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Zum Schutz gegen Brunnenvergifter

Seit letztem November ist das Herzstück der Berner Wasserversorgung nicht mehr Tag und Nacht besetzt. Der Wasserverbund will das Pumpwerk in der Schönau deshalb besser schützen. Die Projekteingabe für einen Zaun wurde vor über einem Jahr deponiert, entschieden ist immer noch nichts.

Der Denkmalpfleger wollte keinen Zaun um das Hauptpumpwerk der Berner Wasserversorgung in der Schönau erlauben. Und der Regierungsstatthalter unterstützte ihn vorerst. Doch für den Wasserverbund steht ausser Frage: Das Pumpwerk Schönau muss besser gesichert werden. Nun scheint sich die blockierte Situation zu entspannen, wie Bernhard Gyger, Geschäftsführer des Wasserverbunds Region Bern, antönt: «Ein Zaun kommt. Die Frage ist nur noch, wo in welcher Ausführung und wie hoch.» Bereits Ziel eines Anschlags «Wir fragen uns schon lange, wie krank ein Mensch sein muss, um die Wasserversorgung einer Stadt zu attackieren», berichtet Gyger. Unbestritten ist sie eine neuralgische Stelle. In Amerika gleichen Reservoirs veritablen Bunkern. Diese Überlegungen haben für Gyger mit dem Massaker in Oslo plötzlich dringende Aktualität erhalten. Die Wasserversorgung Berns war bereits einmal Ziel eines Anschlags. «Die Béliers schütteten während des Jurakonflikts im November 1972 einmal einen Kanister Öl ins Könizberg-Reservoir.» Bis auf das Pumpwerk sind heute alle wichtigen Anlagen des 2007 geschaffenen Wasserverbunds umzäunt. Verständlich also, dass man sich Gedanken macht zum Schutz der lebenswichtigen Infrastruktur. «Von hier aus werden 186000Personen aus neun Gemeinden mit Trinkwasser beliefert», erläutert Gyger. Bis im November war die frei zugängliche Anlage Tag und Nacht besetzt, weil die Leitstelle im Gebäude untergebracht war, seit neun Monaten ist das nicht mehr so: «Die Leitstellen für Gas, Elektrizität und Wasserversorgung wurden zusammengefasst», sagt Gyger. «Bei schönem Wetter haben wir viele Leute rund ums Gebäude», fährt er weiter. Sie legen ihre Badetücher auf den Vorplatz und klettern an der aus rauen Blöcken gemauerten Fassade herum. Gyger: «Wir können die Absicht eines Fassadenkletterers nicht ergründen.» Eventuell wolle dieser ja ins Gebäude eindringen und dort Gift ins Trinkwasser schütten. «Damit könnte er alle Bernerinnen und Berner treffen», meint er. Deshalb leitete der Wasserverbund schon im Juli 2010 Massnahmen zum besseren Schutz der Anlage in die Wege. Für Verwaltungsratspräsidentin Dora Andres, ehemalige Polizeidirektorin des Kantons Bern, sei dies von Anfang an einsichtig gewesen – nicht aber für die Behörden. Das Gesuch ist noch hängig. Dabei tönt Gygers Argumentation einleuchtend: «Sobald wir einen Zaun haben, können wir den Bereich dahinter mit Videokameras überwachen. Taucht darin jemand auf, ist das ein Alarmsignal», so Gyger. Im Notfall könnte die Leitstelle das Pumpwerk sofort stoppen. Von Belp her braucht das Wasser beispielsweise zwei Stunden. Dort wird es laut Gyger analytisch und mit Fischen überwacht. Die Elritzen werden mit einer Kamera beobachtet. Verhalten sie sich anormal, wird Alarm ausgelöst. Regierungsstatthalter Christoph Lerch räumt zwar ein, dass das Verfahren bereits lange dauere. Der städtische Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross habe sich gegen einen Zaun ausgesprochen, weil dieser das Erscheinungsbild des Gebäudekomplexes beeinträchtigen würde. Doch ohne Zaun scheine es nicht zu gehen. «Der Denkmalpfleger sucht nun gemeinsam mit dem Wasserverbund eine Lösung und bat mich deshalb, noch keinen Entscheid zu fällen.» Quasi ein Veto Für Lerch ist die lange Dauer des Verfahrens zwar unschön, aber kein Versagen der Behörden. Tatsächlich komme der Einschätzung des Denkmalpflegers beinahe Vetocharakter zu. Wichtiger noch sei jedoch die Versorgungssicherheit. Der Denkmalpfleger war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Gyger vom Wasserverbund gefällt das Gebäude auch: «Es geht nicht darum, es hinter einem Maschendrahtzaun zu verbarrikadieren», sagt er. Eine zwei Meter hohe Abgrenzung reiche durchaus. Der vorgelagerte Brunnen, in dem sich Aareschwimmer annetzen, bleibe zugänglich. Christoph Aebischer>

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