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«Wir können nichts mehr einsparen»

denkmalpflegeDie SVP will bei der Denkmalpflege den Rotstift ansetzen. Besitzer alter Häuser wollen Solaranlagen auf den Dächern installieren. Der Druck auf die bernische Denkmalpflege steigt. Amtschef Michael Gerber zeigt sich bereit zum Dialog.

Jetzt, nach der Präsentation des Sparpaketes des Regierungsrates und in der Fragestunde des Grossen Rates, stellen SVP-Exponenten die Existenzberechtigung der Denkmalpflege infrage. Herr Gerber, schmerzen Sie diese Angriffe? Michael Gerber:Nein. Die Denkmalpflege ist eine Aufgabe, die der Bund den Kantonen übertragen hat. Unser Amt kann man zwar abschaffen, nicht aber die Aufgabe. Ob man wirklich Kosten einsparen kann, wenn jemand anders als wir diese Aufgabe übernimmt, ist eine andere Frage. Gibt es innerhalb der Denkmalpflege des Kantons Bern Sparpotenzial? Das Amt für Kultur kam im Entlastungspaket des Regierungsrates nicht ungeschoren davon, und auch die Denkmalpflege hat ihren Teil dazu beigetragen. Weitere Einsparungen würden sicher zu einem Abbau führen. Wie viele Franken musste Ihr Amt denn einsparen? Der Anteil der Denkmalpflege am Sparpaket beträgt 2,5 Millionen Franken. Was läuft denn falsch, dass die Existenzberechtigung der Denkmalpflege infrage gestellt wird? Denkmalpflege und Bauen sind ein öffentliches und politisches Thema. Darum ist es klar und auch richtig, dass man dieses Thema diskutiert. Problematisch wird es für mich, wenn nicht objektiv diskutiert wird. Sicher ist, dass ich mit kritischen Fragen gut umgehen kann. Warum gelingt es der Denkmalpflege nicht, zu zeigen, dass es sie braucht? In den letzten Jahren haben wir eine zu wenig offensive Informationspolitik gemacht. Die Denkmalpflege wird heute immer noch so wahrgenommen, wie sie vor vielen Jahren einmal war: als kleine Fachstelle mit einem Bauberater. Also hiess es: Der Denkmalpfleger kam und sagte, so und nicht anders habe es zu sein. Heute passiert dies viel differenzierter. In dieser Aufklärungsarbeit haben wir noch Defizite. Nach wie vor mischt sich die Denkmalpflege in die Privatsphäre der Hauseigentümer ein. Bei jedem privaten Bauwerk kommt jemand von aussen, um mitzudiskutieren. Das macht nicht nur die Denkmalpflege, sondern alle, die einen Fachbericht schreiben müssen, also auch die Ämter von Wald und von Gewässerschutz. Aber bei der Denkmalpflege nimmt man den Eingriff in das persönliche Recht speziell war. Längst pflegen wir einen konstruktiven Dialog mit den Hausbesitzern. Es kommt also nicht mehr ein Mann von Bern und sagt, so wird es gemacht und nicht anders. Nach dem atomaren GAU in Fukushima wird der Ruf laut, möglichst auf jedem Dach eine Solaranlage zu installieren. Die Denkmalpflege dürfte damit zusätzlich unter Druck geraten. Wichtig ist für mich, dass man eine Gesamtbetrachtung macht, innerhalb welcher man den Anteil der Baudenkmäler beurteilen kann. Fakt ist: Baudenkmäler, zum Beispiel von der Schutzwürdigkeit einer 1878 erbauten grossbürgerlichen Villa, sind im Kanton Bern nur 3,6 Prozent. Bei über 96 Prozent der Objekte sagt die Denkmalpflege nichts. Bezüglich Solaranlagen sagen die Fachleute, dass vor allem grosse Dächer das nötige Potenzial dazu haben. Deshalb sollten wir zuerst mit solchen Objekten beginnen. Und falls dann tatsächlich einmal Baudenkmäler als Träger von Solaranlagen infrage kommen sollten, bin ich sofort bereit, zu diskutieren. Es gibt etliche Beispiele im Kanton Bern, bei denen die Denkmalpflege aktiv mitgeholfen hat, auf den Dächern von schützenswerten Häusern Solaranlagen zu montieren. Zum Beispiel? Ein Bauernhaus in Uettligen wurde mit einer grossen, flächendeckenden Solaranlage ausgerüstet. Oder das Psychiatriezentrum Münsingen. Eine geschützte Anlage, in welcher jedes Haus geschützt ist. Erkennen Sie aus denkmalpflegerischer Sicht Grenzen für den Bau von Solaranlagen? Objekte des Unesco-Weltkulturerbes sind für mich an der Grenze. Dort will man ganz bewusst aus denkmalpflegerischen Gründen, aus Gründen des Tourismus und weil man sich verpflichtet hat, das Label des Weltkulturerbes zu garantieren, nicht einen neuen technischen Zustand zeigen. Ein Objekt soll nicht im Mittelalter behalten werden, aber man will keine technische Errungenschaft wie eine Solaranlage am Baudenkmal zeigen. Interview: Urs Egli >

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