Wie viel Mobilfunk braucht das Bödeli?

Matten

Warum braucht es G5-Antennen, und wer bestimmt? Mit der Infoveranstaltung zu diesem Thema hatte die SVP Matten ein gutes Gespür für brennende Fragen.

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G5 ist unheimlich geworden. Dies zeigte am Mittwochabend die Diskussionsrunde nach einem gut besuchten Podiumsgespräch im Hotel Unspunnen, zu der die SVP Matten eingeladen hatte. Urs Indermühle, Gemeindebetreuer bei der Swisscom, stellte vor, worum es geht.

Mit neuen Bausteinen kann die Datenübertragung schneller gemacht werden und vor allem auch reaktionsschneller, was ein wichtiger Punkt ist für das sogenannte Internet der Dinge: selbstfahrende Autos, intelligente Häuser, eine Kaffeemaschine, die ihre Kapseln selber bestellt. Notwendig werde die Umrüstung, weil das Datenvolumen sich alle Jahre verdopple. «Das Datenvolumen explodiert. Wir müssen jetzt ausbauen, damit es auch übermorgen noch gut funktioniert», sagte er.

Diskutiert werden im Oberland-Ost, zum Beispiel in Hasliberg, Unterseen und Brienz, aktuell neue und für G5 umgerüstete Antennen und die damit verbundene Frequenzveränderung der elektromagnetischen Wellen. Befürchtet wird eine gesundheitliche Beeinträchtigung durch die elektromagnetischen Strahlen.

Für Marcel Hofmann vom frisch gegründeten Verein Frequenzia ist klar, dass eine solche auf biologischer Ebene sicher nicht Beeinträchtigung ausgeschlossen werden kann und dass es entsprechende Studien gibt, zum Beispiel über die Verminderung der Spermienqualität und der Minderproduktion von Melanin. Das gemeinsame Anliegen der Gegner, die sich im Verein Frequenzia zusammenschliessen: «Wir wollen mitreden.»

Es gibt einen Schutz

«So wie Mobilfunk heute eingesetzt wird, ist das Thema gut erforscht. Es gibt keine Untersuchungen, die Schäden durch Mobilfunk an Menschen und Umwelt wissenschaftlich belegen», sagte demgegenüber Urs Indermühle. Der Bund hat Strahlenschutzvorschriften für nicht ionisierende Strahlen (NIS) erlassen. «An diese halten wir uns mit grosser Konsequenz», sagte Indermühle.

Eingehalten würden sie auch, wenn G5 auf eine bestehende Antenne – als eine sogenannte Bagatelländerung – aufgeschaltet werde, dann würden die Vorgängergenerationen G2 und G3 reduziert, um die vorgegebenen Strahlengrenzwerte nicht zu übersteigen. Einhalten würde die Swisscom auch die reduzierten Grenzwerte bei Antennen bei besonders empfindlichen Gebäuden wie Schulhäuser, was die Sendeleistung reduziere.

Viel Arbeit für Statthalter

«Wir sind aktuell mit dem Problem stark beschäftigt», sagte Regierungsstatthalter Martin Künzi. Der Bund habe beschlossen, die Schweiz flächendeckend mit Mobilfunk zu versorgen, und eine Strahlenschutzverordnung erlassen. Für neue Antennen brauche es eine Baubewilligung, und wenn in dieser alle Anforderungen erfüllt seien, habe der Bauherr das Recht auf eine Baubewilligung. Für eine Antenne braucht es die Zustimmung der Eigentümer, ein Nachweis der Einhaltung der Grenzwerte und Zonenkonformität. «Wenn ich ein Einsprecher wäre, würde ich am ehesten auf den Ortsbildschutz setzen», sagte er.

Der Statthalter hat die Aufgabe, für Antennen Baubewilligungen zu prüfen und in erster Instanz zu erteilen. «Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen Politik und Verwaltung», sagte er. Die Verwaltung sei eher eine Art Schiedsrichter, die entscheide, ob die geltenden Gesetze eingehalten werden, während die Politik sie mache. «Wenn eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung es will, kann man die Rahmenbedingungen ändern», sagte er.

Fast nur kritische Voten

Unter der Leitung von Moderator Walter Jorns gabs Fragen und vor allem Statements aus dem Publikum. Klar wurde: In dieser Runde hätte G5 wenig Chancen. «Man kann nicht mehr über seinen Körper bestimmen», sagte eine junge Frau. Als schädlich befunden wurde die ganze Entwicklung, zum Beispiel auch mit WLAN in den Schulen, und die Frage stand im Raum, ob nicht die Strahlen zur Erderwärmung und zum Verlust der Biodiversität beitragen.

Urs Indermühle sagte auf Nachfrage, dass es im Raum Interlaken eine G5-Antenne gibt, die auf dem Hapimag. Neue Standorte in Interlaken-Ost und Unterseen-Nord sind im Baubewilligungsverfahren, ein neues Projekt ist beim Umfahrungstunnel Wilderswil geplant, und es soll im Gebiet Interlaken, Matten, Unterseen und Wilderswil noch fünf weitere Standorte geben. «Wir sind in einem brutalen Wettbewerb», sagte er.

Angeregt wurde, dass die Bödeligemeinden über den Standort der Antennen bestimmen könnten. Wo Sunrise und Salt senden, wurde nicht diskutiert. Wünschbar sei, dass alle die gleiche Antenne benützen. Aber das würde die Sendeleistungen wegen der Grenzwerte für jeden um zwei Drittel reduzieren.

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