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Zu «Peacemakern» ausgebildet

In einer Friedenswoche lernten die Jugendlichen der Oberstufenschule

«Wir haben eine positive Woche erlebt und sind gut eingestellt auf Weihnachten», stellte Lehrer Hanspeter von Känel am Elternabend fest. Drei Fachleute vom 1995 gegründeten Verein National Coalition Building Institute (NCBI) aus dem Büro in Bern orientierten im Kirchgemeindehaus Reichenbach von der Friedenswoche der Oberstufenschule (OSS) und der Schulung der elf Friedensstifter (peacemaker). Gegen 80 Schulen in der Deutschschweiz – und Reichenbach als erste Schule im Berner Oberland – machten beim Projekt mit. Die Schulen können anschliessend allein weitermachen und Peacemaker ausbilden, die dann ihre Einstellung ins Leben hinaus mitnehmen. In Rollenspielen geübt In der Turnhalle fand der Einstieg mit einem Rapper statt, und es wurde ein Song einstudiert. Mit Bewegung lernten die Jugendlichen das Abreagieren, probten Gewaltsituationen in der Rolle als Opfer und Täter. In jeder Klasse wurden zwei Jugendliche – vorzugsweise ein Junge und ein Mädchen – gewählt, und in einem anderthalb-tägigen Kurs ausgebildet. Die elf Peacemaker aus Reichenbach sind zumindest ein Jahr im Amt und wurden am Elternabend vorgestellt. Das Projekt soll das Elternhaus, ja das ganze Dorf erreichen und so für die Gesellschaft Gewinn bringen. Alle, auch Erwachsene, sollen hinschauen und eventuell aktiv werden. Ziel ist, handgreifliche und psychische Streitigkeiten mit Worten konstruktiv zu lösen, bevor die Situation eskaliert. Schlichten, nicht richten Die Peacemaker vermitteln in fünf Schritten. Sie fragen die Streithähne, ob sie eine Vermittlung wünschen. Sie lassen beide Parteien berichten, was passiert ist, wiederholen die beiden Standpunkte und fragen nach dem Problem. Gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht: «Wer hat eine Idee, wie das Problem zu lösen ist?» Die erzielte Abmachung wird per Handschlag besiegelt oder schriftlich festgehalten. Bei dieser freiwilligen Arbeit sind die Peacemaker frei, zu entscheiden, ob sie eingreifen wollen oder nicht. Sie sind fair, nicht Polizist oder Richter. Sie schlichten also, richten aber nicht. Kann ein Streit nicht geschlichtet werden, wird ein Lehrer zu Hilfe geholt. Polizei hilft mit Alle Jugendlichen wurden in Umgangsformen an der Schule und dem Verhalten gegenüber verbaler, physischer und psychischer Gewalt geschult. In Ateliers wurden Themen wie «Ausländer und Fremde unter uns», «Fairplay im Alltag und Sport» und «Selbstverteidigung» behandelt. Die Polizei hilft bei der Gewaltprävention mit und war an der Schule zu Besuch. Sie berichtete übers Jugendstrafrecht und demonstrierte den Einsatz von Polizeihunden. Alle Jugendlichen durften ein Friedenslicht basteln und eine Kerze ziehen. Eine Gruppe machte während den Friedenstagen Interviews und drehte einen Videofilm. Bereits im August waren die Lehrkräfte geschult worden. Hanspeter von Känel und Marlise Kämpfer betreuen die Friedensstifter an der Schule und helfen allenfalls vermitteln. Initiant der Friedenswoche war Lehrer Hanspeter von Känel: «Ich war enttäuscht und ärgerte mich über die mehrfache Zerstörung des Planetenweges und die Sprayereien im Dorf.» Andi Geu, der Leiter des Büros von NCBI in Bern, ist überzeugt, dass sich das Klima verbessern wird: «Wir haben die Jugendlichen mit einer gebackenen Friedenstaube in die Weihnachtsferien entlassen.» Rösi Reichen •www.ncbi.ch •www.ncbi.ch/peacemaker >

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