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Wo die Kanalratten zu Hause sind

Fritz Seewer tut Gutes – in der Unterwelt. Der 30-Jährige ist Vorarbeiter beim Kanalunterhalt der Gemeinde Köniz. An die Gerüche hat er sich gewöhnt. Aber nicht an das Fett, das die Leute gedankenlos entsorgen.

Ein deftiges Zmittag weiss Fritz Seewer gewöhnlich zu schätzen. Der Appetit vergeht ihm aber, wenn er vorher mit dem Hochdruckreiniger im Kanal unterwegs ist und dort übel riechende Fettresten wegspritzen muss. Der 30-Jährige ist sonst nicht heikel. Er sagt: «Einen beissenden Gestank gibt es selten in den Könizer Abwasserrohren.» Entsorgen die Leute aber Essensreste in der Toilette oder giessen sie gar Öl ins Abwaschbecken, wirds für Seewer und seine Kollegen unangenehm. «Das riecht sehr viel strenger als Fäkalien», sagt Seewer und blickt in die Tiefe. Draussen ist es kalt, aus dem Untergrund steigt warmer, schwefliger Dampf nach oben. Eine steile Metallleiter führt hinunter zum Arbeitsplatz. Der Untergrund Das Dreckwasser unserer Abwaschmaschinen, unsere Exkremente. Das alles treibt durch die Kanäle. Daher hat Fritz Seewer zunächst gezögert, als er im Sommer das Stelleninserat «Vorarbeiter Kanalunterhalt» sah. Der gelernte Landwirt aus Kaufdorf war jahrelang als Monteur für Hydraulikzylinder in der ganzen Welt unterwegs. Der Untergrund war daher auch für ihn eine unbekannte Welt. Er überwand seine Zweifel – und bekam den Job in Köniz. Mittlerweile, nach drei Monaten, konnten auch seine Kumpels ihre Skepsis ablegen. Am Anfang klopften sie noch Sprüche, nannten ihn (liebevoll) Kanalratte. Der Aufpasser Auf seinen Kontrollgängen trägt Fritz Seewer immer ein Warngerät auf sich. Denn es kommt vor, dass sich gefährliche Gase bilden. Die riecht man nicht, sie können tödlich sein. Keiner steigt in die Tiefe, ohne dass oben ein Kollege aufpasst und ständig Sichtkontakt hat. Diese Sicherheitsmassnahme ist alles andere als ein Luxus. Denn dort unten gibt es keinen Handyempfang und keine Möglichkeit, um Hilfe zu rufen. Es gibt Leute, die das nicht wissen und sich bei der Gemeinde beschweren: «Die stehen ja nur faul rum.» Der Wunsch Seewer hat einen Weihnachtswunsch: «Bitte die Reste des Festtagsmenüs nicht in die Toilette werfen.» Denn das riecht nicht nur übel. Sondern zieht auch die Kanalratten an, die echten. Diese müssen Fritz Seewer und seine Kollegen dann vergiften. Und das ist doch ziemlich unfeierlich. Katharina Merkle >

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