Zum Hauptinhalt springen

Wiehnachte im Altersheim

SpitzmarkeLead

D’Chantal schaffet im Alters- und Pflegeheim Abendrueh – ganz töif hinger im Ämmital. Bi de Bewohner vo däm Huus isch sie sehr beliebt, wüu sie für alli es Lächle u nes paar liebi Wort bereit het. U mängisch verbringt sie sogar ihri Freizyt im Heim u baschtlet oder bachet mit de alte Lüt. U we mau ganz schöns Wätter isch, de nimmt sie die einte oder angere Bewohner ou mau mit ufene Usflug. Ja, für d’Chantal isch dä Bruef nid nume Arbeit – är isch ihres Läbe. Jetz geits scho uma mau gäge d’Wiehnachte zue, u ou im Heim si alli Betreuer u Pfleger ganz emsig bi de Vorbereitige – Glitter hier, Liechtgirlande dert, u dr Choch macht sech ou scho Gedanke, was är äch i däm Jahr für nes Supermenü chönti uf d’Täller zoubere. Nume d’Bewohner schyne vo dere Hektik irgendwie nid aagsteckt z’wärde. Me gseht zwar hie und da öpper, wo liebevoll es chlyses Päckli für d’Grossching schnüert – aber im Grosse u Ganze si die alte Lüt i letschter Zyt no ruhiger worde u schyne hüfig i Gedanke versunke z’si. D’Chantal macht sech Sorge – ganz bsungers ums Emmi – e güetegi alti Frou usem Oberland. Normalerwys schänkt sie allne Lüt im Heim es Lächle u isch geng öppe für nes Gspässli ufgleit – aber sit es paar Tag stieret ds Emmi hüfig is Lääre u git nume eisilbegi Antworte, we me ihns öppis fragt. Wäs isch äch mit ihm los? D’Chantal suecht Rat bim Stationsarzt. Ou däm isch nämlech ufgfalle, dass alli Bewohner merkwürdig stiu und in sich gekehrt si, aber siner Ungersuechige hei ihn nid wyterbracht. Organisch fählt de Bewohner nüt! Am nächschte Morge, wo d’Chantal wieder uf ihri Station chunnt, cha sie die truurige Gsichter eifach nümme lenger mit aaluege u suecht ds Gspräch zu ihrne Patiänte. Zersch wei sie nid so rächt userücke mit dr Sprach – aber wüu d’Chantal nid lugg laht u immer wieder nachefragt, fingt sie mit dr Zyt tatsächlech use, was die liebe alte Lüt bedrückt. Z’Wiehnachtsfescht bedrückt se! No cha sech d’Chantal zwar nid erkläre, was genau z’Problem isch, aber ds Emmi cha ihre da sicher wyterhäufe: A ihrem freie Namitag schnappt sie sech zwöi Chacheli Tee u macht sech uf d’Suechi nach dere Frou, wo ja usgrächnet ar Wiehnachte ou no Geburtstag het – 99 Jahr alt wird sie denn u isch no veiechli buschper. Sie fingt se im Wintergarte – ygmummelet ine Dechi höcklet sie dert uf ihrem Lieblingssässel u löst Chrützworträtsel. D’Chantal macht nid lang Fäderläsis u chunt grad zur Sach. Zersch wot ou ds Emmi nid so rächt, aber när vertrout sie sech ar Chantal doch aa. Die alte Lüt wei gar kei grossi Wienachtsfyr mit Glitter, Glanz und Klimbim, und ou uf ds ufwändige 5-Gang-Menü vom Choch chöi sie guet verzichte. Sie wünsche sech ganz eifach es Wiehnachtsfescht, wies früecher gsi isch. Ohni grosses Trala u mit warmem Cherzeschyn statt Halogenlampe, wo Rentier u Samichlous aastrahle. «Ums Gott’s wille, wieso heit de Dir vorhät nie öppis gseit?», ergeuschteret sech d’Chantal. «Eh weisch, mir wüsse dänk aui, dass Dir nech so viu Müeh gäht, u hei eifach nid wöue undankbar erschyne», antwortet da druf ds Emmi. Phu, ar Chantal fallt e Stei vom Härz. Das wäri doch glachet, we me dene Bewohner nid es settigs Wiehnachtsfescht chönti biete, wie sie sech das scho lang wünsche. Sie springt schnäu zur Heimleitig u schmiedet mit allne Stationsleiterinne und am Choch e Plan. Es si zwar nid alli uf Aahieb yverstange – aber nadisnah verstöh sie ds Aalige vo de alte Lüt u mache mit. Am andere Morge stune d’Heimbewohner nid schlächt – über d’Nacht sie all die Lüchtbilder u künschtleche Cherzli verschwunde. I de Gäng hets nume no Chrisescht, wo mit rote Sametbänder ganz schlicht dekoriert si, u bi de Ufenthausrüüm stöh Windliechtli, wo es heimeligs, warms Liecht verbreite. Aber es wird no besser – am Aabe gits nid wie befürchtet es mehrgängigs Menü nach de nöischte Erkenntnis vor Ernährigswüsseschaft. Nei, es git Milchkafi, Gschwellti u Chäs. Die alte Lüt sie begeischteret u so uflig, wie scho lang nümme. U ou ds Emmi gniesst ihre Geburtstag und ou das Wiehnachtsfescht i volle Züg. Nachem Ässe wärde uf jedem Tisch Cherzli aazündet u die hälle Deckestrahler dimmt. Überall hets Täller mit Manderindli, Läbchueche u Wiehnachtsgüezi zum Schnouse. U als Wiehnachtsgschicht verzellt der Pfarrer nid irgend so ne nöizytlechi Story, sondern die uralti Wiehnachtsgschicht us der Bibel, wo d’Härze vo Jung und Alt ou hüt no berüehrt. Nachdäm im Heim Rueh isch ygchert, macht d’Chantal no ne letschti Rundi u wot no hurti bim Emmi verbiluege. Aber was isch de das – es isch doch scho Mitternacht u die gueti Frou höcklet no i ihrem Lähnstuehl?! Da stimmt doch öppis nid! Schnäu geit d’Chantal ga luege – aber es isch z’spät – die alti Frou isch a ihrem 99gischte Geburtstag stiu u friedlech, miteme Lächle uf de Lippe, für immer ygschlafe. Einersyts isch d’Chantal froh, dass sie ar alte Frou no der letscht Wunsch het chönne erfülle, aber sie wird die härzensgueti alti Dame natürlech ou vermisse. Wo d’Chantal am nächschte Morge i ihres Fächli luegt, fingt sie dert e Notiz i krakliger Schrift: «Danke, für ein Weihnachten, wie es früher immer war – Vergällts Gott, Emmi». «Da gseht mes ume», sinniert d Chantal mit Träne i de Ouge. «Es brucht so wenig, für sine Mitmönsche chönne e grossi Fröid z’mache. O ir hütige, hektische Zyt zelle liebi Wort u chlyni Gabe viu meh als grossi Gschänk, wo nid vo Härze chöme. Bis an Weihnachten veröffentlicht die BZ jede Woche eine Weihnachtsgeschichte von Irène Bettschen aus Krauchthal.>

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch