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Wie es zum Hotel-Sterben kam

Vor 100 Jahren gab es in Spiez über zwanzig Hotels, Pensionen und Kurbetriebe. Seither hat sich vieles geändert. Das neue Buch von Alfred Stettler zeichnet den Wandel des Kurorts zur heutigen «Schlafstadt» akribisch nach.

«Als Spiez noch ein Kurort war», heisst das soeben erschienene, reich bebilderte Werk des Spiezer Lokalhistorikers Alfred Stettler. «Die Schrift ist entstanden, weil ich die in Vergessenheit geratene Zeit des geruhsamen Kurens vor und nach dem Jahr 1900 wieder aufleben lassen wollte», sagt Alfred Stettler zu seinem Buch. Spiez hat noch den Schoneggpark, aber wer erinnert sich an das noble Schloss-Hotel Schonegg (1946 abgebrochen)? Ebenfalls nicht mehr bestehen Betriebe wie beispielsweise das wunderschön gelegene Grand Hotel Spiezerhof (heute Aqua-Welle), das Hotel Bahnhof Terminus (heute Migros) sowie die Hotel-Pensionen Schlössli und Lötschberg (heute Gemeindezentrum Lötschberg). Was noch übrig blieb Nur noch eine einsame Schwefelwasserquelle ist im Seeholzwald oberhalb von Faulensee vom einstmals glanzvollen Faulenseebad übrig geblieben, wo gekrönte Häupter abstiegen. Die Gebäude beherbergten später die kantonale Blindenanstalt und wurden 1962 von Luftschutztruppen dem Erdboden gleichgemacht. Zu Wohnungen umgebaut wurden das Park-Hotel Bubenberg und die Hotel-Pension Erica. Nicht wenig stolz war man in Spiez auf den Springbrunnen in der Bucht vor dem Spiezerhof. Er wurde 1902 in Betrieb genommen und ergoss sich rund 52 Meter in die Höhe, allerdings wegen der Wasserkosten nur während der Sommersaison. Wie kam es in Spiez zum Hotelsterben? Alfred Stettler: «Die touristische Herrlichkeit erlitt in Spiez nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein jähes Ende. Das war eine gewaltige Zäsur. Der Kurort erholte sich in den Zwanzigerjahren ein wenig, doch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bedeutete für weitere Betriebe das endgültige Aus. Dazu kam, dass Spiez beim Wandel des Fremdenverkehrs zum heutigen Erlebnistourismus nicht mithielt. Zudem gab es zu viele Bedli – jene ohne heisse Thermalquellen hatten keine Überlebenschancen und gingen mit der Zeit ein – man denke in diesem Zusammenhang an das Weissenburgbad.» Ättis aufrechter Gang Von einer wundersamen Heilung von chronischem Rheumatismus im Faulenseebad berichtete der örtliche Kurarzt: Der aus Bern stammende Dr. med. Georg Jonquiere gab in einem Bericht im Jahr 1879 an, von Einheimischen zur Wirkung der Schwefelwasserquelle Folgendes erfahren zu haben: «Mehrere hatten von irgendeinem Familienmitglied, einem Ätti oder Grossätti oder einem Bekannten zu erzählen, der dort von sehr schmerzhaften Leiden geheilt worden sei, der anfangs sogar habe ins Bad getragen werden müssen und nach vollendeter Kur aufrecht, ohne irgendwelche Hülfe, zu Fuss nach Hause gekommen sei.» Im ersten Kapitel mit der Überschrift «Spiez, ein Kurort» beschreibt Alfred Stettler die Entwicklung des einst verträumten, eher schlecht erreichbaren Ortes zum Bahnknotenpunkt und regionalen Zentrum. Die Anbindung an das Eisenbahnnetz leitete eine stürmische Entwicklung ein, die Tourismus und Gewerbe starken Auftrieb gab. Stolz auf Farbfotos Alfred Stettler (78) hat bereits eine ganze Reihe von historischen Schriften über die Geschichte von Spiez verfasst und sich einen Namen als Lokalhistoriker geschaffen. Sein neustes Werk ist auch wegen der vielen, teils farbigen Illustrationen wohl eines der attraktivsten Bücher von Alfred Stettler. «Stolz bin ich besonders auf die Farbfotos vom ehemaligen Speisesaal des Park-Hotels Bubenberg: Da gibt es wunderschöne Deckenmalereien im Jugendstil, die von der heutigen Besitzerfamilie Arnet mit grossem Aufwand freigelegt und restauriert worden sind. Sie sind öffentlich nicht zugänglich.» Einiges Staunen lösen beim Lesen auch die im Buch abgebildeten Spiezer Tourismusprospekte ums Jahr 1900 aus: Die damaligen Grafiker erlaubten sich grosse Freiheiten, beispielsweise wurden Abbildungen von Hotelbetrieben zeichnerisch ins Gigantische vergrössert – wie Kolosse in die Landschaft eingepasst. Solches würde heutzutage als grobe Manipulation abgelehnt. Hanspeter MaurerAlfred Stettler: «Als Spiez noch ein Kurort war». 94 Seiten, mit vielen, teils farbigen zeitgenössischen Illustrationen. Das neue Buch ist zum Preis von 34 Franken am Läsetsunntig am Stand des Autors, im Buchantiquariat Stettler und im Bücherperron Spiez (Telefon 033 8288162) erhältlich. >

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