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«Wir nehmen das Geld ohne Scham»

beispielDie Gemeinde Trub erhält 2 Millionen Franken aus dem Finanzausgleich und nur 1,5 Millionen von den eigenen Steuerzahlern. Gemeindepräsidentin Christine Reber sagt, anders gehe es nicht.

Trub hängt am Tropf des Kantons und der «reichen» Gemeinden: Die Beiträge, die Ihre Gemeinde aus dem Finanzausgleich erhält, sind höher als die Steuereinnahmen. Was sagen Sie dazu? Christine Reber*: Das ist ein altbekanntes Thema. Ich kann dazu nur sagen, dass es schlicht nicht anders möglich ist, bei uns die Infrastruktur aufrechtzuerhalten, die notwendig ist, damit wir hier leben können. Das Trub liegt halt in einer sehr schönen und leider auch sehr «teuren» Gegend: Die Kosten für Strassen, Wasserversorgung, Schulen sind naturgemäss höher als anderswo. Es macht Ihnen kein Bauchweh, dass Ihre Gemeinde am Tropf des Restkantons hängt? Nein. Wir nehmen das Geld ohne Scham, weil wir wissen, dass es keine Alternative gibt. Schauen Sie: Das Trub besteht aus lauter Sackgassen – verschiedenen Seitengräben und Hügelzügen, die untereinander nicht verbunden sind. Deshalb ist einerseits der Strassenunterhalt ungemein teuer, und andererseits gibt es hier – ausser im Haupttal – keine Flächen, die Platz für grössere Unternehmen oder Wohnüberbauungen bieten würden. Wir haben fast nur Hanggebiet. Das lässt sich nicht ändern. Kurz: Wenn der Kanton Bern will, dass Gegenden wie das Trub weiterhin bewohnbar sind, muss er weiterhin zahlen? Ja. Man darf uns aber nicht einfach als Profiteure hinstellen. Auch wir leisten unseren Beitrag. Wir pflegen die Landschaft. Wir sorgen dafür, dass die Städter an den Wochenenden unsere Strassen benutzen und in unseren gut unterhaltenen Erholungsgebieten wandern oder biken können. Unsere Kinder wachsen in weit gehend intakten Verhältnissen auf und sind später willkommene Lehrlinge für die Unternehmen in den Agglomerationen; sie ziehen dann oft weg und zahlen bei uns keine Steuern. Ausserdem müssen wir über den kantonalen Lastenausgleich Geld an die vielen Kindertagesstätten, die hohen Sozialhilfekosten und das dichte Bus- und Bahnnetz in den Agglomerationen bezahlen – ohne dass wir davon etwas haben. Aber wir jammern nicht: Ein Kanton wie Bern ist – wie die ganze Schweiz – auf Solidarität und einen massvollen Finanzausgleich angewiesen. Ist er denn massvoll? Immerhin zählt Ihre Gemeinde zu den grossen Nutzniessern des revidierten Finanzausgleichs ab 2012. Die Beiträge wachsen weiter: um drei Steuerzehntel. Das liegt daran, dass wir für die geografisch-topografischen Lasten viel mehr Geld erhalten. Die Kriterien wurden verfeinert; man kann also auch argumentieren, dass wir bisher zu wenig Geld erhalten hätten. Was werden Sie mit den höheren Beiträgen machen? Senken Sie die Steuern? Ja, für 2012 ist eine Steuer-senkung vorgesehen, aber nicht im vollen Umfang der drei Steuerzehntel. Die Höhe steht noch nicht fest. (Die Steueranlage im Trub liegt bei 1,89, der kantonale Mittelwert bei 1,62; Anm. d. Red.) Haben Sie Mitleid mit der Gemeinde Muri, die 39 Prozent ihrer Steuereinnahmen in den Finanzausgleich einzahlen muss? Nein. Wer in Muri wohnt, hat Vorteile, die wir hier nicht haben, und umgekehrt. So funktioniert unsere Solidarität: Die einen erwirtschaften Geld, die anderen pflegen die Landschaften. Wer in Muri wohnt, kann dank uns auf den Napf wandern und am Montag frisch aufgetankt von unserer reinen Landluft wieder an die Arbeit gehen. Könnte Trub nicht fusionieren, um weniger vom Finanzausgleich abhängig zu sein? (lacht) Das musste ja kommen. Diese Illusion hält sich hartnäckig. Wer meint, durch eine Fusion würden periphere und finanzschwache Gemeinden plötzlich wohlhabend und finanziell selbstständig, irrt sich gewaltig. Ich glaube auch nicht daran, dass eine Fusion die Kosten senken würde. Mit Sicherheit würden aber die Dienstleistungen für die Bürger schlechter und die Wege noch weiter. Kurz: Wir kooperieren mit unseren Nachbarn in vielen Bereichen, aber eine Fusion ist vorerst kein Thema. fab*Christine Reber-Eller (BDP) ist seit drei Jahren nebenamtliche Gemeindepräsidentin der Oberemmentaler Gemeinde Trub; zuvor gehörte sie schon fünf Jahre lang dem Gemeinderat an. >

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