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Zuger Attentat: Politiker erinnern sich

Region ThunHeute vor zehn Jahren ereignete sich im Regierungsgebäude des Kantons Zug der folgenschwerste Amoklauf der Schweizer Kriminalgeschichte. Politiker aus der Region Thun erinnern sich daran, wie sie diesen Tag und die Zeit danach erlebt haben.

10.35 Uhr war es, als der 57-jährige Friedrich Leibacher am Morgen des 27. September 2001 den Parlamentssaal im Regierungsgebäude des Kantons Zug stürmte. Was danach folgte, ging als folgenschwerster Amoklauf in die Schweizer Kriminalgeschichte ein: Aus Frust über die Behörden, die ihn aus seiner Sicht unfair behandelten, schoss Leibacher im Saal wild um sich und tötete dabei 14 Menschen, bevor er sich am Ende selbst richtete. Unter den Toten befanden sich drei Regierungs- und elf Kantonsräte. Zudem verletzte der Amokläufer vierzehn Politiker und Journalisten schwer. Heute sind es genau zehn Jahre her seit den schrecklichen Ereignissen in Zug. Die Tat löste im ganzen Land grosse Bestürzung, auch in Thun und Umgebung. Diese Zeitung hat bei Politikern aus der Region nachgefragt, welche Erinnerungen sie mit dem 27.September 2001 verbinden. «Schockiert und gelähmt» Der damalige Thuner Stadtpräsident Hans Ulrich von Allmen hielt sich am Tag des Attentats im Engadin in den Ferien auf. «Ich erfuhr via Fernsehen vom Amoklauf», erinnert sich Von Allmen. Er sei «sehr erstaunt» gewesen, dass so etwas in der Schweiz passierte, weil sich Vergleichbares bis dahin doch immer im Ausland ereignet hatte. «In der Zeit danach ging mir ab und zu durch den Kopf, wie ich am besten mit Leuten umgehen soll, die mir drohen würden», sagt Von Allmen. Angst habe er aber nicht verspürt, da er aus der Bevölkerung nie direkt bedroht worden sei. Ursula Haller, schon damals als Thuner Gemeinde- und Nationalrätin aktiv, vernahm die Nachricht vom Zuger Attentat mitten in der Session der eidgenössischen Räte in Bern. «Wir waren alle total schockiert über diese Tat und im ersten Moment wie gelähmt», sagt Haller. Später habe sie erfahren, dass sich unter den Toten auch der Brautführer ihrer ersten Hochzeit befand, was sie zusätzlich tief betroffen machte. «Die Zuger Kantons- und Regierungsräte hatten im eng besetzten Parlamentssaal absolut keine Chance zu flüchten. In Bern wäre es damals nicht anders gewesen», meint Haller. Die Sicherheitsbestimmungen im Bundeshaus seien vor zehn Jahren noch weitaus lascher gewesen als heute. Nach dem Amoklauf habe man die Eingangskontrollen dann aber klar verschärft. Einer der ersten Gedanken von Hans Rudolf Feller, dem damaligen Steffisburger Gemeindepräsidenten, war: «Kann dies auch bei uns im Dorf passieren?» In den ersten paar GGR-Sitzungen nach dem 27. September wurde jedenfalls die Polizeipräsenz, vor allem für die Eingangskontrolle, erhöht – dieselbe Massnahme traf auch der Thuner Gemeinderat für die Stadtratssitzungen im Rathaus. «Der aufgebotene Polizist verhielt sich bewusst diskret. Die Massnahme sollte trotz allem verhältnismässig bleiben», blickt Feller zurück. Offene Tradition behalten «Eine Sitzung von Volksvertretern auf diese Art anzugreifen war und ist für mich unverständlich», sagt Marcus Sartorius, der 2001 den GGR Steffisburg präsidierte. Es sei eine Tradition der Schweizer Demokratie, dass solche Sitzungen offen und für alle frei zugänglich abgehalten würden. «Diese Errungenschaft müssen wir bewahren», ergänzt Sartorius. Klein beigeben, etwa aus Angst, bringe nichts: Für ihn sei es nach dem Amoklauf nicht in Frage gekommen, sein politisches Amt sofort niederzulegen. Hans Ulrich Grossniklaus, damals GGR-Mitglied und heute Steffisburger Gemeinderat, zog es nach dem Zuger Attentat ebenso wenig in Betracht, in der Politik kürzer zu treten. «Das würde solchen Tätern ja nur in die Hände spielen», meint er. Grossniklaus kannte zwei Personen, die im Kugelhagel Leibachers schwer verletzt wurden. Er sehe nur eine Lösung, um Amokläufe in Zukunft möglichst zu verhindern: «Wir müssen aufmerksam und wach bleiben. Die absolute Sicherheit wird es aber nie geben.» Gabriel BergerWeiterer Bericht zum 10. Jahrestag des Zuger Attentats auf S. 12 + 13 >

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