«Wir sind gar nicht gegen die Grube»

Wimmis

Am Donnerstag stimmt Wimmis über die Überbauungsordnung für das Kiesabbaugebiet Au ab. Der Gewerbeverein wirbt per Flugblatt dafür. Auch die Anwohner haben eine Botschaft.

Auf dem Gebiet entlang des Aubächli sollen 2 Millionen Kubikmeter Kies abgebaut werden. Die Bauprofile markieren den Verlauf der geplanten Lärmschutzwand. Links ist eines der betroffenen Häuser an der Rütenestrasse zu sehen.

Auf dem Gebiet entlang des Aubächli sollen 2 Millionen Kubikmeter Kies abgebaut werden. Die Bauprofile markieren den Verlauf der geplanten Lärmschutzwand. Links ist eines der betroffenen Häuser an der Rütenestrasse zu sehen.

(Bild: Claudius Jezella)

Es ist ein grosses Projekt, und dementsprechend umfangreich sind die Informationen, welche die Gemeinde den Bürgern im Vorfeld der Gemeindeversammlung vom Donnerstagabend zur Verfügung gestellt hat. Auf vier Seiten wird sehr detailreich erklärt, dass die Vigier Beton Berner Oberland AG das Kiesabbaugebiet Steinigand erweitern möchte. Im Gebiet Au will Vigier in vier Jahren damit beginnen, insgesamt 2 Millionen Kubikmeter Kies über einen Zeitraum von 30 Jahren abzubauen.

Begrenzt wird das rund 150 Meter Luftlinie vom Kieswerk Steinigand entfernt liegende und 12 Hektaren grosse Gebiet im Osten durch den Wald entlang der Kander (Au) und im Westen durch einen Wanderweg. Nach dem Abbau, der in fünf Etappen erfolgen soll, soll das Gebiet mit unverschmutztem Aushub- und Ausbruchmaterial wieder aufgefüllt werden. Dazu soll die Gemeindeversammlung nach Antrag des Gemeinderats die entsprechende Überbauungsordnung sowie die Anpassung der Zonenpläne genehmigen.

Entschädigung für Gemeinde

Das «breite Interesse» an einer Fortsetzung des Kiesabbaus in Wimmis, von dem Gemeinderatspräsidentin Barbara Josi spricht, hat nicht zuletzt einen ­finanziellen Hintergrund. Nach Angaben von Gemeindeverwalter Beat Schneider erhalte die Burgergemeinde als Grundeigentümerin nach heutigen Erfahrungswerten rund 7 Franken pro Kubikmeter Abbau und Deponie.

Davon gingen 22,5 Prozent als Inkonvenienzentschädigung für die Beeinträchtigungen durch Lastwagenverkehr, Lärm und Staub an die Gemeinde. Nach dieser Modellrechnung wären das rund 500 000 Franken pro Jahr für die Burgergemeinde und rund 100 000 Franken an die Gemeinde, die dort zu zwei Dritteln für die Infrastruktur und zu einem Drittel für einen Fonds für die Sport-, Kultur- und Vereinsförderung bestimmt sind.

Als potenter Unterstützer der Abbaupläne hat sich nun auch der Gewerbeverein Wimmis zu erkennen gegeben. Im Vorfeld der Gemeindeversammlung hat der Gewerbeverein, zu dessen 72 Aktivmitgliedern übrigens auch die Vigier Beton Berner Oberland AG zählt, in einer breit angelegten Flugblattaktion die Werbetrommel für die Abstimmung gerührt.

Die «Zukunft Werkplatz Steinigand und damit eine wirtschaft­liche Erfolgsgeschichte für Wimmis stehen auf dem Spiel», ist auf dem Flugblatt zu lesen. Dazu noch der Verweis auf Vigier als «guten Steuerzahler», der zudem seit vielen Jahren Wimmiser Vereine und Anlässe unterstütze, ­sowie auf «langfristig gesicherte Arbeitsplätze und Lehrstellen», was ohne Kiesabbau nicht möglich wäre.

«Haben keine andere Wahl»

Das ruft nun wieder eine Handvoll Anwohner auf den Plan, in deren direkter Nachbarschaft das neue Abbaugebiet entstehen soll. «Sehr einseitig» nennen sie die Informationen, die der Gewerbeverband per Flugblatt in Umlauf gebracht hat. Gerade einmal 11 Meter Abstand sind nach den Plänen zwischen der 3,50 Meter hohen Schallschutzwand und der Rütenestrasse vorgesehen, an der die Häuser der fünf Einsprecher liegen.

In diesen Korridor soll auch das Aubächli verlegt werden. Gleich hinter der Wand wird die Wiese einem 20 Meter tiefen Loch weichen. Deshalb kämpfen die Anwohner um eine Vergrösserung des Abstands, und wenn es auch nur einige Meter wären. Das würde das Abbauvolumen nur geringfügig reduzieren, die Lebensqualität aber deutlich erhöhen, sagen sie. «Und Arbeitsplätze wären dadurch ja nicht gefährdet», sagen sie. «Wir sind gar nicht gegen die Grube, wir wollen nur etwas mehr Abstand.»

Doch bei den Einspracheverhandlungen im Februar und März stiessen sie mit ihren Forderungen auf Granit. «So haben wir gar keine andere Wahl, als gegen die Überbauungsordnung zu stimmen.» Oder zumindest einen Rückweisungsantrag zu stellen und auf die Solidarität ihrer Mitbürger zu hoffen: «Die im Dorf wissen ja gar nicht, wie nah die Grube an unseren Häusern geplant ist. Jeder, der das Projekt vor seiner Tür hätte, würde es ablehnen.» Über ihre Einsprachen entscheidet unabhängig vom Abstimmungsergebnis der Kanton.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt