano Masserini. Es sei vielmehr so, dass die Briefkastenleerung in Thun seit Ende Juli zum Teil von Angestellten der Presto Pressevertriebs AG ausgeführt werde. Diese ist eine Tochterfirma der Post und wird vor allem für die Frühzustellung von Tageszeitungen eingesetzt. «Einer der Presto-Angestellten ist Taxifahrer. Er und zwei seiner Angestellten leeren die Briefkästen, während sie mit dem Taxi unterwegs sind.» Dies passiere mit dem ausdrücklichen Wissen der Post. Genaue Überprüfung Dem gelben Riesen ist bewusst, dass es den Postkunden seltsam vorkommen kann, wenn für die Briefkastenleerung Leute beigezogen werden, die nicht auf den ersten Blick als Pöstler zu identifizieren sind. Deshalb müssen die Presto-Leute eine Post-Leuchtweste tragen und zudem eine Magnettafel mit der Aufschrift «Post» an ihrem Auto anbringen. Doch damit nicht genug: Wer bei der Presto AG arbeiten will, muss über ein einwandfreies Leumundszeugnis verfügen. «Wir verlangen einen Auszug aus dem Strafregister und klären zudem ab, ob gegen die betreffende Person ein Betreibungsverfahren läuft», sagt Masserini. «Die Angestellten der Presto AG haben dieselben Vorgaben wie unsere regulären Angestellten und werden von uns auch eingearbeitet. Die Wahrung des Postgeheimnisses hat oberste Priorität.» «Wirtschaftlich sinnvoll» Weshalb überträgt die Post eine Aufgabe an eine Tochterfirma, statt sie einfach selber auszuführen? «Für uns ist diese Lösung aus organisatorischen Gründen einfacher», sagt Pressesprecher Mariano Masserini. «Wir können unsere Leute besser einsetzen, wenn sie keine solchen temporär begrenzten Arbeiten ausführen müssen.» Da die Marktöffnung auch auf dem Postsektor voranschreite, sei der Einsatz der Presto AG zudem auch wirtschaftlich sinnvoll. Keine Dumpinglöhne Wer nun allerdings glaubt, der Ausweg über die Presto AG sei ein Trick der Post, um den Gesamtarbeitsvertrag zu umgehen und mit Dumpinglöhnen Geld zu sparen, liegt falsch. «Die Angestellten der Presto AG sind wie die regulären Angestellten der Post dem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt», sagt Heinz Suter, Zentralsekretär Post/Logistik bei der Gewerkschaft Kommunikation. Falsch sei auch der Verdacht, die Post kompensiere auf diese Weise gestrichene Arbeitsplätze, sagt Post-Sprecher Masserini: «In den vergangenen zwölf Monaten sind in Thun keine Stellen abgebaut worden. Wir beschäftigen in dieser Region zurzeit 230 Mitarbeiter, aufgeteilt auf 175 Vollzeitstellen.»Marc Imboden>

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