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«Wir mussten handeln»

Dominique Clémençon, Leiter des Sportfonds, erklärt, warum die Beiträge aus dem Fonds gekürzt werden müssen.

Hat der Kanton mit der eilig und leise vollzogenen drastischen Senkung der Sportfonds-Beiträge die Notbremse gezogen? Dominique Clémençon: Wir mussten handeln. Vor zehn Jahren betrug der Nettobestand des Fonds 30 Millionen Franken, Ende diesen Jahres werden es drei bis vier Millionen sein. Wir haben darum bis letzte Woche ein halbes Jahr lang keine Beiträge mehr gesprochen, bis wir mit neuen Wegleitungen eine Lösung für unser Problem hatten. Ist das eine Übergangslösung? In der ersten Hälfte 2010 soll die revidierte Sportfonds-Verordnung in Kraft treten. Diese wird die tieferen Beitragssätze übernehmen. In dem Sinne ist es keine Übergangslösung. Wie konnte es so weit kommen, dass derart drastische Massnahmen nötig wurden? Es wurde jahrelang mehr ausgegeben, als hereinkam, weil die Gesuche immer zahlreicher wurden. Dies hat damit zu tun, dass zuvor in den Gemeinden aus Spargründen Sanierungsbedarf angehäuft wurde, der nun abgetragen werden muss. Wie stark haben Grossprojekte wie das Stade de Suisse und die Postfinance Arena die Situation beeinflusst? Dass innerhalb weniger Jahre eine Handvoll Grossprojekte anstanden, hat das Problem sicher akzentuiert. Ist es überhaupt richtig, dass kommerzielle Sporttempel über den Sportfonds unterstützt werden? Der Fonds unterstützt keine kommerziellen Nutzungen. So haben wir bei der Postfinance Arena mit sechs Millionen Franken das Ausseneisfeld unterstützt, von welchem die Bevölkerung profitiert, und die Trainingshalle, wo auch der Nachwuchs spielt. Bei den geplanten Stades de Bienne haben wir ausgerechnet, dass diese Anlage zu 30 Prozent vom Profiteam des EHC Biel genutzt wird. Entsprechend reduziert sich unser Beitrag um 30 Prozent. Der Gemeinderat der Stadt Bern wirft dem Kanton vor, er habe eine Hauruck-Übung durchgezogen , ohne zu informieren. Es ist richtig, dass wir die Öffentlichkeit nicht informiert haben. Das erschien uns nicht nötig. Wir haben aber die Betroffenen, die Gemeinden und die Sportverbände informiert. Wir haben die Einführung nicht im Voraus angekündigt, weil wir keine Last-Minute-Gesuche provozieren wollten. Aber wir haben unsere Pläne mit den Sportverbänden abgesprochen. Der Regierungsrat und die Steuerungskommission wurden auch involviert wie der Gemeindeverband. Der Gemeinderat spricht von «gravierenden sport- und finanzpolitischen Konsequenzen»; von 47 Millionen, welche der Stadt fehlen. Er verlangt deshalb Neuverhandlungen. Ist das realistisch? Miteinander sprechen kann man immer. Ich weiss auch nicht genau, wie der Gemeinderat auf 47 Millionen kommt – da müsste die Stadt ja Investitionen von Hunderten von Millionen vorhaben. Aber es ist ja sicher so, dass die Stadt nicht alles aufs Mal in den nächsten zwei, drei Jahren machen kann und will. Durch die nun beschlossenen drastischen Massnahmen erhoffen wir uns für die Zukunft wieder mehr Spielraum. Dann sind also die jetzigen Beitragssätze nicht in Stein gemeisselt? Sie werden zukünftig nicht bloss in der Wegleitung, sondern in der Verordnung stehen und damit weniger einfach abänderbar sein. Dies aus Gründen der Rechtsgleichheit. Aber wenn dereinst der Fonds wieder Speck an den Hüften hat, wird man über die Sätze sicher wieder diskutieren können. Interview:Adrian Zurbriggen >

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