Widerstand gegen Verlegungspläne

Wilderswil

Die Wilderswiler Verwaltung soll ebenfalls im neuen Betriebsgebäude Platz finden. Das Stimmvolk muss nun über einen weiteren Kredit entschieden. Das sorgt für Unmut.

Auf dieser Parzelle beim Dorfeingang in Wilderswil, gegenüber der Mercedes-Benz-Garage, soll das Betriebsgebäude entstehen.

Auf dieser Parzelle beim Dorfeingang in Wilderswil, gegenüber der Mercedes-Benz-Garage, soll das Betriebsgebäude entstehen.

(Bild: Fritz Lehmann)

«Stopp diesen Unsinn» hiess es auf einem Flugblatt, das Ende Mai im Amtsanzeiger beigelegt war und in der Gemeinde zirkulierte. Darin werden die Stimmbürger aufgefordert, ein Geschäft abzulehnen, das am Sonntag, 10. Juni, an der Urne zur Abstimmung gelangt: «Genehmigung der Zweckänderung für die Drittnutzungsfläche im Betriebsgebäude im Betrag von 1,628 Millionen Franken und die Genehmigung eines Investitionskredites von 800'000 Franken für die Nutzung des Dachgeschosses im Betriebsgebäude als Gemeindeverwaltung.» Kurz: Die Gemeinde möchte die Verwaltung in das neue Gebäude von Feuerwehr und Gemeindebetrieben integrieren.

Gemeinde kontert

Im besagten Flugblatt wurden laut Gemeinde Unwahrheiten verbreitet, sodass sich die Behörden gezwungen sahen, jüngst ebenfalls mit einem beigelegten Flugblatt im Amtsanzeiger einiges richtigzustellen. So behaupteten die Gegner der Verwaltungsverlegung: «Steuern müssen längerfristig erhöht werden.»

Die Gemeinde hält dazu fest, das sei nicht korrekt. Wie in der Botschaft zur Urnenabstimmung erwähnt werde, seien die Folgekosten gemäss Finanzplanung der Gemeinde ohne Steuererhöhung tragbar. Die Gegner fürchteten sich auch vor zu hohen Investitionen in der Gemeinde (Schulhauserweiterung 2 Millionen, Sanierung Turnhalle 1,5 Millionen). Laut Gemeinde werde dadurch der Eindruck erweckt, dass beide Investitionen «in nächster Zeit» ausgeführt würden.

Doch das sei nicht korrekt. Weder für die Schulhauserweiterung noch für die Turnhallensanierung gebe es konkrete Projekte oder Ausführungstermine, schreibt die Gemeinde. Gemeindepräsidentin Marianna Lehmann. «Bei der Urnenabstimmung geht es um einen Investitionskredit von 800'000 Franken für die Nutzung des Dachgeschosses.» Die bisherigen Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung schlugen je nach Winter mit bis zu 65'000 Franken Mietkosten zu Buche, so viel Geld sei zur Verzinsung des Investitionskredites nicht nötig. Zudem, gibt sie zu bedenken, sei die Verlegung der Verwaltung schon an der ersten Infoveranstaltung zur Urnenabstimmung Betriebsgebäude (Feuerwehr/Gemeindebetriebe/Gemeindewerkhof/Mantelnutzung) ein Thema gewesen. der Rat solle einen Umzug in das neue Gebäude prüfen, fordert ein Stimmbürger. Kritikern, die sich jetzt in Leserbriefen zu Wort meldeten, missfiel, dass die Verwaltung an die Gsteigstrasse «ausserhalb des Dorfes» verlegt werden soll. Besagte Strasse führt von Matten nach Wilderswil, die Parzelle für das Betriebsgebäude liegt neben dem BOB-Trassee und der Mercedes-Benz-Garage gleich eingangs Dorf, «von ausserhalb kann keine Rede sein», sagt Lehmann.

Schon im November 2014 wurde das Betriebsgebäude bewilligt, ein redimensioniertes Projekt für 7,75 Millionen Franken bejahten die Stimmbürger im Februar 2017. Die ursprüngliche Fläche für Drittnutzung hatte sich von 1000 auf 400 Quadratmeter verkleinert. An der Dezembergemeindeversammlung orientierte der Gemeinderat, dass er einen Projektierungskredit für die Planung zur Integrierung der Verwaltung im Betriebsgebäude gesprochen hatte, diesen Februar wurden die Planungsarbeiten vergeben. Marianna Lehmann zum Wunsch von Leserbriefschreibern, die nun verlangten, den Rohaufbau zu stoppen: «Das Betriebsgebäude ist so bewilligt worden, trotz intensiver Suche wurden keine Drittnutzer gefunden.» Zudem wäre es doch sinnvoll, sämtliche Gemeindedienstleistungen an einem Ort zu bündeln.

«Die Verwaltung wäre endlich rollstuhlgängig und bequem mit Lift zu erreichen.» Natürlich werde eine Bushaltestelle ebenfalls an diesem Ort zum Thema, «aber das können wir erst nach der Urnenabstimmung in Angriff nehmen».

Berner Oberländer

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