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Wie einst neben Stephan Derrick

Im «Tirol Berg» gibt es alles umsonst. Das luxuriös ausgestattete VIP-Zelt steht im Zentrum des Ortsteils Garmisch, der Tourismusverband Tirol lässt sich den zweiwöchigen Auftritt rund eine Million Franken kosten. Oben am Tisch sitzt Lothar Matthäus mit seiner x-ten Frau. Der bulgarische Fussball-Nationaltrainer unterhält sich mit Dschungelcampbewohnerin Gitta Saxx; das Playmate des Jahrhunderts präsentiert sich in bayerischer Tracht. Die Aufmerksamkeit der Kameraleute und Klatschreporterinnen gilt indes Harry Klein alias Fritz Wepper, der jahrzehntelang im Schatten von Stephan Derrick alias Horst Tappert stand und dem Oberinspektor jeweils den Dienstwagen holen durfte. Als Erik Guay von Bodyguards umringt ins Zelt geführt wird, verändert sich die Szenerie. Der Moderator stürzt sich förmlich auf den Abfahrtsweltmeister, stellt ihn der geladenen Prominenz vor, betont dabei, Guay verwende österreichische Skier (Atomic), habe einen österreichischen Sponsor (Red Bull), sei während des Winters in Kirchberg bei Kitzbühel zu Hause und werde von einem Österreicher betreut (Alpinchef Patrick Riml). Die anwesenden Unternehmer spenden Beifall, der zum Österreicher geformte Kanadier scheint nicht so recht zu wissen, wie ihm geschieht. Er versteht kaum ein Wort, lächelt in die Kameras, schüttelt reichlich Hände und erzählt den Klatschreporterinnen von seiner zweijährigen Tochter, welche artig sei und ihn nachts meistens schlafen lasse. Fritz Wepper werden keine Fragen mehr gestellt. Er sitzt etwas abseits, nippelt an seinem Rotweinglas und blickt zum umringten Weltmeister hinüber. Unweigerlich entsteht der Eindruck, er sei nochmals in die Rolle des Harry Klein geschlüpft. Micha Jegge ist Sportredaktor micha.jegge@bernerzeitung.ch>

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